Permanenter Rechtfertigungsdruck

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Permanenter Rechtfertigungsdruck

Beitragvon Pianist » Di 2. Mai 2017, 09:25

Schönen guten Tag an alle Mitlesenden!

Mir fällt auf, dass in jeder Diskussion über Elektroautos früher oder später jemand einwirft, dass der Strom ja auch nicht sauber ist, sondern aus Braunkohle, Steinkohle und Atomkraft kommt. Ich entgegne dann immer, dass Elektroautos selbst dann in der Gesamtbetrachtung besser sind als jeder Verbrenner, wenn man nur den ganz gewöhnlichen deutschen Strommix zugrunde legt. Und je höher der erneuerbare Anteil wird, um so besser wird die Gesamtbilanz. Außerdem können Verbrenner nicht rekuperieren und vernichten an jeder Ampel ganz viel Energie. Ich finde auch, dass es schon ein Wert an sich ist, dass die Abgase nicht mehr direkt bei den Menschen entstehen, sondern irgendwo weit weg. Zumal moderne Kraftwerke wohl viel effizienter und sauberer sind als die Gesamtzahl der Verbrennermotoren auf den Straßen der Innenstädte. In Berlin werden viele Kraftwerke zudem mit Erdgas betrieben und haben durch Kraft-Wärme-Kopplung eine hohe Gesamteffizienz. Und im Havelland vor den Toren der Stadt haben wir den größten deutschen Windpark.

Meiner Meinung nach führen die Leute solche blöden Argumente in die Diskussion ein, um daraus die Rechtfertigung abzuleiten, weiterhin ihre Verbrenner zu fahren und an ihrem eigenen Mobilitätsverhalten nichts ändern zu müssen. So seltsam es auch klingt: Sie kritisieren Elektroautos, schämen sich aber nicht, gleichzeitig weiterhin mit ihren Autos die Luft in den Städten zu verpesten.

Kann mir das vielleicht mal jemand erklären? Ich schaffe ein Elektrofahrzeug an, um als innovativ und umweltbewusst wahrgenommen zu werden und meine Mitmenschen nicht mehr unmittelbar zu vergiften, und dann kommen ständig Leute und versuchen zu begründen, warum Elektroautos Blödsinn sind...

Matthias
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Re: Permanenter Rechtfertigungsdruck

Beitragvon Odanez » Di 2. Mai 2017, 09:31

Das ist psychologisch bestimmt ganz einfach zu erklären: Jeder versucht seine Entscheidungen zu verteidigen. Fehler eingestehen fällt den meisten Leuten extrem schwer. Die meisten Leute sind unbelehrbar und fühlen sich sofort angegriffen, wenn man irgendetwas in Frage stellt, wovon diese Leute z.T. ihr Leben lang von überzeugt waren. Hat was mit Stolz/Arroganz zu tun, und das wird leider auch in unserer Modernen gesellschaft sehr begünstigt.

Ich erlebe das schon seit Jahren. Wir schwimmen schon in vieler Hinsicht gegen den Strom, und viele erklären uns deshalb als verrückt, fahrlässig, gefährlich, usw. aber das bin ich inzwischen gewöhnt. Meistens ziehen gute Argumente bei Menschen, die noch etwas offener sind - bei denen, die es nicht sind, lohnt es nicht Energie zu verschwenden.
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Re: Permanenter Rechtfertigungsdruck

Beitragvon umrath » Di 2. Mai 2017, 09:35

Das ist der eher armselige Versuch von Verbrennerfahrern ihre eigene Position zu verteidigen. Da das mit sachlichen Argumenten nicht möglich ist, findet eben ein Fallback auf die nächst beste Möglichkeit statt: Das Elektroauto schlechtreden.
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Re: Permanenter Rechtfertigungsdruck

Beitragvon Cooper » Di 2. Mai 2017, 09:47

Kleine Argumentationshilfe von Martin Rotta, einem Schweizer Tesla-Fahrer aus dem TFF-Forum
http://homepage.hispeed.ch/martin_rotta ... -Rotta.pdf
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Re: Permanenter Rechtfertigungsdruck

Beitragvon Helfried » Di 2. Mai 2017, 09:53

Aus den meisten Ladesäulen kommt Ökostrom, zumindest in Österreich und vermutlich Norwegen.
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Re: Permanenter Rechtfertigungsdruck

Beitragvon Rudi L » Di 2. Mai 2017, 09:58

Dieses Oberlehrergehabe hatte ich auch erlebt, bis hin zu persönlichen Anfeindungen. Als ich meinen Tesla verkauft und wieder einen Verbrenner geordert habe.

Du siehst, jeder hat seine Auffassung von Dingen und Sachverhalten. Nur manche können es nicht ertragen, wenn Meinungen vom eigenen Weltbild abweichen und meinen andere missionieren oder persönlich angreifen zu müssen. Manche sind sich sogar nicht zu schade und verbiegen Tatsachen oder kolportieren offensichtliche Falschbehauptungen.
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Re: Permanenter Rechtfertigungsdruck

Beitragvon Jochen2003 » Di 2. Mai 2017, 10:03

Was der Pianist meint passiert schon von ganz alleine, dafür braucht man nicht mal was in Frage zu stellen.
Nicht von jedem Mitbürger nein aber von sehr vielen, einige fühlen sich schon angegriffen nur wenn man mit einem E Auto vor fährt, ich persönlich bin es gewohnt, rauche ich doch seit Jahren schon E - Zigarette, auch da muss man sich Rechtfertigen nur wenn man sie benutzt, vor Rauchern genauso wie vor Nichtrauchern.

Beim E Auto ist es ähnlich und es kann anstregend werden, sich ständig erklären zu müssen. Man trifft manchmal auf Mensche die ohne Grund mit einem diskutieren wollen, das alles wäre auch nicht besser....usw (Ihr kennt alle Argumente).
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Re: Permanenter Rechtfertigungsdruck

Beitragvon Pianist » Di 2. Mai 2017, 10:07

Cooper hat geschrieben:
Kleine Argumentationshilfe von Martin Rotta, einem Schweizer Tesla-Fahrer aus dem TFF-Forum
http://homepage.hispeed.ch/martin_rotta ... -Rotta.pdf

Das ist doch mal eine richtig schöne Zusammenfassung, vielen Dank für den Link! Den bekommt künftig jeder, der mit mir diskutieren möchte, da spare ich viel Zeit.

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Re: Permanenter Rechtfertigungsdruck

Beitragvon Tigger » Di 2. Mai 2017, 10:09

Da habe ich als "Nicht-Grüner" einen Vorteil: Ich brauche mich nicht zu rechtfertigen. ;-) Da ich mein Elektroauto aus keinerlei Umweltgesichtspunkten bestellt habe würde ich bei der Strommix-Anfeindung lediglich mit den Schultern zucken und argumentieren, das ich pro 100 Kilometer nun deutlich weniger Kosten habe. Punkt, Fertig...

Rechtfertigungsdruck entsteht doch nur dann, wenn man selber der Meinung ist man müsse sich für irgendwas rechtfertigen, oder?
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Re: Permanenter Rechtfertigungsdruck

Beitragvon Cooper » Di 2. Mai 2017, 10:18

Pianist hat geschrieben:
...vielen Dank für den Link! Matthias

gern geschehen!
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