Verbrenner für jeden?

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Verbrenner für jeden?

Beitragvon dervorausschaut » Sa 21. Jan 2017, 10:10

Es war einmal die Zeit, in der der Elektromotor Einzug in alle Bereiche des täglichen Lebens gefunden hatte – in großen und kleinen Geräten wie auch im Straßenverkehr.
Bei Letzterem in verschiedenen Varianten vom Elektrorad, Elektroauto, Elektrobus und Straßenbahn bis zum Zug, dem mit nahezu 300km/h schnellsten Fortbewegungsmittel (abgesehen vom Fliegen, aber hier waren der Reichweite zwangsläufig Grenzen gesetzt, denn ein Aufladen in der Luft war nicht praktikabel).
Elektro-Pkw /-Lkw bspw. hatten Reichweiten von gut 300km. Auf Autobahnraststätten gab es für längere Fahrten die Möglichkeit des Akkutauschs innerhalb kurzer Zeit.

Eines Tages, in einer unseren sehr ähnlichen Zeit, keimte eine neue Erfindung des sog. „Verbrennungsmotors“ auf. Diesem sprach man deutliche Vorteile gegenüber der Elektromobilität zu. Bspw. würde sich die Reichweite eines Autos vervielfachen und Flugzeuge könnten ohne Zwischenlandung und Ladezeit um die halbe Welt fliegen.

Schnell entbrannten hitzige Diskussionen und wie so oft bei neuartigen Entwicklungen mischten sich Ängste vor dem Unbekannten und der Veränderung schlechthin mit Erwartungen an einen verbesserten Lebensstandard.

Es seien daher recht sachlich ein paar Für-und-Gegen-Argumente benannt:

Pro:
> Reichweiten könnten drastisch erhöht, Reisezeiten erheblich verringert werden
(>1000km ohne Zwischenstopp)
> in Serienproduktion könnten die Kosten für den Verbraucher relativ gering sein
> allein durch die Motorgeräusche würden Kraftfahrzeuge besser wahrgenommen
werden (extra künstlich erzeugte Geräusche beim (An-)Fahren entfielen)
> allein die Motorabwärme genüge für das Wärmen des Fahrzeuginnenraums
> Fahrzeuge jeglicher Art könnten auch dort genutzt werden, wo kein Strom verfügbar ist
> das Vollzapfen dauert nur wenige Minuten und wäre damit viel schneller als das
Stromladen mit 30-60min und sogar etwas als der auf Autobahnen übliche Akkutausch
> durch die neuartigen Gangschaltungen hat man endlich mehr Einfluss auf das
Fahrverhalten des Fahrzeugs und sein eigenes Fortkommen


Kontra:
> Forschung u. Entwicklung eines solchen Verbrennungsmotors seien teuer
> es bedarf vieler zusätzlicher Materialien für Motor, Getriebe, Abgasanlage, Katalysator,
Kühlflüssigkeiten, Motoröl
> der Herstellungsprozess der Verbrennungsflüssigkeit bedarf des Ölförderns, der
Raffinerie, des weltweiten Transports über See und Land sowie des Baus von tausenden von
Zapfstellen
> wenn alle sog. Verbrenner nutzen würden, bräuchte man sogar Zapfstellen alle paar
Kilometer, damit sich keine Warteschlangen bilden
> die Umwelt würde vom Beginn (Ölverschmutzung, Landschaftszerstörung) über den
Transport (große Tankschiffe u. Transporter notwendig) bis zum Verbrauch
(Abgasentwicklung) belastet
> die Abgase wären angeblich für Mensch und Natur belastend, ja sogar giftig
> auch würden diese dann überall, besonders in den Städten ausgestoßen
> überhaupt sei der Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren nur 1/3 von E-Motoren


Trotz dem, was für diese innovative Technik sprach und vieler Enthusiasten und einiger Firmen der Automobilindustrie, der Energieversorger und ölreichen Länder, wollte oder konnte sich die Mehrheit der Bevölkerung nicht recht überzeugen lassen.
Natürlich gab es immer wieder Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern, die Elektromobile jeglicher Art einfach nicht rechtzeitig wahrgenommen hatten (teilweise trotz deren, eben unterschiedlichen, künstlichen Geräuschen).
Dennoch war eine im Gegenzug viel schlechtere Atemluft für alle kein Ausgleich dafür.
Auch wollen (zumindest die Meisten) gar nicht 1000 km am Stück fahren. Pausen sind (nicht nur bei Familien) erholsam (tragen somit zur Verkehrssicherheit bei) und die Nahrungsaufnahme (und deren Ausscheidung) gebieten zwangsläufig gelegentlichen Halt.

Überhaupt waren die Menschen von derartigen Neuerungen nur schwerlich zu begeistern, schließlich lief alles soweit so gut wie es war. Auch wenn für einige verwendete Rohstoffe (der Akkus) noch Ersatzstoffe gefunden werden müssen, da diese nur noch wenige Jahrzehnte ausreichen würden.
"Die Nutzung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu!"

CityEl von 2005-2008;

ZOE ist da!(seit 18.10.13 >30 Tsd. km abgasfrei) >Reichweiten'erfahrung' ca. 110-190km
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Re: Verbrenner für jeden?

Beitragvon INRAOS » Sa 21. Jan 2017, 10:49

:danke:

Ein sehr schönes Gedankenspiel :-)
BMW i3 BEV 94 Ah seit 29.12.2016. Mittlerweile schon über 12.000 km vollelektrisch gefahren
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Re: Verbrenner für jeden?

Beitragvon olsvse » Sa 21. Jan 2017, 11:20

dervorausschaut hat geschrieben:

Pro:
> Reichweiten könnten drastisch erhöht, Reisezeiten erheblich verringert werden
(>1000km ohne Zwischenstopp)


Diese Reichweiten wären aber nur erreichbar, wenn man den Verbrenner-Fahrern erkaubenwürde lokale Ressourcen zu verwenden. Also saubere innerstädische Luft einzusaugen und die Verbrennungsgase einfach in die Luft zu blasen. Wenn sie nach "Vorschrift" intern zwischengespeichert und mit der notwendigen Großtechnologie gereinigt würden, würde die reichweite auf ca 50 km schrumpfen. :ugeek:

Ansonsten echt guter Alternativweltvergleich. :D

Gruß,
OlSvSe
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Re: Verbrenner für jeden?

Beitragvon Smartpanel » Sa 21. Jan 2017, 12:30

Ob das was wird mit den Verbrennern ?
Einige haben bereits eine Probefahrt damit gemacht, hier ein Erfahrungsbericht:

http://www.elektroauto-zoe.de/verbrenner-testfahrt/

Ein Auszug:
"... So saßen wir nun in dem Auto und drückten den START-Knopf. Der Verbrennungsmotor erwachte hustend und begann zu arbeiten. Man konnte das Motorgeräusch hören und das ganze Auto vibrierte, als ob etwas kaputt sei, aber der Verkäufer versicherte uns, dass alles so sei wie es sein sollte. Das Auto hat sogar einen elektrischen Motor und eine mikroskopisch kleine Batterie; diese werden aber nur genutzt, um den Verbrennungsmotor zu starten ... "
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Re: Verbrenner für jeden?

Beitragvon Eifel-Thomas » Sa 21. Jan 2017, 13:06

Klasse Darstellung von der anderen Seite ausgesehen. Dabei, wie ich schon einmal in einem anderen Thread geschrieben habe, ist leider eine Menge Psychologie im Spiel. Und dies auch ehrlicherweise von "unserer"Seite aus gesehen. Aber zur Zeit beherrscht uns noch die Verbrennerseite, und zwar auf der "dunklen Seite" der Macht.
Trotzdem schönes WE wünscht der Eifel-Thomas
Geschafft! Kein Verbrenner mehr im Haushalt. 1mal Zoe R90 und 2mal Fluence ZE. :D
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Re: Verbrenner für jeden?

Beitragvon 150kW » Sa 21. Jan 2017, 21:39

Im Bezug auf Autos ist das ja kein Gedankenspiel, sondern Geschichte ;)

Nachdem jahrelang unklar gewesen war, ob sich Benziner oder E-Mobile durchsetzen würden, liefen nun fast 40 Prozent der Wagen in den Staaten mit Strom, Tendenz steigend: Allein 1912 kamen fast 34.000 neue hinzu. .

Elektroauto-Revolution 1912
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Re: Verbrenner für jeden?

Beitragvon Jarod » So 22. Jan 2017, 00:12

Das mag ja eine sehr romantisch Vorstellung sei, aber ich glaube eine solche Welt würde einfch nur (drastisch) anders aussehen.

Der Verbrennungsmotor hat uns erlaubt weiter Strecken "mühelos" zurück zu legen. Handel per Schiff und Flugzeug. Unsere aktuelle Weltvorstellung basiert darauf, dass wir den letzten Winkel der Erde erreichen können, weite Strecken recht schnell über die Meere zurücklegen, den Weltraum erforschen. Also u.U. kein globaler Handel, keine Unterseekabel, kein GPS, Satellitenkommunikation etc.

Schon der zweite Weltkrieg wäre anderes verlaufen. Selbst wenn Hitler Europe mit Elektropanzen überfallen hätte, ein Eintritt der USA hätte wohl nicht statt gefunden. Der D-Day wäre nie passiert, vielleicht wäre aber uns auch der ganze zweite Weltkrieg erspart geblieben.

Selbst wenn aber die Geschichte zum Grossteil so verlaufen wäre, in den Boomjahren hätten wir dann wohl die Erde für Kohle und Uran ausgebeutet und Atommeiler und Kohlekraftwerke gebaut und dann damit alles verschmutzt. Sonnenkraft und Windkraft waren zu der Zeit noch nicht so weit, auch Filteranlagen oder generell Umweltschutz.
Nur weil die Menschheit in dieser Zeitlinie andere Motoren nutzt bedeutet nicht dass die Menschheit besser oder umweltbewuster wäre. Der Mensch ist schlecht und gierig, es ist nicht die Art des Motors die in so macht.
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Re: Verbrenner für jeden?

Beitragvon Horse » So 22. Jan 2017, 00:39

Vielen Dank für die Gedankenanstöße!


Noch bei > Fahrzeuge jeglicher Art könnten auch dort genutzt werden, wo kein Strom verfügbar ist
einhaken: Heißt das, man könnte dazu den - anstelle der in besiedelten Gegenden an jeder Ecke zuhauf vorhandenen Steckdosen - benötigten Treibstoff in jedem Supermarkt oder übers Internet auf Vorrat kaufen und dann einfach mehrere Flaschen oder Kisten davon mitführen, um hinsichtlich Reichweite autark zu sein?
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Re: Verbrenner für jeden?

Beitragvon Tigger » So 22. Jan 2017, 01:48

Nein, das heisst es nicht, ist aber auch nicht nötig. Google: "Expeditionsmobil"... ;-)
IONIQ electric Premiun Phantom Black seit 18.05.2017. Bestellt am 18.01. (Sangl #94).
Bild
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