Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

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Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon geko » So 17. Sep 2017, 11:52

Bei Spiegel Online findet sich gerade ein interessantes Interview mit dem Physiker Richard Randoll (wenn mich nicht alles täuscht, ist das der Bruder des Users "Macht" hier bei GE). Er sagt voraus, dass ab 2026 keine Verbrennermotoren in Neufahrzeugen mehr verbaut würden. Vor allem die letzte Frage/Antwort hat es in sich, wie ich finde:

SPIEGEL ONLINE: Auf der Automobilausstellung in Frankfurt kündigen fast alle Hersteller E-Mobilitätsoffensiven an. BMW will bis 2025 zwölf vollelektrische Modelle anbieten, Jaguar Land Rover ab 2020 alle neuen Baureihen zumindest elektrifizieren, Volvo sogar noch ein Jahr früher. Ist das zu wenig?

Randoll: Wenn eine Firma im Jahr 2025 zwölf batterieelektrische Fahrzeugmodelle im Angebot hat, dann wird jene Firma in jenem Jahr nur noch diese zwölf Fahrzeugmodelle verkaufen - alle anderen Modelle verschwinden - auch die mit Hybrid.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon Schüddi » So 17. Sep 2017, 12:08

Was hat es da in sich? Gibt es auch eine Erläuterung zu dieser Antwort oder ist das einfach eine Pauschalaussage von irgendwem?
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon geko » So 17. Sep 2017, 12:14

Klar, es gilt auch hier "Without data you're just another person with an option" (W. Edwards Deming).

Ich finde die Aussage dennoch stark und auch korrekt. Wir sahen bei der IAA viele Ankündigungen für die 202x-Jahre. Diejenigen Hersteller, die heute darauf setzen, einige wenige elektrifizierte Fahrzeuge in 10 Jahren anbieten zu können, werden auf die Nase fallen. Denn sie werden dann nicht 10 BEV neben etlichen ICE und PHEV anbieten, sondern lediglich diese 10. Riesen drohen zu Zwergen zu werden.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon Schüddi » So 17. Sep 2017, 12:20

Es setzt voraus das jeder bis dahin sein Fahrzeug laden kann wie er es heute tanken kann. Sprich - auch jeder ohne eigenen Stellplatz. Daran glaube ich aktuell nicht wenn ich mir einige Großstätte anschaue. Selbst bei mir auf dem Land ist die nächste Lademöglichkeit 6 km entfernt und bietet Platz für 2 Fahrzeuge. Aber wenn der Physiker das sagt muss es ja stimmen.
Ich finde solche Aussagen kurz gedacht.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon Schneemann » So 17. Sep 2017, 12:58

Viele der Kommentare darunter sind mal wieder...naja. Aber einige schreiben schon richtig, dass es sich beim E-Auto um keinen erkennbaren Mehrwert für die Gesellschaft handelt. Das wird diese Rechnung stark beeinflussen, ebenso wie die dazu benötigte Infrastruktur. Insgesamt halte ich von dieser Berechnung nicht so viel, weil zu viele Faktoren schlicht ausgeblendet wurden.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon INRAOS » So 17. Sep 2017, 16:23

Das ganze Szenario wäre ja schon in gut acht Jahren.

Und der Aussage 'alle anderen Modelle werden verschwinden' entnehme ich, dass der Physiker sich nicht auf den deutschen Absatzmarkt sondern auf die Hersteller allgemein bezieht.

Ich kann mir aber überhaupt nicht vorstellen, dass die weltweite PKW-Nachfrage schon in 8 Jahren mengenmäßig komplett durch eFahrzeuge bedient werden könnte.

Weiterhin wird die modellvielfalt bis dahin auch noch nicht für jeden etwas zu bieten haben.

Auch die nachfrager-Seite wird in diesem Zeitraum nicht komplett auf eFahrzeuge umschwenken - da werden noch sehr viele unbedingt neue verbrenner kaufen wollen - hier in D aber auch in sehr vielen anderen Ländern.

Meiner Meinung nach wäre 2035 immer noch ein sehr ambitioniertes Ziel für einen komplett-Ausstieg
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon Wiese » So 17. Sep 2017, 16:38

Herr Randoll hat bei seiner Berechnung vielleicht den wichtigsten Faktor außer Acht gelassen, die Politik.
Wenn man die Entwicklung der erneuerbaren Energien betrachtet, muss man leider erkennen, dass nicht die technischen Möglichkeiten für die Verbreitung der Erneuerbaren sorgen, sondern in erster Linie die politischen Manipulationen die Verbreitung fördern oder behindern. Braunkohlestrom anstatt Windstrom ist politisch gewollt, denn Windstrom wäre heute billiger als Braunkohle zu verstromen. Für den Endverbraucher ist mittlerweile sogar PV-Strom billiger als das was aus der Steckdose kommt. Würde man die Umweltbelastungen und Gesundheitsfolgen in die Kosten mit einbeziehen, wären Wind und Sonne längst bei 90%.

Wenn man bei Wikipedia mal recherchiert, kommt man drauf, dass, je nachdem wie man es betrachtet, 30 bis 50 jahre lang Dampflokomotiven gebaut wurden, obwohl es Elektroloks und später auch Dieselloks gab.
Die erste praxistaugliche Elektrolokomotive wurde von Siemens für die Gewerbeausstellung 1879 gebaut. 1882 wurde die erste Grubenlokomotive eingesetzt und 1890 fuhr die Londoner U-Bahn mit Elektroloks. Nach 1900 verbreiteten sich die Elektroloks immer weiter, 1920 wurde die Gothatdbahn elektrifiziert.
In den 1960er Jahren wurde die Dampflok in Europa von der Elektrolok weitestgehend verdrängt. In den USA wurden aber bereits in den 40ern mehr Dieselloks eingesetzt, die die Dampflok verdrängten. 1967 wurde in der Schweiz, 1977 in Deutschland und 1978 in Östereich der Dampflockbetrieb eingestellt. Trotzdem ging 1980 die modernste Dampflok der Welt in Südafrika in Betrieb! Dampflokomotiven wurden bis in die 1950er Jahre gebaut.

Wenn man bedenkt, dass das Elektroauto Heute schon sehr Alltagstauglich ist, hat Herr Randoll aus technischer Sicht bestimmt richtig gerechnet, aber er hat die Bremser nicht mitberechnet. Trotzdem wünsche ich mir, dass er richtig liegt.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon pjw » So 17. Sep 2017, 16:41

INRAOS hat geschrieben:
Ich kann mir aber überhaupt nicht vorstellen, dass die weltweite PKW-Nachfrage schon in 8 Jahren mengenmäßig komplett durch eFahrzeuge bedient werden könnte.


Das wird im Artikel so begründet, dass alle 15 Monate eine Verdoppelung der Verkäufe stattfindet. Und 2026 wären es dann halt alle Autos, weltweit.

Wenn die deutschen Hersteller zu langsam sind, die Chinesen werden es nicht sein und die ganze Welt beliefern.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon mweisEl » So 17. Sep 2017, 17:10

Wiese hat geschrieben:
Wenn man bei Wikipedia mal recherchiert, kommt man drauf, dass, je nachdem wie man es betrachtet, 30 bis 50 jahre lang Dampflokomotiven gebaut wurden, obwohl es Elektroloks und später auch Dieselloks gab..


Moment, er hat ja nicht gesagt, dass Dampfloks innerhalb von 15 Jahren von Elektroloks abgelöst wurden, sondern innerhalb der Lebensdauer von Dampfloks (ca. 40-70 Jahre) nach Erscheinen konkurrenzfähiger Elektroloks (Analogie: Leaf und nicht City-EL!): der Zeitraum von 1905 bis 1975, durch Weltkriege verzögert, passt da schon.

Schüddi hat geschrieben:
Es setzt voraus das jeder bis dahin sein Fahrzeug laden kann wie er es heute tanken kann. Sprich - auch jeder ohne eigenen Stellplatz. Daran glaube ich aktuell nicht wenn ich mir einige Großstätte anschaue.


Deutsche Großstädte sind hier ein Sonderfall - in der kommunalen Verkehrspolitik sind oft kommunale Ökos tonangebenden (meist Lehrer u.ä. mit recht begrenztem geistigem Hozizont), deren Traum von 0% Autoanteil in "ihrer" Stadt, verbunden mit Sabotage privater Elektromobilität etwa durch ein Verbot von öffentlicher Ladeinfrastruktur bzw. exorbitant hoher Ladestrompreise, in wenigen Jahren dazu führen kann, dass die Städte nur noch von der Unterschicht mit ihren Diesel-PKW-Reimporten aus Polen etc. bewohnt und befahren werden, und damit wirtschaftlich zu Grunden gehen.
Zuletzt geändert von mweisEl am So 17. Sep 2017, 17:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon Navi-CC » So 17. Sep 2017, 17:15

Schneemann hat geschrieben:
Viele der Kommentare darunter sind mal wieder...naja. Aber einige schreiben schon richtig, dass es sich beim E-Auto um keinen erkennbaren Mehrwert für die Gesellschaft handelt. Das wird diese Rechnung stark beeinflussen, ebenso wie die dazu benötigte Infrastruktur. Insgesamt halte ich von dieser Berechnung nicht so viel, weil zu viele Faktoren schlicht ausgeblendet wurden.

Doch, den Mehrwert für die Gesellschaft und die Umwelt gibt es: Der Energieverbrauch für die Mobilität sinkt durch den Effizienzgewinn (Wirkungsgrad des Antriebs) um einen Faktor 2,5 bis 3,0.
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