Preisparität – der Schlüssel zum e-Erfolg?

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Re: Preisparität – der Schlüssel zum e-Erfolg?

Beitragvon phonehoppy » Mi 31. Mai 2017, 10:50

Ich denke, es gibt da mehrere Perspektiven.

Einerseits die technische: Technisch gesehen gibt es überhaupt keinen Grund, warum der Austausch eines Akku-Packs für ein Auto teurer oder aufwändiger sein sollte, als z.B. der Austausch eines Verbrennungsmotors. Ganz im Gegenteil, der Anteil der mechanischen Arbeitsschritte dürfte bei einem Verbrennungsmotor erheblich größer sein. Auch gibt es technisch keinen Grund, warum ein Akkupack selbst teurer sein sollte, als ein Verbrennungsmotor.

Eine andere Perspektive ist die aktuell wirtschaftliche. Die Produktionskapazitäten und Stückzahlen sind leider noch längst nicht auf dem Niveau, um in der gesamten Wertschöpfungskette eines Elektroautos genauso rationell und profitabel produzieren und verkaufen zu können, wie bei vergleichbaren Autos mit Verbrennungsmotor. Das gilt leider auf allen Ebenen, und wird momentan nur durch Pionier-Hersteller wie Tesla durchbrochen, die mit dem Ziel, den Markt aufzumischen, bzw. erstmal einen zu schaffen, trotz hoher Fahrzeug-Endverkaufspreise noch kräftig drauflegen. Das Problem ist, dass da riesige Geldsummen verbraten werden, und das so etwas nicht lange durchzuhalten ist. Die etablierten Hersteller haben trotz der Summen, die Musk persönlich zur Verfügung hat, hier den längeren Atem, und wenn sie nicht wollen, dass sich die Elektromobilität im großen Stil durchsetzt, wird es auch nicht geschehen.

Dann die politische Perspektive: Die etablierten Autogiganten werden mit ihrer bewährten Technik, Marketingmacht usw. immer in der Lage sein, auch guten Elektroautos den Rang abzulaufen, und sei es nur über den Preis. Darum haben die Hersteller auch immer noch Interesse daran, die Mär vom "teuren" Elektroantrieb aufrechtzuerhalten, nachdem Tesla ja jetzt bewiesen hat, das Elektroautos auch schnell und komfortabel sind.
Nur wenn politisch in den Markt eingegriffen wird, z.B. durch Abgasvorschriften, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Fahrverbote, Sondersteuern usw. wird sich die Situation ändern. Angesichts der Umweltsituation wird das wohl auch unvermeidlich sein, aber die Politik reagiert bekanntermaßen langsam und oft erst dann, wenn es zu spät ist.
Es hat keinen Sinn, den Markt für Elektroautos von dem der Verbrenner getrennt zu sehen, denn die beiden Konzepte stehen in direkter Konkurrenz, wenn es um die individuelle Mobilität geht. Es geht hier nicht einfach um Präferenzen und was man gerne lieber für einen Antrieb hätte, sondern die Abkehr vom Verbrennungsmotor ist gesellschaftliche Notwendigkeit. Und nur wenn dies erkannt wird und im großen Stil Verbrenner durch Elektroantriebe ersetzt werden, kommen wir je zu dem Punkt, wo dies auch kostengünstig und wirtschaftlich profitabel sein wird.
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Re: Preisparität – der Schlüssel zum e-Erfolg?

Beitragvon Alex1 » Mi 31. Mai 2017, 11:41

Norwegen macht´s mal wieder vor: http://www.zeit.de/2017/20/opel-norwege ... ettansicht

16% eAutos bei den Neuzulassungen, Infrastruktur top, finanzielle Förderung top, DAS könnten wir auch :roll:
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Re: Preisparität – der Schlüssel zum e-Erfolg?

Beitragvon kub0815 » Mi 31. Mai 2017, 12:12

Alex1 hat geschrieben:
Norwegen macht´s mal wieder vor: http://www.zeit.de/2017/20/opel-norwege ... ettansicht

16% eAutos bei den Neuzulassungen, Infrastruktur top, finanzielle Förderung top, DAS könnten wir auch :roll:


wie ist das mal wieder zu verstehen? Der Ampera würde sich auch in Deutschland gut verkaufen wenn es ihn gäbe.....
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Re: Preisparität – der Schlüssel zum e-Erfolg?

Beitragvon Alex1 » Mi 31. Mai 2017, 14:34

Klar, aber eben auch in so homöopathischen Zahlen wie die anderen Elbils... :cry:
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Re: Preisparität – der Schlüssel zum e-Erfolg?

Beitragvon meikel66 » Mi 31. Mai 2017, 16:25

AndiH hat geschrieben:
Wenn es richtig gemacht ist, ist das keine Programmierung sondern eine Parametrisierung, da sich nicht der Ablauf oder die Algorithmen ändern, sondern lediglich ein paar Vorgabe und Grenzwerte. ... VW hat beim alten Golf wohl schlicht deswegen darauf verzichtet weil sie neue Autos verkaufen wollen und nicht eine Kleinserie umrüsten wollen.


Der Aufwand für den E-Golf wäre ja noch geringer, weil beim Facelift-Golf der gleiche Zelltyp verbaut wurde. Schon traurig, dass VW diesen Service nicht anbietet ...!

Interessant zu wissen wäre der tatsächliche Aufwand und damit die entstehenden Kosten, um die Parameter der Software neu zu kalibrieren. Ist der Kostenaufwand gering, wären strategische Gründe (und keine ökonomischen Aspekte) ausschlaggebend.

phonehoppy hat geschrieben:
Ganz im Gegenteil, der Anteil der mechanischen Arbeitsschritte dürfte bei einem Verbrennungsmotor erheblich größer sein. Auch gibt es technisch keinen Grund, warum ein Akkupack selbst teurer sein sollte, als ein Verbrennungsmotor.

Der Arbeitsaufwand und damit die Kosten sind beim Austausch eines Akkus sicherlich geringer als beim Tausch eines Verbrennungsmotors. Nur die wenigsten Altwagenfahrer werden sich einen nagelneuen Motor leisten. Die meisten greifen irgendwo billige Gebrauchtmotoren ab und lassen diese dann einbauen. Diese preiswerte Option gibt es beim Akku nicht (kaum).

phonehoppy hat geschrieben:
Pionier-Hersteller wie Tesla (...) mit dem Ziel, den Markt aufzumischen, bzw. erstmal einen zu schaffen

Zukünftig könnten auch chinesische Produkte den hiesigen Markt aufmischen. Selbst Renault überlegt, einen günstigen E-Dacia auf die Reifen zu stellen. Dann kommen neue Anbieter wie e.Go Mobile (oder "Siemens") hinzu. Bewegung wäre im Markt, wenn die Mehrheit der Autofahrer Vertrauen zu den Produkten (insbesondere in die Lebensdauer der Akkus) hätte.

phonehoppy hat geschrieben:
Nur wenn politisch in den Markt eingegriffen wird, z.B. durch Abgasvorschriften, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Fahrverbote, Sondersteuern usw. wird sich die Situation ändern. Angesichts der Umweltsituation wird das wohl auch unvermeidlich sein, aber die Politik reagiert bekanntermaßen langsam und oft erst dann, wenn es zu spät ist.

Man darf hierbei nicht vergessen, dass Deutschland jegliche Verschärfung der Abgasgesetze blockiert. Zuletzt sind sie ganz knapp daran gescheitert, die neuen Grenzwerte für Braunkohlekraftwerke zu blockieren. Mit hauchdünner Mehrheit konnte die deutsche Blockade nun endlich gebrochen werden.
Auch haben wir es Deutschland zu verdanken, dass unsere Autos die Abgasreinigung im Fahrbetrieb völlig abschalten dürfen. Und dann bringen wir auch noch die Benzin-Direkteinspritzer mit erheblichen Gesundheitsrisiken auf den Markt. VW hat es fast geschafft, dass sie nur noch Dreckschleudern im Portfolio haben. Eine wahrhaft gelungene Ingenieursleistung. Die Abgassituation könnte in Deutschland seit Jahren viel besser sein, wenn die Regierung es wirklich wollte.
Aber immerhin kommen 2021 die neuen Grenzwerte für den Flottenverbrauch. Dann werden unsere Verbrenner hybridisiert (Bosch lässt grüßen) und damit auch teurer. Dadurch könnte die Preisparität möglich werden.

phonehoppy hat geschrieben:
Es geht hier nicht einfach um Präferenzen und was man gerne lieber für einen Antrieb hätte, sondern die Abkehr vom Verbrennungsmotor ist gesellschaftliche Notwendigkeit.

Dem einzelnen Kunden ist diese gesellschaftliche Verantwortung so ziemlich egal. Hier bedarf es politischer Weichenstellungen.
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Re: Preisparität – der Schlüssel zum e-Erfolg?

Beitragvon meikel66 » Mi 31. Mai 2017, 23:03

Meldungen wie diese hier dämpfen wieder den Glauben an ein einfaches und günstiges Batterie-Upgade: :roll:


Bosch dämpft auf Anfrage von ZEIT ONLINE aber jede Euphorie. Die These, nach der eine Batterie im Elektroauto kaum länger als die zurzeit übliche Garantiefrist von fünf bis acht Jahren taugt, das Fahrzeug selbst aber noch für ein zweites Leben gut ist, hält der Konzern für nicht haltbar. (...) Eher sei die Batterie für ein zweites Leben gut als das Auto, heißt es. (...)
Es ist also wenig wahrscheinlich, dass die aktuelle Generation der Elektroautos im nächsten Jahrzehnt ein radikales und massenhaftes Upgrade erfährt. Vielmehr werden die Hersteller entweder bei Modellwechseln (...) oder durch stetige Modellpflege (...) immer bessere Fahrzeuge vorstellen.
Unabhängig von Bosch ist außerdem klar: Eine verbesserte Batterie würde – wenn sie in ein einige Jahre altes Auto eingebaut würde – Anpassungen in vielen Bereichen des Fahrzeugs mit sich bringen. Ist zum Beispiel das Gewicht nicht identisch, müssten Fahrwerk, Bremsen und Zulassung verändert werden – all das, was bei einer Modellüberarbeitung ohnehin fällig wird.
(Quelle: http://www.zeit.de/mobilitaet/2015-04/e ... icht?print)
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Re: Preisparität – der Schlüssel zum e-Erfolg?

Beitragvon phonehoppy » Do 1. Jun 2017, 11:33

Aber der Artikel und die dort genannten Herstelleraussagen widersprechen doch genau der Ausgangsthese dieses Threads, nach der die Batterie ein besonders problematisches Bauteil sei und nicht die Preisparität, sondern die Austauschbarkeit der Batterie der entscheidende Faktor für den Umstieg auf Elektro ist.

Die im Artikel genannten Erfahrungen der Hersteller zeigen, dass Batterien nur in extremen Ausnahmefällen überhaupt ausgetauscht werden müssen (die Rede ist da von 0,01%, und nur von Fällen die durch Unfälle oder externe Defekte herrühren), und dass die Batterien in der Regel länger halten als die Karosserie und das Fahrwerk. Damit löst sich doch das Problem der Austauschbarkeit der Batterie in Luft auf..
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Re: Preisparität – der Schlüssel zum e-Erfolg?

Beitragvon meikel66 » Do 1. Jun 2017, 15:05

Probleme dürften kaum in den ersten Jahren auftreten. Und falls doch, statten die Autobauer ihre Akkus mit Garantien von 5 bis 8 Jahren aus. Technische Probleme dürften erst nach 10 Betriebsjahren auftreten. Entscheidend hierfür sind die kalendarische Lebensdauer und die Kapazität des Akkus.

Ob die Akku-Lebensdauer zukünftig zum Problem werden wird, wird sich in ein paar Jahren herausstellen. Aber möglicherweise spielen andere Gründe wie Reichweite und Lademöglichkeiten eine viel größere Rolle für die Ablehnung oder Zustimmung zur Elektromobilität, wenn die Anschaffungskosten zwischen E-Mobil und Verbrenner ähnlich hoch sind.
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