Ratsame Maßnahmen beim Unfall ?

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Ratsame Maßnahmen beim Unfall ?

Beitragvon novalek » So 20. Dez 2015, 21:34

1) Hilfe für die Feuerwehr: Rettungsplan unter der Sonnenblende sinnvoll ?!
2) elektro-mechanische Zerstörung: Oranges Kabel ziehen ??
3) Eigenhilfe bei massivem Schaden am Fahr-Akku: schnell weit weg laufen ?! (warum - anscheinend Explosion und Feuer nicht löschbar ??)
Gibt es vom ESP-ABS-Sensor ein Steuersignal, daß den Fahrakku z.B. beim Überschlag, Ansprechen der Airbags etc. komplett trennt ?
Gibt es vom ADAC o.ä. dazu Untersuchungen ?
Werden die freiwilligen / beruflichen Feuerwehren geschult ?

Ein Horror-Beispiel: http://insideevs.com/train-collides-vol ... e-follows/
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Beitragvon Jack76 » So 20. Dez 2015, 22:28

Ich geb mal meinen Senf dazu:

novalek hat geschrieben:
1) Hilfe für die Feuerwehr: Rettungsplan unter der Sonnenblende sinnvoll ?!

Ist bei jedem Fahrzeug sinnvoll, EVs sind da keine Ausnahme.

novalek hat geschrieben:
2) elektro-mechanische Zerstörung: Oranges Kabel ziehen ??

Finger weg von den orangen Kabeln, das gilt für Dich, für die Rettungskräfte und auch jeden anderen! Für die Rettungskräfte gibt es idR oftmals einen speziellen Trennschalter, den sie ziehen können. (z.B. Zoe: im Beifahrerfußraum, ist auf o.g. Rettungskarte auch eingezeichnet)

novalek hat geschrieben:
3) Eigenhilfe bei massivem Schaden am Fahr-Akku: schnell weit weg laufen ?! (warum - anscheinend Explosion und Feuer nicht löschbar ??)

Hey, Du hast doch keinen Verbrenner mit 50 Litern hochbrennbarer, explosiver Flüssigkeit unterm Hintern.... Der Akku kann zwar bei Kurzschlüssen, Überladung etc. unter Umständen thermisch durchgehen dazu muss man aber schon einiges anstellen und es dauert auch einige Zeit bis sich der Akku tatsächlich soweit aufgeheizt hat, dass er sich selbst entzündet. Ein Picknick machst Du in so'nem Wrack bestimmt nicht mehr. Ich würde sogar fast behaupten, wenn Du in einem EV sitzen würdest, welches in einem Unfall einen derart "massiven" Schaden erleidet, hast Du vermutlich eh keine Probleme mehr. Ansonsten gilt, verlasse das Fahrzeug, sichere die Unfallstelle, rufe entsprechend die Rettungskräfte und fertig.
Zum Brandverhalten: Jepp der Akku nährt sich selbst, also ist die empfohlene Methode für die Feuerwehr mit viel Wasser kühlen und kontrolliert abbrennen lassen.

novalek hat geschrieben:
Gibt es vom ESP-ABS-Sensor ein Steuersignal, daß den Fahrakku z.B. beim Überschlag, Ansprechen der Airbags etc. komplett trennt ?

Jepp, das Airbag-Steuergerät (!) löst das Crash-Signal aus (ist beim Verbrenner auch so), daraufhin wird der Traktionsakku vom HV-Netz getrennt und auch alle anderen Steuergeräte soweit in den Feierabend oder Notfall-Modus (Warnblinker etc.) versetzt.

novalek hat geschrieben:
Gibt es vom ADAC o.ä. dazu Untersuchungen ?

Jupp, z.B. die hier http://www.elektromobilitaet-praxis.de/ ... es/383443/
Kannst ja mal googeln, getestet wird da recht umfangreich

novalek hat geschrieben:
Werden die freiwilligen / beruflichen Feuerwehren geschult ?

Das hoffe ich doch! ;-)
Nun, da sich alle Jahre diverse Dinge ändern und zu beachten sind (ich sag nur R1234yf), gehören regelmäßige Weiterbildungen für die Jungs (und Mädels) einfach dazu. Und natürlich stellen auch die Hersteller idR umfangreiche Informationen zur Verfügung bzw. beschäftigen sich aktiv an Trainingsprogrammen. Tesla ist hierbei übrigens auch sehr vorbildlich. Schau mal: https://www.teslamotors.com/de_DE/firstresponders

novalek hat geschrieben:

Naja, halb so wild, ich fand das Video mit dem explodierenden Gas-Tank wesentlich spektakulärer und die meisten normalen Fahrzeugbrände sehen auch wesentlich hässlicher aus, was wohl an den diversen Brandbeschleunigern liegen dürfte.
Ich sag's mal so, freu Dich lieber, dass Du vermutlich in einem der sichersten Fahrzeuge sitzt, eine mögliche Brandgefahr wird völlig unnötig (insbesondere von EV-Skeptikern) hochstilisiert, also lass Dich nicht kirre machen. In jedem Verbrenner setzt Du Dich schon im Normalbetrieb einem wesentlich höherem Risiko aus schlussendlich in einem brennenden Fahrzeug zu enden.

Grüße
Jack
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Re: Ratsame Maßnahmen beim Unfall ?

Beitragvon Zoelibat » So 20. Dez 2015, 22:43

Wenn es stimmt, was hier mal geschrieben wurde, dann muss man nur die 12V-Batterie trennen und der Hauptakku ist ebenfalls "deaktiviert".

Kann das jemand bestätigen?

Edit: Horror-Unfall mit eUp - Das Ding hat ein Zug erwischt und hat gebrannt. Das wievielte verbrannte EV ist das jetzt, dass wir im Forum hatten? Das zweite, das dritte? Und bei einem davon ist das Feuer von einem benachbarten Verbrenner übergesprungen.
Zuletzt geändert von Zoelibat am So 20. Dez 2015, 22:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ratsame Maßnahmen beim Unfall ?

Beitragvon Jack76 » So 20. Dez 2015, 22:53

Zoelibat hat geschrieben:
Wenn es stimmt, was hier mal geschrieben wurde, dann muss man nur die 12V-Batterie trennen und der Hauptakku ist ebenfalls "deaktiviert".

Kann das jemand bestätigen?


Jein, wenn "Zündung an" ist, dann läuft der DC/DC-Wandler, da kannst Du den Bleianker abtrennen ohne dass sich was ändert. Hintergrund des Konzepts ist ein im Akkukasten befindlicher Hauptschütz, welcher den Traktionsakku auf das HV-Netz schaltet. Dieser Schütz wird über das 12V-Netz betrieben, ist dieses tot, kann der Schütz nicht aktiviert werden und der Akku ist und bleibt vom HV-Netz getrennt. Daher auch der zusätzliche manuelle Trennschalter für den Traktionsakku. Ansonsten ja, ist eine der empfohlenen Maßnahmen nach einem Unfall: schneide ein ca. 10cm langes Stück (niemals nur einfach durchtrennen!) aus dem Bleianker-Kabel, fertig. ;-)
Wobei natürlich trotzdem gilt, dass bei ausgelöstem Airbag (Crash-Erkennung) der Schütz im Traktionsakku deaktiviert werden sollte.
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Re: Ratsame Maßnahmen beim Unfall ?

Beitragvon novalek » Mo 21. Dez 2015, 08:03

Mann-Oh-Mann, danke für die Expertise.
Was ich allerdings nicht glauben kann, daß unsere Lösch- und UnfallHelfer einen geschulten Elektriker im Unimog "geladen" haben. Bei den meistens Helfern heißt es: Schlauch raus.
Ein wenig Respekt sollte verbleiben, man erinnere sich an die hitzeverursachten ExplosionsEreignisse der Handy-Akkus (wobei Löschwasser in ein teilaufgebrochenen Akku-Trum sowas provodzieren könnte.

Anmerkung: es geht nicht um "SchlechtReden", sondern Problembewustsein und ... Dieselkraftstoff ist schwer entzündlich, einzig Benzin und Gas sind bei thermischen Kfz gefährlich).
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Re: Ratsame Maßnahmen beim Unfall ?

Beitragvon morimaxx » Mo 21. Dez 2015, 13:09

2012 hat die DEKRA Löschversuche an brennenden BEVs gemacht und kam zu folgendem Ergebnis:

"Unter dem Strich steht für die Unfallforscher die Erkenntnis: Elektro- und Hybridautos mit Lithium-Ionen-Antriebsbatterien stehen im Brandfall mindestens auf dem gleichen Sicherheitsniveau wie Benzin- oder Dieselfahrzeuge. "

http://www.dekra.de/de/pressemitteilung ... D=24844066



Eine Feuerwehr (ich find den Beitrag grad nicht mehr) hat einen Löschversuch an einem brennenden BEV gemacht, und kam zur Erkenntnis, daß löschen mit Wasser geeignet ist, wenn viel Wasser (Verwendung A-Rohr) zum Einatz kommt.

Daraus folgt die Empfehlung:
"Das Löschen mit Wasser hat den großen Vorteil, dass alle geschädigten Zellen, deren Gehäuse offen ist,
endgültig durch den Kontakt mit Wasser langsam entladen werden. Da solche Brände immer mit sehr großen
Mengen Wasser gelöscht werden müssen, werden Zellen deren Gehäuse nicht beschädigt ist gut gekühlt und
können ggf. vor einer Schädigung/ Explosion bewahrt werden (Vermeidung der Kettenreaktion)"

https://www.lfs-bw.de/Fachthemen/Einsat ... nAkkus.pdf
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Re: Ratsame Maßnahmen beim Unfall ?

Beitragvon Heidefahrer » Mo 28. Dez 2015, 08:46

Als jemand, der bei Verkehrsunfällen in der Region regelmäßig den ZOE gegen den Rüstwagen oder ein Tanklöschfahrzeug tauscht:

1) Rettungsdatenblatt ist immer eine große Hilfe, weil es enorm Zeit spart. Wir müssen das Datenblatt sonst vor Ort runterladen oder uns von der Leitstelle faxen lassen. Selbst bei Verbrennern ist das wichtig, weil immer mehr Verbrenner ungewöhnliche Konfigurationen oder schwierig zu findende Teile haben, wie z.B. zwei Bleiakkus, von denen einer im Heck versteckt ist.

2) Lernt man inzwischen bei den grundlegenden Lehrgängen: orangene Kabel sind böse, da fasst man auch als Retter nichts an.

3) Eigenhilfe: Jedes E-Auto hat einen Notschalter, mit dem man den Akku komplett trennen kann (Beim ZOE im Fußraum des Beifahrersitzes, Klappe aufmachen, Hebel umlegen, fertig). Bitte nicht einfach so ausprobieren, soweit ich weiß, kann man den Akku, wenn er erst einmal getrennt ist, nicht ohne weiteres wieder "enttrennen". Auch hier: das Rettungsdatenblatt zeigt, wo der Hebel ist, und er ist natürlich bei jedem E-Auto-Typ an einer anderen Stelle.

Allgemein: bei den Feuerwehren, gerade bei denen mit hohem Aufkommen an Verkehrsunfällen, wird längst sehr stark darauf geachtet, den Leuten die unterschiedlichen Antriebsarten und den Umgang damit beizubringen.
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