Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon dst11 » Do 23. Mär 2017, 22:02

Also für mich stellt es sich so dar:
(Zur Info: Wir haben einen i3 60Ah und einen Zafira 1.4T im "Fuhrpark", Familie mit 2 Kinder + Hund)

1. Es gibt wahnsinnig viele verschiedene Märkte. Von "dem Markt" zu sprechen ist glaub ich nicht differenziert genug. Es gibt sogar einen Markt für alte, auf Gas umgebaute 7er BMW's, klein, aber existent.
2. "Umparken im Kopf": Elektromobilität unterscheidet sich sehr stark in der Benutzung von fossiler Mobilität. Der Fahrer / Die Fahrerin muss sich dafür im Kopf stark anpassen. Reichweitenangst abschütteln, zuhause Strom einstöpseln, geringe Restkilometer akzeptieren, etc... Nicht jede Person rechnet gerne ständig im Kopf die restliche Fahrtstrecke mal Windstärke minus Regen plus abschüssige Strecke im Kopf mit. Gedankenlose Mobilität war bisher standard und ist es mit stark eingeschränkter Reichweite nicht mehr. Dazu kommt, dass ein Auto für viele Haushalte eine unheimlich große Investition ist, die sich sehr stark auf das Budget auswirkt. Man kauft eben nicht schnell mal ein Auto und jedes Jahr ein Neues, zumindest nicht in der Breite. D.h. die Entscheidungsfindung ist in der Breite eher konservativ geprägt. Ein elektro Auto ist momentan für viele mit zu viel Risiko (Akkulebensdauer, Geschwindigkeit der Weiterentwicklung, unbekannter Wertverlust, etc...) verbunden.
3. Reale "worst-case" (kalt, Regen, Gegenwind) Reichweite von 300km wäre Minimalanforderung für massentaugliche Elektromobilität. Wie sie aktuell Tesla und in Kürze evtl. Opel bietet. Die wenigen Fahrten > 300km kam man sich denke ich den Aufwand machen und sich entsprechende CCS-Stationen aussuchen, inklusive genug Pufferreichweite, falls eine Ladestelle kaputt / Umleitung / was auch immer.
4. Angebotsvielfalt: Aktuell gibt es in jeder Fahrzeugklasse zig Verschiedene Hersteller und noch mehr Fahrzeuge. Jeder findet dabei ein Angebot, welches ihm/ihr gefällt. Ich will in meinem Auto auf jeden Fall Heckantrieb. Meine Frau legt mehr wert auf "schi-schi". i3 passt also. Aber viele finden ihn nicht schön. Bei größerem Angebot wird sich denke ich die eMobilität automatisch stärker etablieren.
5. Ladesäulen: Angst vor zugeparkten, belegten, defekten Ladesäulen etc. ist denke ich ein Rückhaltefaktor. Erfahrungen damit machen aber nur die, die schon ein Elektroauto für Fernreisen benutzen. Genauso technisches Unwissen und damit Unsicherheit bzw. schlechter Ruf ob der Ladegeschwindigkeit. Mit dem aktuellem Förderprogramm (inkl. freier Zugänglichkeit über Kredit- oder ec Karte) wird sich das in den nächsten 2 Jahren auf ein Niveau begeben, bei dem man fast von Massentauglichkeit sprechen kann, denke ich.

Fazit: Ich denke, dass aktuell die allerwenigsten Haushalte, welche mehr als ein Auto ohnehin haben, wirklich mehr als einen Verbrenner benötigen. Das mag es zwar geben, aber ich denke dass es in den meisten Haushalten ausreichend ist, einen Verbrenner und den Rest elektrisch zu haben. Dem steht noch die Trägheit des Marktes entgegen (Ich kaufe z.B. keine Neuwagen wegen dem Wertverlust und bin deshalb auf einen Gebrauchtwagenmarkt angewiesen). Mit Trägheit meine ich die typische Haltedauer eines Autos + plus der mentalen Konservativität potentieller Käufer. Man kauft sich eben erst dann ein Elektroauto wenn zwei Arbeitskollegen und drei Nachbarn positive Erfahrungen damit gemacht haben. (Oder man rechnen & denken kann gepaart mit viel Mut). Und das nur alle paar Jahre. Dazu dann noch der Anschaffungspreis. Auch wenn die TCO eines Elektroautos besser ist , der Anschaffungspreis ist doch deutlich höher und schwerer zu stemmen.
Ich persönlich gehe davon aus, dass es eine Chance von Elektromobilität von 50% Marktanteil an Neuzulassungen ab ca. ~2025 gibt. Dann sollte Angebot, Technik und Preis konkurrenzfähig genug sein. Ich denke dass ein Marktanteil von 20% von Verbrenner bestehen bleibt. (Einsatzprofil "Vertreter" oder "Leute mit Pferdeanhänger") Die vollständige Transition wird sich vermutlich nur mit Verboten regeln lassen.
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon meikel66 » Do 23. Mär 2017, 22:17

@ energieingenieur
Quelle? Laut Kraftfahrtbundesamt wurden 2016 3,3 Mio PKW neu zugelassen (=Neuwagen!). Davon 35% als Privatfahrzeuge:
http://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeug ... _node.html
http://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeug ... _node.html

Zulassungszahlen PKWs: Angaben zu reinen Elektroautos - siehe unten im Text.
http://www.focus.de/auto/elektroauto/ke ... 58134.html

Wohngebäudestruktur in Deutschland:
Rund die Hälfte lebte 2011 (Zensus) in Ein-, Zwei-, Reihenhäuser, Doppelhaushälften (Eigentum oder Miete)
Jeder Zweite lebte in städtischen oder dicht besiedelten Gebieten (48,8 Prozent oder 40,3 Millionen Menschen).
Unterstellt wird die Annahme, dass man in Ein-, Zwei-, Reihenhäuser, Doppelhaushälften Lademöglichkeiten schaffen kann.
https://www.destatis.de/GPStatistik/ser ... 8B852CA984
http://www.sueddeutsche.de/geld/bevoelk ... t-1.546227

"In Norwegen sind immerhin 50% der Neuzulassungen inzwischen elektrisch oder teilelektrisch."
Man müsste fast fragen, warum in Norwegen überhaupt noch Verbrenner verkauft werden. E-Autos sind günstiger.

"Obwohl ich kein Motorradfahrer bin, fallen mir da sofort einige E-Motorrad-Hersteller ein: Brammo, Sora, Energica, Zero, Vectrix."
Der Service bei Zero war gleich Null (wie der Name schon sagt :D ). Deshalb: Never ever! Brammo gibt es nicht mehr. In frage kommen für mich nur noch etablierte Großserienhersteller (BMW, Honda, KTM, Yamaha, Kawasaki, Suzuki usw.).
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon meikel66 » Do 23. Mär 2017, 22:29

@ Helfried
Glaubst Du, die Angst vor der neuen Technik hält viele Käufer zurück?

@ dst11
Ich finde es gerade spannend mit der begrenzten Reichweite zu fahren. Man fährt deutlich ökonomischer und bewusster. Mir hatte das Spaß gemacht.
Ich stimme Dir voll und ganz zu, dass die meisten keine zwei Verbrenner brauchen. Allein in München solle es 150.000 Zweitfahrzeuge geben, die problemlos gegen ein E-Fahrzeug ausgetauscht werden können.
Zu rund 90% nutze ich mein Fahrzeug, um zur Arbeit zu kommen. Und genau dafür könnte ich ein E-Fahrzeug einsetzen. Das dürfte den meisten so gehen. Daher gäbe es unheimlich viel Potenzial für E-Autokäufer.
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon Heesi » Do 23. Mär 2017, 22:42

Volt hat geschrieben:
In Deutschland wird das Elektroauto ein nieschenprodukt bleiben, es sei denn es kommen Fahrverbote, weitere Steuervorteile, oder extrem sinkende Preise.
als Firmenwagen sind die e autos wegen der 1%regel völlig unakzeptabel.
Stefan

Was ist an der 1% Regelung schlecht?

Bei uns Neupreis minus 8500€ durch 100 ist doch besser als Neupreis durch 100!
Kia Soul EV Play+ KONES für unterwegs / Tiefgarage mit 16A Ladebox festes Kabel
Wochenendhaus CEE 16A blau und bald CEE 32A rot
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon Helfried » Do 23. Mär 2017, 22:53

meikel66 hat geschrieben:
@ Helfried
Glaubst Du, die Angst vor der neuen Technik hält viele Käufer zurück?


Ja natürlich. Das sehe ich doch an mir selbst. Nur sehr widerwillig habe ich mir damals "testhalber" den sündteuren Elektro-Rasenmäher gekauft. Den Akkus habe ich idealerweise 3 Jahre an erhoffter Lebensdauer gegeben. Pure Angst.
Mittlerweile gehen sie im fünften Jahr immer noch wie neu. Sowas prägt dann doch. Auch E-Bikes gehen unerwartet gut, obwohl da schon teils seeeehr windige Firmen beinander sind.

Übrigens lernt man bei E-Bikes all die fiesen Tricks der Hersteller kennen, die man hier im Forum auch bei bestimmten Automarken wieder sieht. Dem Normalbürger ohne technischen Hintergrund kann man E-Autos nicht empfehlen. Die Abzocke ist schon recht dreist.
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Re: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos?

Beitragvon meikel66 » Do 23. Mär 2017, 23:12

@ Helfried
Die Abzocke ist schon recht dreist.

Hast Du Beispiele / Erfahrungswerte?

Ich fande das Fehlerspeicherauslesen bei meinem E-Motorrad Zero mit 200 Euro recht teuer. Aber der Händler müsse die Anschaffung halt betriebswirtschaftlich umsetzen. Und ich sei selber schuld, dass ich mir ein solches Bike gekauft habe.
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Re: AW: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos

Beitragvon Helfried » Fr 24. Mär 2017, 00:00

meikel66 hat geschrieben:
@ Helfried
Die Abzocke ist schon recht dreist.

Hast Du Beispiele / Erfahrungswerte?

Jährliche Service-Intervalle, unmöglicher Akkuzellentausch und 1000 Dinge mehr.
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Re: AW: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos

Beitragvon Mei » Fr 24. Mär 2017, 05:36

Helfried hat geschrieben:
...Jährliche Service-Intervalle, unmöglicher Akkuzellentausch und 1000 Dinge mehr.


Du musst kein Service machen. Wozu auch?
Zellentausch geht doch bei allen Herstellern. Nur das handwerkliche Geschick muss da sein.
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Re: AW: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos

Beitragvon Helfried » Fr 24. Mär 2017, 06:36

Mei hat geschrieben:
Du musst kein Service machen.


Bei fast allen Herstellern muss man schon.
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Re: AW: Welche realistischen Marktchancen haben Elektroautos

Beitragvon Mei » Fr 24. Mär 2017, 06:48

Helfried hat geschrieben:
....Bei fast allen Herstellern muss man schon.


Wieso?
Und welche meinst du ?
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