Ladungs"hub"

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Ladungs"hub"

Beitragvon campr » Di 18. Aug 2015, 16:43

Ich hab mal irgendwo gelesen, dass Toyotas Hybridakkus deshalb so lange leben, weil sie immer nur bis zu einem gewissen Limit entladen und danach auch nicht voll geladen werden. Ich weiß jetzt zwar die genauen Zahlen nicht mehr, aber es war wohl so in der Größenordnung von 30%-80%. Bei e-Autos wird ja sicher die gleiche Regel gelten. Geben die Hersteller die Batteriekapazität voll an oder nur den nutzbaren Bereich? Ist es aus Akkusicht besser, auch wenn nur halbleer, etwas nachzuladen, also den "Ladehub" zu verringern oder macht es den Akkus nichts mehr aus, wenn sie von ca. 10% auf 100% geladen werden?
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Re: Ladungs"hub"

Beitragvon HubertB » Di 18. Aug 2015, 17:16

Der Prius hat meines Wissens einen NiMH Akku. Das kann man nicht einfach auf einen Li Akku übertragen.
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Re: Ladungs"hub"

Beitragvon Spüli » Di 18. Aug 2015, 17:19

Moin!
Beim Prius wurden sehr lange Ni-MH Akkus verbaut. Diese sind weniger Leistungsfähig als die LiPo-Akkus in den Autos.

Grundsätzlich leiden die Akkus bei 0% und 100% Ladestand. Bei 0% kann auch die Chemie nachhaltig zerstört werden. Daher sind meist nur 80-95% eines LiPo-Akkus für den Fahrbetrieb freigegeben. Getestet werden die Akkus von den Herstellern auf volle Zyklen. Üblich sind Versuchsergebnisse von >1000 Zyklen bei >80% Leistungsfähigkeit. Da man das in der Praxis so nie erreicht, kann man von mindestens 2000 Zyklen ausgehen was üblicher weise eine Lebensdauer von 300-400tkm entspricht.
Berücksichtigen muß man dabei auch die kalendarische Alterung, die auch einen Teil der Kapazität fressen kann.

Wenn die Akkus dann irgendwann nicht mehr den Ansprüchen des Fahrers genügen, können sie noch einen schönen Lebensabend als Hausakku an der heimischen PV genießen.
Gruß Ingo
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Re: Ladungs"hub"

Beitragvon campr » Di 18. Aug 2015, 17:58

Wenn man mal von Notebookakkus auf Autoakkus extrapoliert, wird das nichts gutes verheißen - zumindest für mich (von 3 Notebooks sind 2 Akkus nach 3 Jahren sowas von nieder, dass sie nur noch als USV taugen, aber nicht zum mobil arbeiten).
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Re: Ladungs"hub"

Beitragvon Karlsson » Di 18. Aug 2015, 18:15

Notebookakkus sind billiges Zeug, nicht mit dem Auto zu vergleichen.

Der Prius macht nur einen extrem kleinen Hub. Große Mengen Energie speichern ist auch überhaupt nicht sein Konzept. Es geht lediglich darum, die rekuperierte Energie zu bunkern und einen Puffer für das elektrische Verspannungsgetriebe zu haben. Es ist kein Elektroauto.
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Re: Ladungs"hub"

Beitragvon Michael_Ohl » Di 18. Aug 2015, 18:16

Notebook Akkus werden sehr häufig vollständig entladen, werden oft schlecht behandelt von den Balancern, sind oft zu warm, sind teilweise von grottiger Qualität und die Ladeschaltungen haben oft noch mit betriebszuständen wie Laden und wechselnder Stromaufnahme des Notebooks zu kämpfen. Manche halten nur 2 Jahre und wenige 100 Zyklen andere 8 Jahre bei 350*8 Vollzyklen.

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Re: Ladungs"hub"

Beitragvon Toumal » Di 18. Aug 2015, 18:27

Man kann auch bei LiXX die Zyklenzahl erhoehen indem man den Akku nicht ganz voll laedt. Hier kommt es sehr auf die Chemie an, wieviel das bringt bzw. bei welchen Prozentzahlen. Generell reden wir bei modernen Zellen von etwa 10% mehr Zyklen wenn man nur auf 90-95% laedt. Je nach Zellenart erreicht man dies entweder durch Laden bis zur Nennspannung (was meist 80-90% der Nennkapazitaet entspricht), oder durch vorzeitiges Beenden der Ladung in der Konstantspannungsphase (=Laden mit Nennspannung und zeitlich abnehmenden Ladestrom). Man kann dadurch aber nicht die Lebensdauer verdoppeln oder dergleichen.

Am meisten kann man die Lebenszeit und damit die Zyklenzahl verlaengern indem man die Zellen nicht mit zu hoher Temperatur lagert, betreibt, oder laedt. Auch Entladen an die Kapazitaetsgrenze oder Tiefentladung sind Killer. Ich betreibe meine Zellen (4.20V Nennspannung) meist nur bis runter auf 3.8V, obwohl man eigentlich tiefer gehen koennte. Aus einer 2000mAh-Zelle bekomme ich so halt nur ca. 1000-1200mAh raus. Dafuer habe ich Packs die schon 8 Jahre alt sind und viele hundert Zyklen auf dem Buckel haben - bei Stroemen von von 20-30C wohlgemerkt. Vor dem Laden lasse ich die immer auf unter 30 Grad abkuehlen. Langgediente Akkpackss die ich an andere Leute verborge bekomme ich oft mit dickem Bauch zurueck, weil die meinten gleich nach dem fliegen mit 2C laden zu muessen.
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Re: Ladungs"hub"

Beitragvon mlie » Di 18. Aug 2015, 21:11

campr hat geschrieben:
Wenn man mal von Notebookakkus auf Autoakkus extrapoliert, wird das nichts gutes verheißen - zumindest für mich (von 3 Notebooks sind 2 Akkus nach 3 Jahren sowas von nieder, dass sie nur noch als USV taugen, aber nicht zum mobil arbeiten).


Nicht Äpfel und Birnen vergleichen, Birfel gibt es nicht.

Notebook- und Handyakkus kennen nur zwei Zustände: Entweder immer am Netz und damit auf 100% geladen oder jeden Tag im Aussendienst mit Vollzyklus. Dazu kommt noch die Hitze im Notebook, die man kaum los wird und dass die nur 2 Jahre halten müssen.
Beim Traktionsakku hat man gänzlich andere Maßstäbe, und es ist auch Platz für eine Kühlung und gescheites BMS des Akkus.

Wobei auch hier die ganzen Schaufensterfahrzeuge und andere Zulassungszahlenverzerrer den ganzen Tag vollgeladen in irgendeinem Werkshinterhof rumstehen. Auch manche Carsharingfahrzeuge haben dieses Schicksal...
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Bevor man den 200. Tröt zu einem längst ausdiskutierten Sachverhalt aufmacht, IMMER erstmal die Suche benutzen. Es gibt in diesem Forum KEIN Elektroautothema, welches nicht schon längst abschliessend diskutiert wurde!
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Re: Ladungs"hub"

Beitragvon Greg68 » Mi 19. Aug 2015, 11:48

Als ich mein TWIKE gekauft habe, wurde mir das ziemlich genau erklärt (für LiMn-Akkus): die Alterung der Zellen hängt neben der Temperatur vom Ladezustand ab. Da gibt es eine 'Badewannenkurve'. Im Leer- und Vollbereich ist die Kurve oben, dazwischen geht sie runter. Sieht eben aus, wie der Querschnitt einer Badewanne. Je höher der Akku am Badewannenrand steht (egal auf welcher Seite), beschleunigt sich der Alterungsprozess überproportional. Am langsamsten ist die Alterung demnach bei 40 bis 50 % SOC. Es kommt also drauf an, WIE LANGE sich der Akku in diesem Ladezustand befindet! Wenn ich in Urlaub fahre und das TWIKE zuhause lasse (kommt vor), sehe ich zu, dass der Akku im 'Boden der Badewanne' für zwei bis drei Wochen 'stillgelegt' wird. Auch lade ich es im Alltag nur auf 80 - 85% und fahre bis etwa 30% (Ideal-Hub) runter. Nur bei anstehenden längeren Fahrten lade ich auf 100% und fahre auf 5 % (Gelegenheits-Hub) runter und sorge dafür, dass es nicht mit 5 oder weniger % über Nacht oder länger stehen bleibt.

Bei den neuen Elektroautos, die heute auf dem Markt sind, versucht man den Käufer von solchen Rücksichtnahmen auf den Akku weitgehend zu befreien. Er soll sich keinen Kopf drum machen müssen (wäre für viele unzumutbar oder der technische Background fehlt oft). Daher haben die Akkus mehr Kapazität als genutzt wird. Der linke (ganz leer) und rechte (ganz voll) 'Badewannenrand' ist nicht nutzbar. Dem TWIKE-Fahrer traut man offenbar zu, das selbst zu 'managen', denn man kann es fast ganz voll laden und den Akku damit schädigen, wenn man nicht binnen einiger Stunden abfährt. Und man kann den Akku in die Tiefentladung runterfahren. Dann ist er oft irreparabel beschädigt. Das ist schon dem einen oder anderen TWIKEr passiert :(. Dann sind schnell mal 10.000 Eier im Feuer...

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