Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon AndreasDannhauer » So 17. Sep 2017, 17:19

Der gute Mann macht einfach folgendes:

Er nimmt die Verkaufszahlen von E-Autos der letzten Jahre, die einem exponentiellen Wachstum folgen, und projiziert diese Kurve in die Zukunft. Im Jahre 2026 erreicht die E-Auto-Produktion dann die Weltjahresproduktion an Autos.

Dieses Vorgehen ist mathematisch richtig, praktisch aber fragwürdig. Bakterien vermehren sich auch exponentiell, aber nur solange genug Platz und Nahrung vorhanden ist. Man muss also davon ausgehen, dass sich dem E-Auto-Boom keine Probleme entgegen stellen. Lithiumförderung, Stromproduktion, Infrastrukturausbau, Preisverfall bei Batterien, das muss alles im gleichen Tempo mitwachsen, sonst klappt das nicht. 2026 wäre damit der theoretisch früheste Zeitpunkt ab dem nur noch E-Autos produziert werden. In der Realität wird es wohl doch etwas später werden.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon JoDa » So 17. Sep 2017, 17:21

Warum werden Autos gekauft?
Sicher nicht weil sie umweltfreundlich sind!
Der Grund warum sich das Elektroauto nur schleppend durchsetzt, obwohl der Elektromotor dem Verbrenner-Motor haushoch überlegen ist, ist der hohe Preis des Traktionsakkus. Mit den neuen Fabriken (Teslas Giga Factory, Koreanische Li-Ionen-Akku Fabriken, Chinesische LiFePO4-Akku Fabriken) werden sich die Gesamtkosten jedoch in einem vergleichbaren Bereich bewegen. Abhängig von den staatlichen Förderungen wird sich dann das Elektroauto von Land zu Land verschieden schnell durchsetzen. Also im "VW-Land" Deutschland erst ganz zum Schluss. Schade um die Arbeitsplätze in Deutschland, denn bei der Akkuproduktion kann m.E. Deutschland den Rückstand nicht mehr aufholen.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon Ladeheld » So 17. Sep 2017, 17:58

Wiese hat geschrieben:
Die erste praxistaugliche Elektrolokomotive wurde von Siemens für die Gewerbeausstellung 1879 gebaut. 1882 wurde die erste Grubenlokomotive eingesetzt und 1890 fuhr die Londoner U-Bahn mit Elektroloks. Nach 1900 verbreiteten sich die Elektroloks immer weiter, 1920 wurde die Gothatdbahn elektrifiziert.
In den 1960er Jahren wurde die Dampflok in Europa von der Elektrolok weitestgehend verdrängt. In den USA wurden aber bereits in den 40ern mehr Dieselloks eingesetzt, die die Dampflok verdrängten. 1967 wurde in der Schweiz, 1977 in Deutschland und 1978 in Östereich der Dampflockbetrieb eingestellt.

Dass die E-Loks so lange brauchten, bis sie einen signifikanten Anteil hatten, lag an den hohen Elektrifizierungskosten der Strecke. Deshalb sind auch heute noch Nebenbahnen ohne Fahrdraht: Durch das geringe Verkehrsaufkommen rechnet sich die Investition in den Fahrdraht auch auf lange Sicht nicht. Da mag das Konzept und die Wirtschaftlichkeit der E-Lok noch so gut sein. Man sieht das sehr schön am Beispiel aus den USA: Das Streckennetz ist sehr lang. Gleichzeitig sind die Dieselpreise sehr, sehr tief. Keine Frage wie sich hier ein am Gewinn orientierter Eisenbahntycoon entscheidet: Für die Diesellok: So regelt das der ungeregelte Markt. Erst eine CO² Steuer, die auch den LKW den Treibstoff verteuert, kann hier eine Wende bringen.
Die Schweiz war deshalb so früh, weil sie viele Wasserkraftwerke hatte, die günstig eigenen Strom lieferten. Bei Kohle und Öl waren / sind die Schweizer vom Import aus dem Ausland abhängig. Um diese Abhängigkeit auch in Kriegszeiten zu reduzieren, haben sie die hohen Investitionen in die Elektrifizierung des Streckennetzes schon sehr früh zu Zeiten des WK1 voran getrieben. Das war auch eine politische Entscheidung. Die Schweizer Unabhängigkeit war ihnen das immer etwas wert. Später hat sich das auch noch gerechnet, weil neue hoch qualifizierte Arbeitsplätze in der CH ( bei ABB, etc...) geschaffen wurden. Die CHer denken hier viel langfristiger und resilenter. Das zeigt sich jetzt auch wieder bei den aktuellen Tunnelbauprojekten.

Um auf das Thema zurückzukommen: "Keine Verbrenner mehr ab 2026". Damit kann er schon recht haben. Die teuerste komponente bei E-Autos ist ein ausreichend großer Akku. Wenn man die voranschreitende Kostendegression hier näher betrachtet, dann sieht man, daß sich um 2022 der Preisnachteil der E-Autos zum Vorteil wandeln wird. Gerade auch mit PV.

Deshalb meinte auch DAIMLER Chef D. Zetsche: E-Mobilität verhält sich wie Ketch-up! Erst passiert lange nix und dann kommt alles auf einmal. Das ist durch die Automobilindustrie gerade im Massenbereich nicht leicht zu handhaben hier den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Wird sich aber nicht mehr umgehen lassen. TESLA schafft nicht leugenbare FAKTEN. Wer zu spät kommt den bestraft das Leben: Das wusste schon Gorbatschow.

2026 ist nicht mehr lange hin. Immerhin handelt es sich hier um richtige Produkte und nicht virtuelle Programme, die mit einen Tastenklick kopiert werden können. Deshalb dauert der Aufbau etwas länger als 2022. In 4 Jahren kann sich aber auch in der Produktionstechnik viel tun. Ich bin da zuversichtlich.
Von 05.08.2014 bis Jan. 2017 Schnarchlader e-up! "Soweit die Akkus halten - Fährst Du schon oder lädst du noch?" :mrgreen:
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon Schüddi » So 17. Sep 2017, 20:00

Es ist ja toll das es mathematisch bis in 8 Jahren keine Verbrenner mehr geben soll laut einem Professor aber was soll das bringen wenn sie kaum einer laden kann? Wenn ich überlege das aktuell 5 große Ortschaften an einer Säule mit zwei Ladeplätzen laden sollen - und dann soll man da stundenlang am Auto warten oder eben 6-8km mal eben heim laufen. Es gibt so viele Wohnhäußer ohne Parkplätze und auch diese Menschen müssen arbeiten gehen.
Was bringt dieses hochgerechne wenn es keine Lösung für die Umsetzung gibt. Was sollen denn all die Menschen machen die keine Lademöglichkeit haben? Also ich glaube definitiv nicht daran das es in 8 Jahren so kommen wird. Aber es kann sich ja noch büviel tun vielleicht wird auch der Strom noch flüssig oder es gibt bis dahin austauschbare Akkus oder Induktionsschleifen in der Straße ...
Aber nur mit diesen Paar Säulen wird das definitiv nichts werden. Ich denke hier sind viele Teäumer unterwegs oder es juckt keinen hier da jeder Save in seinem Häußle sitzt.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon Michael_Ohl » So 17. Sep 2017, 20:22

Hamburg macht jedenfalls gerade vor wie das geht und baut jede Woche ein bis zwei neue Säulen auf. Wenn andere weiterschlafen solltet ihr vielleicht mal fragen warum?

mfg
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon zitic » So 17. Sep 2017, 20:43

JoDa hat geschrieben:
Teslas Giga Factory, Koreanische Li-Ionen-Akku Fabriken, Chinesische LiFePO4-Akku Fabriken) [...]Schade um die Arbeitsplätze in Deutschland, denn bei der Akkuproduktion kann m.E. Deutschland den Rückstand nicht mehr aufholen.

Na, wenn du weiter von LiFePO4(übrigens auch eine "Li-Ion"-Zelle) redest werden sie leichtes Spiel haben. Das ist ja auch in China, auch wenn noch produziert Stand von vorgestern

Tesla kauft ja auch nur von Fernost(Panasonic, bei der nächsten vielleicht Samsung). So wie VW jetzt ausschreibt oder alle anderen. Weil selbst Musk da keinen Sinn drin erkennen kann unbedingt selbst Zellen herzustellen. Weil der Markt letztlich wieder dahin zurückkehrt, zu einem Massen-Commodity-Markt.

Ob die Hersteller das überleben wird man sehen. Da würde ich selbst für die Amis, wo man quasi noch keine wirklichen Ambitionen sieht, nicht abschreiben. E-Autos sind nun mal so einfach. Das ist ja das Problem für sie.

Im Kombi mit der Automatisierung wird der größte Teil des Autoabsatzes zum Commoditiy-Produkt. Und die Endnutzer, die den Dienst nutzen, wird das dann wenig interessieren, was das für ein Vehikel ist, wenn sie da nur angenehm drin sitzen. Das ist das Problem der Autoindustrie, weswegen da heute schon die Softwaresparten aufgerüstet und in Startups investiert wird. Dann kann es auch ganz schnell gehen, dass nur noch EVs gebaut werden. Das Gros der Autos muss dann gar nie mehr die Stadt verlassen.

Für die klassischen Arbeitsplätze sieht es dann nicht nur in Deutschland schlecht aus. Von Musk kennt man die Vision der Menschenlosen Fabrik. Das ist durch IT-Fortschritte selbst für Verbrenner bald machbar. Für Emobile umso mehr und bei der Zellfertigung schon Realität. Der Diesel ist ohnehin auch bei VW abgeschrieben. Nur öffentlich kann man das noch nicht machen.

Stellt sich die Frage allein, ob 2026 schon genügend Zellkapazitäten bestehen. Wir sind heute schon bei 1 1/2 Jahren für eine Zellfertigung. Mit steigendem Markt und mehr Jahres-GWh für die CapEx, werden die Finanzierungen immer leichter. Die bessere Zelle ist das eine. Aber der Maschinenbau/Fertigung, der erst einen Massenmarkt macht, kommt auch langsam in Schwung.

Diese mathematische Betrachtung ist natürlich in gewisser Weise recht naiv. Aber Verbote für 2040 haben nichts Visionäres.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon Schwani » So 17. Sep 2017, 20:53

Die Ladesäulen sind ja nun wirklich das kleinste Problem.

Seit etwa sechs Monaten beobachte ich unsere Gegend mit den verschiedensten Ladesäulen Apps.
Die Veränderungen, die ich in dieser Zeit beobachten konnte, waren geradezu explosionsartig! Natürlich ist das noch absolut unzureichend für eine adäquate Abdeckung, aber wenn das in der Geschwindigkeit so weiter geht, brauchen wir bald kein Stromtankstellenverzeichnis mehr. Laden ist an jeder Ecke möglich und die Säulen werden nur noch nach Sicht gesucht.

Wenn das Akkuproblem bezüglich Preis und Kapazität gelöst ist, wird alles gut!
26kWp PV im Eigenverbrauch; Solarthermie: 6qm Flach-, 12qm Röhrenkollektor; WW-Luftwärmepumpe; KWL mit Wärmerückgewinnung; Holzvergaser HDG; 130m3 Regenwasser; Outlander PHEV seit 06.17, 08.17 e-load up! bestellt, Kona reserviert - Sangl Nr. 20
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon André » So 17. Sep 2017, 21:12

:applaus: ...das würde ich mehr als begrüßen, wenn wir dieses Stromtankstellenverzeichnis nicht mehr benötigen !
Grins. ...
Hat zum Glück, eben alles seine Halbwertzeit.
Akku gut. Alles gut.
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon sweetleaf » So 17. Sep 2017, 21:20

Was macht eigentlich die Erdölindustrie angesichts dieser freiwerdenden Kapazitäten?
Und was macht die Autoindustrie mit ihren aktuellen Modellen?
Wenn Nordamerika, Europa und Ostasien in absehbarer Zeit Verbrennerfrei sind, wird es trotzdem für lange Zeit noch "Schurkenstaaten" geben, die sich der Elektrifizierung verweigern und munter weiter Sprit verbrennen, oder erst damit anfangen. Lokal produzierte Lizenzbauten der letzten Verbrennermodelle werden noch lange durch Afrika und Zentralasien tuckern.
Da sind Entwicklungen möglich die nur aus reinen Absatzzahlen gar nicht ableitbar sind. Könnte ein spannendes Jahrhundert werden :|
LEAF Bj 2015 seit 10/2015 - schwarz metallic - 24kWh - 90% SOH, langsam fallend - 55000 km, stetig steigend
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Re: Physiker R. Randoll: Keine Verbrenner mehr ab 2026

Beitragvon Vanellus » So 17. Sep 2017, 21:23

Natürlich haben E-Mobile einen erheblichen Mehrwert für die Gesellschaft.
Er ist die Legitimation für die öffentliche Förderung der E-Mobilität: 10 Jahre keine Kfz-Steuer, öffentlich geförderte Ladesäulen für 300 Mio.€, Kauf-Prämie für einige Mrd. € usw.
Der Nutzen liegt in der hohen Energieeffizienz, keinen NOx-Emissionen, kein Feinstaub, weniger Lärm in den Städten, weniger CO2-Emission, usw.
Davon haben alle etwas. Die Kosten tragen aber in erster Linie diejenigen, die die hohen Preise für E-Autos zahlen und dies wird etwas abgemildert durch die öffentliche Förderungen womit die Kosten zum Teil auf die Öffentlichkeit umgelegt werden.
Zoe Zen seit 10.7.2013, perlmuttweiß
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