Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

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Re: Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

Beitragvon iOnier » Sa 23. Jun 2018, 21:33

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Re: Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

Beitragvon Gluehbert » So 24. Jun 2018, 08:08

Mit einem bisschen schlechtem Willen kann man das natürlich so sehen mit dem Strom.
Aber dann muss man auch sehen: Jedes zusätzliche Fossilauto fährt ausschließlich mit unkonventionellem Öl (Fracking, Teersand, Tiefsee, Agrarsprit) da das Fördermaximum für konventionelles Öl wohl 2006 bis 2008 stattgefunden hat und Zuwächse seitdem nur noch auf die genannten schädlichen Wege möglich sind
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Re: Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

Beitragvon yadiori » So 24. Jun 2018, 10:02

Einen gewissen Nutzen zur Feststellung der kurzfristigen Effekte hat die Grenzwertbetrachtung natürlich schon. Wenn man sie ehrlich betreibt, kommt man aber darauf, dass in Norddeutschland und manchmal auch anderswo dann gelegentlich ein Auto plötzlich mit "100%" Windstrom oder PV-Strom fährt. Ausschließlich Grenzeffekte zu betrachten ist aber nicht sinnvoll, denn einzeln betrachtet wäre dann auch jeder Kühlschrank, jede Waschmaschine und jeder Fernseher mit 100% Fossilstrom betrieben (wenn man eben die Abregelungen unterschlägt wie der Prof.).

Allerdings vergisst man so die längerfristigen Effekte. Auf Deutschland bezogen:
- Wer mit Strom fährt, der/die zahlt dafür EEG-Umlage und trägt so finanziell dazu bei, dass mehr EE-Anlagen installiert werden können, ohne dass die AFD der Regierung noch mehr aufs Dach steigt weil die Umlage zu hoch wird (denn ein paar Cent pro kWh sind für viele wohl immer noch zu viel für die Erhaltung eines lebenswerten Klimas), auch wenn er/sie einen reinen Graustromtarif bezieht.
- In Deutschland haben wir ganz klar festgelegte Ziele für x% regenerative Stromerzeugung im Jahr y. Momentan halten wir diese Ziele sogar ein, denn anders als der Verkehrs- und Wärmebereich erreicht der Elektrizitätsbereich die Klimaziele. Wer mit Strom fährt, erhöht durch den zusätzlichen Verbrauch also die im Jahr y politisch gewollte Erzeugung aus regenerativen Quellen. Jedes Elektroauto führt so mittelfristig zu mehr Wind, PV o.ä., auch wenn man einen reinen Graustromtarif bezieht.
- Sind erstmal genug Elektroautos da, wird der Markt für dargebotsorientierte Ladesysteme attraktiver. Soll heißen, das Auto wird sich dann in der Garage automatisch die Zeitpunkte zum Laden aussuchen können, die a) dem Besitzer in den Kram passen und b) unter den möglichen Zeitpunkten am besten mit PV-/Wind-Strom und Netzkapazität versorgt sind. Das verbessert die Integration der EE ins Stromnetz, da weniger Speicher/Abregelungen/Reservekraftwerke nötig sind. Insofern sind Elektroautos also "bessere" Stromverbraucher als meine Kaffeemaschine oder der Fernseher, denn die dürfen sich nicht aussuchen, wann sie das Netz belasten – somit laufen sie also eigentlich deutlich stärker mit "100% Fossilstrom" als ein Elektroauto, wenn das E-Auto einen festen Ladepunkt hat, an dem es auch mal ohne zu laden einfach nur herumstehen darf.
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Re: Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

Beitragvon Wiese » So 24. Jun 2018, 10:23

So, hab mal wieder ein bischen Zeit und Muse ...

Man wird ja manchmal schon ein bischen falsch verstanden. Wenn ich der Meinung wäre, dass das alles egal ist, würde ich meinen Strom nicht bei Naturstrom kaufen. Ich gehöre also schon zu denen, die die Ökobilanz insgesamt verbessern wollen, und was dafür tun. Ich bin aber auch jemand, der die Dinge möglichst genau hinterfragt, und erlaube mir Fragen zu stellen, die manchem unangenehm sind. Es sind ja keine Behauptungen die ich aufstelle, sondern einfach nur Anregungen einen anderen Blickwinkel zu nutzen.
Dass man den Strom mit der Produktion von Klamotten vergleichen kann, denke ich aber nicht. Wenn alle Kleiderhersteller ihre Waren auf einen großen Haufen schmeißen würden, und jeder der was gekauft hat, dann einfach was aus dem großen Haufen nimmt, dann wäre das mit dem Strom vergleichbar. So ist es aber nicht. Wer Kleidung aus deutscher/zentraleuropäischer Produnktrion kauft, kommt mit der durch Kinderarbeit und Ausbeutung produzierten Ware nicht in Berührung. Wer also bei Trigema kauft, kann auch sagen, dass seine Klamotten nichts mit dem Ausbeutermarkt zu tun haben. Insgesamt betrachtet reduziert er auch die Kinderarbeit durch sein handeln. Wenn der aber heute viele Klamotten kauft und morgen weniger, wird er trotzdem immer ein Trigema-Produkt haben und niemals ein Hemd aus Indien.

Ich stelle mir auch folgende Frage: Woher kommt mein Strom, wenn sich mein Verbrauch im nächsten Jahr von 3000 auf 6000 kWh erhöht, weil ich mir ein E-Auto gekauft habe? Naturstrom speißt für mich nur 3000 kWh ein, weil ich derzeit nur 3000 kWh bezahle. Erst ein Jahr später erfahren die, dass ich nun plötzlich 6000 kWh gebraucht habe, also habe ich ein Jahr lang Strom anderer Lieferanten verbraucht. Zusätzlich erfolgt die Einspeißung meiner 3000 kWh nicht nach dem Muster wie ich ihn verbrauche, das kann Naturstrom aus 2 Gründen gar nicht leisten. Erstens kennen sie meinen Momentanverbrauch nicht, und zweitens hat Naturstrom einen großen Anteil Strom, den sie nicht regeln können. Der kommt wann er will, und nicht wenn ich ihn brauche. Deshalb passt auch der Vergleich mit der Bekleidungsindustrie nicht. Trigema stellt so viel Kleidung her, dass immer ein gewisser Überschuss im Markt ist, und sich die Kunden an diesem Lagerbestand bedienen können. Trigema Kunden müssen also nicht indische Hemden kaufen, weil Trigema gerade keine hat. Ich als Naturstromkunde muss aber davon ausgehen, dass mein Strom, wenn ich Herd, Waschmaschine und Fernseher gleichzeitig laufen lasse nicht von Naturstrom, sondern vom nächsten Kohlekraftwerk kommt. Sebstverständlich verbessert der Ökostrom die Gesamtbilanz, sonst würde das ja alles keinen Sinn machen, aber es geht eben nicht ohne das Netz, in dem leider auch der dreckige Braunkohlestrom unterwegs ist, und in das die von mir so verachteten Atomkraftwerke reinbuttern. Aus diesem Grund meine ich, dass das E-Auto selbstverständlich die derzeit beste Lösung ist, aber der Strom den es verbraucht sollte mit dem CO2 Ausstoß, und dem Anteil sonstiger Umweltbelastungen der Stromproduktion berechnet werden. Fast niemand lebt in Europa auf einer grünen Insel der Glückseeligkeit.
Die Berechnungen des Herrn Professor Wirl sind genau so falsch, wie die Behauptung dass jemand 100% Ökostrom nutzt.

Ich hoffe, dass ich meine Gedankengänge verständlich formulieren konnte.

Nachtrag:
Die Ausführungen von Yadiori kann ich unterschreiben.
Zuletzt geändert von Wiese am So 24. Jun 2018, 11:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

Beitragvon Wiese » So 24. Jun 2018, 10:58

Gluehbert hat geschrieben:
Mit einem bisschen schlechtem Willen kann man das natürlich so sehen mit dem Strom.
Aber dann muss man auch sehen: Jedes zusätzliche Fossilauto fährt ausschließlich mit unkonventionellem Öl (Fracking, Teersand, Tiefsee, Agrarsprit) da das Fördermaximum für konventionelles Öl wohl 2006 bis 2008 stattgefunden hat und Zuwächse seitdem nur noch auf die genannten schädlichen Wege möglich sind


Über die Verbrenner brauchen wir doch gar nicht diskutiren, die haben mit dem Strom auch nichts zu tun. Ein E-Auto fährt in De immer mit 1/3 Ökostrom, egal wo es geladen wird. (Ausnahme bleibt hier immer die PV-Anlage, die nur für das E-Auto gebaut wurde und nicht am Netz hängt. Aber auch hier werden ca. 70 g CO2 pro kWh Strom durch die Produktion, Transport und Montage erzeugt. Was etwa grob 14 Gramm pro km entspricht - bei 20 kWh/100 km incl. Ladeverluste usw.)
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Re: Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

Beitragvon iOnier » So 24. Jun 2018, 17:57

Wiese hat geschrieben:
Ein E-Auto fährt in De immer mit 1/3 Ökostrom, egal wo es geladen wird.

Genau das negiert der Prof. Wirl jedoch eben mit dem auf den ersten Blick nicht ganz falschen Argument, dass dieser Ökostrom dafür anderen nicht zur Verfügung stünde.

Aber wie RudiL schon einwendete wird anstelle des E-Autos eben auch ein Verbrenner nicht gekauft, der anderweitig fossile Rohstoffe (ineffizienter!) verbrauchen würde. Ist also geWirlte Kinderkaka ;-)
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Re: Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

Beitragvon TMi3 » So 24. Jun 2018, 18:25

Der Mix ist ein statistisches Mittel und weder technisch noch kaufmännisch korrekt.

Nehmen wir folgenden Fall:
In der Gemeinde wird Strom aus PV und Wasserkraft erzeugt. Diese wird ins lokale Netz gespeist und exportiert. Die Gemeinde bezieht ganzjährig weder Energie noch Leistung aus dem Transit-Netz. Technisch gesehen, nutzen alle Bezüger in der Gemeinde lokalen Grünstrom. Wenn ein lokaler Bezüger einen Tarif für Graustrom wählt, wird seine Allokation verkauft und Graustrom für ihn zu gekauft. Dann nutzt er technisch immer noch Grünstrom, seine Allokation ist aber Graustrom. Nur den Mix, den nutzt keiner.
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Re: Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

Beitragvon Hunsrücker » So 24. Jun 2018, 18:32

Juhu, jetzt kommt wieder so ein Professor Wirr um die Ecke, stellt seine Thesen auf, posaunt es öffentlich heraus und ich hab morgen spätestens am Mittagstisch wieder ein dummes Gespräch wie schlecht doch mein E Autos ist.
Ich habe es schon längst aufgegeben über das ökologische beim E Auto zu diskutieren, da es neben der Reichweite die letzte Achillesferse der E Mobilität ist und diese Rechnung dabei noch so komplex ist, dass man sich jedes Ergebnis daherzaubern kann.
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Re: Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

Beitragvon BrabusBB » So 24. Jun 2018, 19:03

Ich würde mir diesen Schuh gar nicht erst anziehen wollen. Zum Ersten verschenken wir immer noch Strom ins Ausland und zum Zweiten stellen mir die Versorger keine Möglichkeit bereit, netzdienlich zu laden.
De facto ist es jedenfalls so, dass wir aktuell in der Nacht wie auch um die Mittagszeit Überschüsse im Stromnetz haben.
https://www.agora-energiewende.de/servi ... gorameter/
Da ich in der Nacht lade, fahre ich sowieso immer mit dem Überschuss, den gerade sowieso keiner will :D
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Re: Prof. Wirl: Elektroautos zu 100% fossil unterwegs

Beitragvon Alex1 » So 24. Jun 2018, 19:10

@Wiese: Du hast in Einigem Recht, vergisst aber bei Deinem - völlig gerechtfertigten - Advocatus Diaboli die andere Seite des echten Ökostroms:

Naturstrom MUSS ja Deine Versorgung sicherstellen. Zeitgleich. Auch wenn sie es erst ein Jahr später mitkriegen. Aber sie haben ja, weil sie IMMER 100% Ökostrom für ALLE Kunden bereitstellen müssen, gehörige Reserven. Und auch, weil sie natürlich wegen meiner zusätzlichen 3.000 kWh im Jahr nicht ein einzelnes Mini-Kraftwerk bauen. So haben sie immer jede Menge Überschuss. Was damit machen? Sie verkaufen ihn in Leipzig bzw. verkaufen die Zertifikate an andere, nicht so sauberen Erzeuger bzw. Lieferanten.

Gerade diese Verkäufe nutzen die boshaften EEG-Kritiker dann wieder, um Naturstrom&Co zu verleumden.

So richtig Zeitgleich wird es natürlich nur, wenn Du einen smarten Stromzähler hast 8-)

Ansonsten macht man praktisch nie einen Fehler, wenn man zur "Nachtstromzeit" lädt. Vor allem nicht, wenn man erst um 1:00 oder 3:00 lädt :mrgreen:
Herzliche Grüße
Alex
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Für die Energiewende. Alternativlos.
Echten Ökostrom: http://www.ews-schoenau.de/ Fast Alternativlos.
Rest-CO2 kompensieren: http://www.atmosfair.de Goldstandard
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