Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

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Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

Beitragvon meikel66 » Fr 17. Mär 2017, 23:15

Hallo Zusammen,

der Titel mag sehr provokant klingen, ich würde aber gerne eine sachliche Diskussion um die wirklichen Chancen der E-Mobilität führen. Grundsätzlich sehe ich drei ungelöste Problembereiche beim E-Fahrzeug:

1. Es ist nicht möglich, eine flächendeckende Lade-Infrastruktur aufzubauen.

Bei 45 Millionen PKWs, rund 3 Millionen LKWs, rund 5 Millionen Krafträdern, dazu noch Busse sowie Baumaschinen usw. ist eine vollständige Umstellung auf Elektroantrieb nicht möglich. Benötigt werden Ladesäulen in der Nähe der (Miet-) Wohnungen und weitere Ladesäule auf Autobahnen, Bundes- und Landstraßen sowie Ladesäule an innerstädtischen Parkplätzen. Damit würden 30, 40 vielleicht sogar 50 Millionen Ladesäulen benötigt. Die hohe Anzahl ist zwingend erforderlich, da in Deutschland nur gut 40% Wohungseigentümer sind. Der größte Teil der Bevölkerung besitzt keine Garage mit ausreichender Stromversorgung. Auch die Vermieter haben wenig Interesse auf ihre Kosten Ladesäulen zu installieren. Ein weiteres Manko sind die unterschiedlichen Steckerstandards und die verschiedenen Ladetechnologien.

2. Elektrofahrzeuge sind unwirtschaftlich in Anschaffung und Kilometerkosten.

Obwohl sich Elektrofahrzeuge billiger produzieren lassen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren sind E-Fahrzeuge rund 50 bis 100% teurer als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Der Grund liegt darin, dass die Autobauer ihre hohen Entwicklungskosten auf die E-Fahrzeuge umlegen. Ein weiteres Manko sind die extrem hohen Aufschläge für Akkumulatoren von 300 bis 900% durch den Hersteller. Obwohl die kWh für einen Li-Ionen-Akku zurzeit rund 145 US-Dollar kostet, verlangt z. B. Citroen 1250 Euro pro kWh für ihren Citroen Zero.
Durch den hohen Strompreis von rund 30 Cent pro kWh liegen die reinen Stromkosten bei rund 6 Euro pro 100 km. Hinzu kommen rund 5 bis 12 Euro für den Akkuverschleiß. Damit betragen die Kosten rund 11 bis 18 Cent pro km. Damit liegt man über den Kosten für Verbrennungsfahrzeuge. Aufgrund der hohen Anschaffungspreise ist auch der Wertverlust für E-Fahrzeuge deutlich höher. Durch die schnelle Weiterentwicklung der E-Fahrzeuge sind die Gebracuhtwagen nach kurzer Zeit veraltet, wodurch sie gegenüber den Verbrennern schneller am Wert verlieren.
Selbst bei den jährlichen Wartungen spart man nicht sonderlich viel gegenüber den Verbrenner, da die Inspektion durch die Hochvolttechnik relativ aufwendig ist.
Ein weiterer Nachteil ist das Fehlen von freien und günstigen Werkstätten, die E-Fahrzeuge warten und reparieren können. Die Kunden der E-Fahrzeuge sind also auf die teuren Markenwerkstätten angewiesen.

3. Ein Elektrofahrzeuge kann das Auto mit Verbrennungsmotor nicht vollständig ersetzen.

Elektrofahrzeuge sind für den Kurzstreckenbetrieb und auch für mittlere Entfernungen einsetzbar. Lange Strecken lassen sich mit dem E-Auto nicht oder nur mit großen Einschränkungen zurücklegen. Problematisch sind die geringen Reichweiten und die relativ langen Ladezeiten (sofern man überhaupt eine freie und passende Ladesäule findet).
Zwar bieten neue Fahrzeuge theoretische Reichweiten von 500 km an, im realen Betrieb begrenzt sich die Reichweite dann auf rund 300 km. Um noch aus eigener Kraft die nächste Ladesäule anzusteuern, empfielt es sich, schon nach rund 250 km aufzuladen. Sofern die Ladesäule über eine Schnellladung verfügt, ist der Akku nach rund 30 Minuten auf etwa 80% aufgeladen. Damit könnte man rund 200 km fahren, bis man wieder auf die Suche nach der nächsten Ladesäule gehen darf. Eine Urlaubsreise von rund 1200 km benötigt dann rund 6 Ladeunterbrechungen und mindestens 3 Stunden Ladezeit. Hinzu kommt noch die Zeit für die Suche der Säule oder das Warten auf den freien Zugang zum Laden.
Im Winter verschärft sich das Reichweitenproblem, da der Akku rund 30% weniger Energie liefern kann. Die Fahrt in den Winterurlaub würde dadurch zu einer äußerst langwierigen und frostigen Angelegenheit werden.

Fazit: Für Familien, die nur über ein Fahrzeug verfügen, ist der Wechsel auf ein E-Fahrzeug mit enormen Komforteinbußen verbunden. Für diese Komforteinbußen muss die Familie rund 50 bis 100% mehr ausgeben. Die wenigsten Familien werden dazu bereit sein.
Selbst für Familien, die über zwei Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verfügen, ist der Wechsel auf ein E-Fahrzeug kaum sinnvoll. Denn für die meisten Fahrer ist es nur schwer einzusehen, dass man für ein Produkt, dass deutlich mehr Nachteile offeriert, erheblich mehr zahlen muss.

Marktchancen: E-Fahrzeuge eignen sich als Zweitwagen für wohlhabende Kunden mit eigener Garage und ausreichendem Stromanschluss. Für die wohlhabende Kundschaft spielen die Mehrkosten des E-Fahrzeugs keine Rolle. Damit ist und bleibt das E-Fahrzeug ein Nischenprodukt.

Nun bin ich auf Eure sachlichen Kommentare, Erfahrungen und Fakten gespannt ...
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Re: Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

Beitragvon wchriss » Fr 17. Mär 2017, 23:26

Na da kann ich nur sagen, die 3 Problem werden sich mit der Zeit lösten.
Es kann nicht einfach der Schalter umgelegt werden und alles Funktioniert mit dem E-Auto.
Die jetztigen Autos ( Verbrenner ) habe 100 Jahre Entwicklung hinter sich und auch die dazugehörige Infrastruktur, und glaub mir es wird keine 50 jahre dauern, dann ist es genau anders herum, da können sich nur noch die Wohlhabenden ein Verbrennerauto bzw. Oldtimer leisten.
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Re: Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

Beitragvon Heesi » Fr 17. Mär 2017, 23:34

das mit dem Preis ist so nicht ganz richtig.
Ein Kia Soul EV rund 30K
Bei gleicher Ausstattung kostet der Diesel auch ca. 30K:
Beim EV aber 4000 Prämie.

Reisezeit Hamburg - Wilder Kaiser mit Pausen Volvo XC 60 ca. 9 Std. ca. 70 €
Mit dem Kia ca. 14 Std. und unter 10 €. Startladung mitgerechnet 17 €.
Kia Soul EV Play+ KONES für unterwegs / Tiefgarage mit 16A Ladebox festes Kabel
Wochenendhaus CEE 16A blau und bald CEE 32A rot
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Re: Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

Beitragvon INRAOS » Fr 17. Mär 2017, 23:44

Ich verstehe nicht, warum sich der Titel auf Deutschland bezieht.

Alle von dir beschriebenen Punkte sind doch kein deutsches Problem, sondern global.

Weiterhin erschließt es sich für mich nicht, warum die Anzahl der ladesäulen annähernd gleich der Anzahl der Fahrzeuge sein muss. Sollen die alle gleichzeitig laden? Das wird wohl nicht nötig sein.

Wir stehen doch wohl sicherlich noch 'in den Kinderschuhen' der elektromobilität. Nach meiner Meinung wird sich da in absehbarer Zeit noch einiges bewegen in allen drei genannten problempunkten.
BMW i3 BEV 94 Ah seit 29.12.2016. Mittlerweile schon über 14.000 km vollelektrisch gefahren
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Re: Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

Beitragvon EV-Jens » Fr 17. Mär 2017, 23:51

Mit den gleichen 3 Punkten wurde vor 100 Jahren erklärt, warum sich diese komischen pferdelosen Kutschen niemals durchsetzen würden.

Alleine die Infrastruktur um Apotheken mit soviel Benzinfläschchen zu beliefern wie Millionen von Automobilisten brauchen würde - völlig ausgeschlossen, niemals finanzierbar.
"Unkraut ist die Opposition der NaturBildgegen die Regierung der Gärtner." (O. Kokoschka)

[Ex: Scootelec, EVT168, Saxi, Renault Express, Th!nk. Zoe R90 seit 24.02.17]
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Re: Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

Beitragvon drilling » Fr 17. Mär 2017, 23:56

@meikel66:
du scheinst dir ja viel Mühe gegeben zu haben so einen langen Post zu schreiben. Was willst du damit bezwecken?

Sämtliche 'Argumente' die du nennst wurden hier in anderen Threads schon zig-mal durchgekaut, wieso dieser neue Versuch?
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Re: Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

Beitragvon p5k » Sa 18. Mär 2017, 00:30

Das Problem löst sich doch irgendwann von selbst, wenn es Einfahrverbote für Autos mit Verbrennungsmotoren gibt. Dann dürften sich die meisten Bedenken in Luft auflösen und auf einmal ist auch alles möglich. Freiwillig bewegt man sich nicht so gern, dafür ist es zu bequem ;-)
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Re: Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

Beitragvon ederl65 » Sa 18. Mär 2017, 06:50

INRAOS hat geschrieben:
Ich verstehe nicht, warum sich der Titel auf Deutschland bezieht.



Ich bin zwar kein Cosmopolit, aber ich glaube schon das Deutschland gemeinsam mit Österreich und vielleicht auch Italien ein "spezielles" Verhältnis zum Automobil pflegt.
Zuletzt geändert von ederl65 am Sa 18. Mär 2017, 19:29, insgesamt 1-mal geändert.
Zuviel ist nicht genug. ;)
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Re: Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

Beitragvon Rudi L » Sa 18. Mär 2017, 08:46

@meikel66, die Punkte 1 und 2 sind zutreffend. Der Umstand der in Punkt 3 beschrieben ist trifft genauso den Kern, drum habe ich ja meinen Tesla wieder verkauft und bin zum Verbrenner gewechselt.

Wenn sich nicht signifikant der Standard verbessert werden wir noch sehr lange Sprit verbrennen müssen.
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Re: Warum das E-Auto in Deutschland scheitern muss ...

Beitragvon Datenknecht » Sa 18. Mär 2017, 09:02

Bei soviel Engstiernigkeit kann ich nur den Kopf schütteln.
Und lasst bitte Ö aus der Diskussion draußen. Strommix, Strompreis, Steuern usw. sind mit Deutschland nicht vergleichbar.
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