Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

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Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

Beitragvon Thorsten » Di 13. Mai 2014, 09:36

Green.wiwo.de berichtet über eine Kienbaum-Studie die den Vertrieb von E-Autos
unter die Lupe nimmt. Die Ergebnisse sind erschreckend.
Keine Autos für Probefahrten. Mangelnde Fachkenntnis und schlechte Einstellung
der Verkäufer in Bezug auf E-Autos. Nicht einmal Prospekte waren überall vorhanden.

Kommentar eines Verkäufers: “Als Drittwagen kann man sich so ein Auto anschaffen,
ansonsten würde ich es keinem empfehlen”.

Einen Grund für die negative Einstellung des Vertriebs gegenüber Elektrofahrzeugen
liefert Kienbaum gleich mit.
Elektroautos haben weniger Verschleißteile, Reparaturen und Wartungen bleiben aus.
Die Hersteller verkaufen weniger Ersatzteile, das schmälert den Umsatz.

Löbliche Ausnahme (mal wieder) Tesla. Aber auch hier ein Wermutstropfen .
Aufgrund der hohen Nachfrage standen kaum Fahrzeuge für Probefahrten zur Verfügung.

Der ganze Artikel.
http://green.wiwo.de/studie-autohaeuser ... ktroautos/

Thorsten
Und im Übrigen glaube ich an das reine E-Auto. Hybride sind eine vorübergehende Erscheinung.
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Re: Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

Beitragvon Flünz » Di 13. Mai 2014, 09:59

Und dann war da noch die Marge bei EVs, die den Verkäufern kaum Spielraum für Verhandlungen lässt. Tenor "Ein Elektrofahrer ist ein Enthusiast und wird das Fahrzeug haben wollen, egal zu welchem Preis!".
Dass damit ein großes Potential an "Wechselwählern" verscheucht wird, scheint nicht zu stören.

Die EVs werden wohl nur zum Senken des Flottendurchschnitts benötigt. So sieht es zumindest aus.
120 Kühe weniger ergeben 120 Kilometer mehr Reichweite :D
(Q210 -> Q90 = 135km -> 255km)
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Re: Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

Beitragvon The Wall » Di 13. Mai 2014, 10:02

Aber kann ich den Flottendurchschnitt denn nicht nur senken, wenn die Autos auch auf der Straße fahren? Wenn man dieser Theorie folgt, dann wäre mehr doch besser, oder nicht?!
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Re: Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

Beitragvon zitic » Di 13. Mai 2014, 11:30

Da reichen ja die kleinen Mengen. Und die Händler interessiert das ja ohnehin nicht direkt.
Die Margen von konventionellen Wagen sind einfach nicht drin. Wenn man allein die Rabatte sieht, mit denen man dann immer noch gut fährt, sollte klar sein um was es geht.

Das ist ja der Vorteil bei Tesla. Die können bei 0 starten und brauchen sich nicht um Händler und deren Margen kümmern. Darum funktioniert das ja überhaupt, dass etwas hängen bleibt. Das ist u.a. das Schlüsselelement, dass für die Überlegenheit zu etablierten Herstellern sorgt. Man stelle sich mal das Model S preislich mit Händlermarge vor....
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Re: Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

Beitragvon TeeKay » Di 13. Mai 2014, 12:01

Das fängt ja schon damit an, dass jeder Hersteller sein Elektromodell außerhalb der Baureihe verkauft. Wer nicht explizit nach einem Elektroauto im richtigen Autohaus fragt, wird keines bekommen. Weshalb steht der Elektromotor beim Smart, beim Up und Golf nicht wie die verschiedenen Diesel- und Benzinmotoren in der Preisliste, damit auch weniger elektroaffine Interessenten sehen, dass es die Karren gibt? Warum verkauft Renault den Clio als Zoe?

Neben dem schlechteren Aftersales-Geschäft ist auch der Verkauf der Elektroautos selbst für die Verkäufer unattraktiv. Wer dem Verkauf geringere Margen einräumt, gleichzeitig aber die Kosten erhöht (bei BMW gabs umfassende Investitionspflichten für die i3-Händler), braucht sich über schlechten Verkauf nicht wundern. Das tut man doch mit Absicht. Jeder BWLer im ersten Semester kann die gesetzten Fehlanreize aufzählen.

Tesla für den Vertrieb zu loben finde ich nach meinen Erfahrungen gewagt. Meine fertige Bestellung hat mir der Verkäufer so gehörig madig gemacht, dass Tesla für mich nicht mehr in Frage kommt.
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Re: Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

Beitragvon Elektrolurch » Di 13. Mai 2014, 13:42

TeeKay hat geschrieben:
Tesla für den Vertrieb zu loben finde ich nach meinen Erfahrungen gewagt. Meine fertige Bestellung hat mir der Verkäufer so gehörig madig gemacht, dass Tesla für mich nicht mehr in Frage kommt.

Du lässt dich von einem Autoverkäufer vom Kauf abbringen? ;)
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Re: Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

Beitragvon TeeKay » Di 13. Mai 2014, 14:33

Wenn er mir in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen demonstriert, dass man mich keinesfalls als Kunden wahrnimmt, dann ja. Einem solchen Unternehmen kaufe ich nichts für 100.000 Euro ab.
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Re: Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

Beitragvon meta96 » Di 13. Mai 2014, 15:16

The Wall hat geschrieben:
Aber kann ich den Flottendurchschnitt denn nicht nur senken, wenn die Autos auch auf der Straße fahren? Wenn man dieser Theorie folgt, dann wäre mehr doch besser, oder nicht?!


Ich glaube das war die Meisterleistung der deutschen AI und eurer Merkeline, dass für dne Flottenverbrauch "nicht" die verkauften Kfz sondern die Angebotenen zählen ... wenn ich-dummchen das richtig verstanden habe ...
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Re: Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

Beitragvon energieingenieur » Di 13. Mai 2014, 15:54

Ein recht menschlicher Grund bleibt unerwähnt: Das Fachwissen der Verkäufer. Sie haben jahrzehntelang Verbrenner verkauft. Diese Technik kennen sie. Auf dem Gebiet sind sie gut. Jetzt kommt was Neues: Etwas mit Strom, etwas mit kWh/100km und dann auch noch Ladetechnik, Stecker, Kabel. All solche Sachen, weswegen der Verkäufer früher wohl entschieden hat, nicht Elektriker zu werden, sondern "irgendwas im Büro" machen zu wollen.

Dazu kommen dann viele Kunden, die sehr kritische Fragen stellen, auf die die Elektro-unerfahrenen Verkäufer so spontan keine Antwort wissen. Man kann es ihnen nicht verübeln. Sie sollen da etwas verkaufen, was sie nicht kennen. Ich würde mich da ebenso schwer tun.

Meine persönlichen Erfahrungen streuen sich sehr weit:
Von Autohändlern, die absolut keine Erfahrung und damit auch keine Lust haben, sich Fragen stellen zu lassen, die sie nicht beantworten können, über recht überhebliche Falschberatungen, bis hin zu Autohäusern, wo es 1-2 richtig motivierte E-Verkäufer gibt. Die wissen zwar auch nicht alles, aber bemühen sich sehr und ziehen die Kollegen mit.

Mein Renault-Händler gehört zu den letzteren. Chef und Verkäufer fahren beide selbst ZOE und hin und wieder ruft der Verkäufer mich an, um Details zur Elektromobilität und für seine Beratungen von mir zu erfahren. Das ist in Ordnung. Offenbar erfährt er in Produktschulungen auch nicht alles. Wie auch? Die meisten hier im Forum haben tausende elektrische Kilometer hinter sich inkl. aller Erfahrungen. Diese Erfahrung fehlt den Verkäufern. Wenn die Autohersteller/-hänlder ernsthaftes Interesse am Absatz der Elektrofahrzeuge hätten, müssten sie Ihre Verkäufer damit fahren lassen. Am besten jeden Tag. Weitere wichtige Argumente wurden vorab ja bereits schon genannt.
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Re: Verkäufer bremsen Elektroauto-Absatz aus

Beitragvon TeeKay » Di 13. Mai 2014, 16:18

@meta: Das ist falsch. Was zählt, sind einzig und allein die verkauften Fahrzeuge.

BMW hatte 2013 einen Flotten-Ausstoß von 133g pro km. Sie haben 1.655.138 Fahrzeuge verkauft. Um auf 120g zu kommen, müssten sie bei unverändertem Verkauf von Verbrennern mehr als 150.000 Elektroautos pro Jahr absetzen. Für BMW ist es daher viel einfacher, Plugin-Hybride zu verkaufen. Die senken den Flottenverbrauch viel billiger und schneller. Mit relativ kleinen Batterien wird der offizielle Verbrauch der Fahrzeuge halbiert.
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