Ideologie(n), Motive ?

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Re: Ideologie(n), Motive ?

Beitragvon graefe » So 25. Okt 2015, 11:54

Torquemada hat geschrieben:
Etwas verwundert bin ich allerdings angesichts des geradezu missionarischen Tenors einiger Beiträge, deren Autoren sich die Bekehrung der 'noch' mit Verbrennern herumfahrenden Mitmenschen zum Ziele gemacht zu haben scheinen.
Ich wiederum bin diesbezüglich völlig leidenschaftslos. Mein Motiv bei der Anschaffung waren 'Freude am Fahren' und 'Freude am Sparen', dem hat Zoe entsprochen. So hatte ich bislang dank günstiger Konstellationen Stromkosten von null Euro.

Der Umweltschutzgedanke ist mir nachrangig: Überspitzt gesagt würde es mich ceteris paribus nicht stören, wenn unter der Haube ein Atomreaktor oder ein kräftiger Vertebrat im Laufrad für den Antrieb sorgten.

Ich mag dieses Missionieren auch nicht. Scheint aber gerade auf links-"grüner" Seite üblich zu sein (Stichwort: Veggie-Day). :twisted:
Ich fahre ja seit ca. 20 Jahren elektrisch. Motiv: Ich mag innovative Technik. Und so einen stinkenden und öltriefenden Verbrennungsmotor finde ich maximal unästhetisch. Und emissionsfrei und energetisch hoch-effizient unterwegs zu sein fasziniert mich auch.
Das war's aber auch. So ähnlich führe ich das mit meiner Ernährung: Ich mag keine Schlachtereien, die 30000 Schweine am Tag Schlachten, also esse ich weniger Fleisch und aus anderen Quellen.

Wenn meine Mitmenschen für sich persönlich zu anderen Ergebnissen kommen, dann akzeptiere ich das und versuche auch nicht, sie von meiner "persönlichen Wahrheit" zu bekehren. Es gibt hier so unterschiedliche Charaktere: Ökos, Techies/Nerds, Drehmoment-Fanatiker, Spar-Füchse... Wo ist das Problem? Jeder sollte nach seiner eigenen Façon glücklich werden dürfen.

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Re: Ideologie(n), Motive ?

Beitragvon novalek » So 25. Okt 2015, 12:03

(1) Für mich die Lösung eines Dilemmas: (Diesel-Fahrzeugmotor soll lange halten - kein Verbrenner liebt "Kurzstrecken" / Fahrten sind notwendig).
Auf dem freien Land gibt's keinerlei Infrastruktur mehr (Bäcker, KoofMich, etc.) bei uns sind die in 3 bis 18 km Umfeld.
Neben den üblichen täglichen Berufspendelfahrten (15 km) ärgern mich die Einkaufs-, Besuchs- und FreizeitgestaltungsFahrten. Um hierfür den 230 PS Diesel anzuschmeißen ist ein OverKill; ein Irrsinn.
Daher nun den Paradigmenwechsel - Break-Even bei 150km Entfernung.
Ob der Diesel danach überhaupt noch überlebt, wird sich zeigen.
(2) sinnvoll ist die E-Mobilität deshalb, weil zentrale UmweltEntgiftungen und der EnergieGewinn der Betriebsenergie rationeller erfolgt
(3) der Wohnwert steigt, wenn keine Stinker die Straßen befahren - außer man hat Holz-Kamin-Stinker in der Gegend.
(4) Anti-Stimmung: Die Straßen sind voll mit PanzerFahrzeugen - viel PS, supergeschönte Verbrauchswerte (auch bei Hybrid-Kfz), große Fahrzeugbreite, superschnell, Nutzwert äußerst gering.
(5) Öko hin oder her, alles was wir an Umweltsünden positiv "gestalten" wird sich erst in einigen Jahrhunderten bemerkbar machen - die Zeitkonstante für die Wirkung vergangener Umweltverpestungen und extraterrestische Wirkungen ist bekanntlich falsch angesagt worden
(6) Ich habe weder zum Hersteller noch zum Fahrzeug eine emotionale Beziehung "meine kleine Zoe" - aaach jottchen, nee - und denn noch mit'm Vornamen ??
Zuletzt geändert von novalek am So 25. Okt 2015, 13:13, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Ideologie(n), Motive ?

Beitragvon energieingenieur » So 25. Okt 2015, 12:08

Ich bin durch eine Panne zum Elektroauto gekommen. Das Abgasrückführungsventil meines Benziners hatte den Geist aufgegeben und daraufhin durfte ich 1 Woche lang Nissan LEAF fahren - bis zum eigenen Twizy dauerte es danach nur noch wenige Monate. Inzwischen fahre ich mit ZOE und Twizy zu 90% des Jahres elektrisch. Und wenn das Model S nicht so groß und teuer wäre, wären es auch 100%. Mir tut es wirklich weh, wenn ich sehe, wieviel unwiederbringliche Ressourcen in Verbrennungskraftmaschinen mit so wenig Wirkungsgrad verbrannt werden.

Zum Missionieren habe ich meine eigene Philosophie. Grundsätzlich darf jeder selbst entscheiden, welches Fortbewegungsmittel mit welchem Antrieb er nutzt. Mein Ziel ist lediglich aufzuzuzeigen, dass ein anderer Weg auch möglich ist und dieser in der Realität vll. doch etwas anders aussieht, als Presse und weitläufige Meinung uns glauben machen möchte. Und interessanterweise ist es so, dass über 95% der Leute, mit denen ich gemeinsam mal eine elektrische Runde fahren, sich plötzlich deutlich mehr für das Thema öffnen, als es vorher der Fall war. An diesem Punkt ist mein Ziel erreicht. Die Gedanken zu öffnen, dass es eben doch noch echte Alternativen zum bisherigen gibt. Was dann beim nächsten Autokauf passiert, ist deren Sache. Ich berate dann immer noch gerne, aber nur auf Nachfrage.

Das Thema Kosten spielt für mich beim Elektroauto weniger eine Rolle. Es ist mir den Spaß einfach wert.
Umweltschutz: Spielt zunehmend eine Rolle. Wobei ich dabei nicht versuche, möglichst asketisch zu leben, um den Energieverbrauch aufs absolute minimum zu reduzieren. Aber wenn ich Energie verbrauche, dann habe ich den Wunsch, dass diese auf dem möglichst effizientesten Wege verbraucht wird.

Beispiel: Wenn ich in einem Hotelzimmer einen 300W-Deckenfluter habe und weiß, dass sich die gleiche Aufgabe (Raum beleuchten), auch mit einem 30W-LED-Strahler hätte realisieren lassen, dann ist mir der Betrieb von dem Teil innerlich zuwieder und ich erlaube mir da auch manchmal einen Hinweis an das Hotel. - Vor allem, weil LEDs heute wirklich erschwinglich geworden sind.

Man muss sicherlich einen Mittelweg zwischen Wissensverbreitung und Missionierung finden. Ich selbst war froh, als mich mal ein eigentlich militanter Veganer über gewisse Dinge bei Lebensmitteln aufgeklärt hat. In dem Falle, aber wirklich rein informativ, ohne Missionsgedanke. Ich habe danach meine lebensweise überdacht. Schlichtweg aus der Tatsache, dass mir Gewisse Dinge absolut unbekannt waren. Ich bin dankbar für dieses Wissen. Ich esse immer noch Fleisch, aber deutlich weniger und bewußter.
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Re: Ideologie(n), Motive ?

Beitragvon Cavaron » So 25. Okt 2015, 12:09

Torquemada hat geschrieben:
Interessant erscheint mir auch, wieviel emotionale Ablehnung dem EV entgegenschlägt ... oder auch von einem meiner Freunde. Nach lange parallel verlaufener Entwicklung (wer hat als erster einen Mercedes ? wer hat als erster einen Achtzylinder ? so in der Art eben...) hat er meine Entscheidung zur Zoe, die ungefähr zeitgleich mit seinem Erwerb des größten erhältlichen X5 fiel, als Affront aufgefasst.

Vermutlich sieht er das E-Auto als "von oben verordnetes Verzichtsmobil" und glaubt nun unterschwellig moralischen Druck von deiner Seite zu spüren. So denken erstaunlich viele Leute. Wird sich erst ändern, wenn sie alle reihenweise an der Ampel von E-Autos abhehängt werden :)

Übrigens - der Verbrennungsmotor musste damals 30 Jahre um seine Etablierung kämpfen. Legendär ist das "Bünder Autoverbot" von 1900-1925. Wer durch die Region mit dem Auto reisen wollte, musste es in diesen 25 Jahren von Pferden ziehen lassen. Die Leute haben sich damals gefragt, was der Quatsch mit dem Automobil soll - Pferde waren (anfänglich) schneller, günstiger in der Anschaffung und im Unterhalt und betrieben mit kostenlosem Gras! Und überhaupt, wer so ein dolles, preisgekröntes Zuchtross hatte - was wollte der mit einem Automobil? Treibstoff gab es auch nur, wenn gerade die Apotheke offen hatte...
https://books.google.de/books?id=J2z9CaBNxswC&pg=PA141&dq=Die+Kosten+einer+umstrittenen+Technik&hl=en&sa=X&ved=0CCAQ6AEwAGoVChMIy6GP5LzdyAIVxIYaCh25VwvT#v=onepage&q=Die%20Kosten%20einer%20umstrittenen%20Technik&f=false
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Re: Ideologie(n), Motive ?

Beitragvon energieingenieur » So 25. Okt 2015, 12:12

Moderation: Habe das Thema aus dem ZOE-Forum in "Elektroautos Allgemein" verschoben
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Re: Ideologie(n), Motive ?

Beitragvon Michael_Ohl » So 25. Okt 2015, 13:26

Für mich ist ökologisches denken in vielen Bereichen schon wichtig. Deckenfluter oder Glühlampen haben bei mir seit Jahren Hausverbot. Auch EDV Anlagen benutze und verkaufe ich mit so wenig Energieverbrauch wie sinnvoll möglich. Meinen letzten Diesel habe ich auch mit Schaltung und Start- Stopp System gekauft weil mir der Energieverbrauch des Geländewagen davor auch im Portemonnaies weh getan hat.
Ich Esse aber weder Vegan noch mache ich mich zum Totalöko aber ich Fliege nur sehr selten und versuche meinen CO2 Fußabdruck so klein zu halten das ich Ihn vertreten kann.
Mein E-Auto macht Spaß, und reduziert bei mir massiv Kosten. Die Anschaffung des Kangoo ZE war vergleichbar mit jedem anderen Zweitwagen der den alten Getz ersetzen sollte. Dank der Firmensolaranlage hat der Kangoo in 2015 bis jetzt 1000 Liter Diesel durch Solarstrom ersetzt. 1800kg weniger CO2. Mein Ex- Chef hat nach einer Probefahrt auch sofort einen gekauft und ein guter Freund denkt auch darüber nach.
Missionieren kann auch Spaß machen und sinnvoll sein. Wenn das Missionsziel allen zu gute kommt kann ich dazu auch besser stehen als zu irgend einer (anderen) Religion.

mfG
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Re: Ideologie(n), Motive ?

Beitragvon Rolle » So 25. Okt 2015, 14:55

Ich fasse mich kurz, in dem Thread ist ja schon so gut wie alles gesagt:

In einem Elektroauto zu sitzen fühlt sich im 21. Jahrhundert einfach verdammt richtig an. Missionieren brauch ich nicht, das macht der Fluence von ganz alleine..... :lol:

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Re: Ideologie(n), Motive ?

Beitragvon soho » So 25. Okt 2015, 15:17

Der Umweltvorteil ist zumindest über CNG-Fahrzeugen fraglich. Daher kann nicht verstehen, warum hier andere Leute einen als Umweltsünder (teilweilse auch Untervolk) brandmarken. Woher wollen die denn wissen wie man sonst lebt?

Es ist halt spaßig ein E-Car zu fahren. Das gefällt auch mir. Und auf Kurzstrecken eignet sich ein E-Car sehr gut, was man vom Verbrennern nicht behaupten kann. Aber die Nachteile sind eben auch da (Reichweite, öffentliches Ladechaos).

Ideologen? Nur wenn das E-Car über die eigene PV vom Dach, oder über die Brenstoffzelle im Keller geladen wird. Dann klatsche auch ich.

Ich würde eher den Begriff Early-Adopter verwenden. Wenn niemand ein E-Car kaufen würde, wäre wohl das Angebot dünner.
Von daher, ja ihr könnt euch auf die Schulter klopfen.
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Re: Ideologie(n), Motive ?

Beitragvon e-tron-73 » So 25. Okt 2015, 16:15

Ich wollte einfach sparen. Also kurz alle Strecken durchgerechnet, sämtliche monatlichen Kosten durchkalkuliert und festgestellt: es wird ein Elektrofahrzeug. Zuerst hatte ich mit dem Ampera geliebäugelt, aber da waren die Gebrauchtpreise noch nicht passend. Dann bin ich eine ZoE Probegefahren, habe sie dann gleich 14 Tage geliehen und gleich gekauft. 2 Liter Diesel wurde komplett ersetzt. Monatliche Belastung mehr als halbiert. Und jetzt macht es einfach nur Spaß. Mein Streckenprofil erlaubt es mir (immer noch) weitestgehend kostenfrei zu laden. So habe ich alleine schon knapp 800 € Diesel gespart. Wichtig ist das, was ich im Monat ausgeben muss. Alles richtig gemacht!
Nochmal fossile Verbrennung? Nur bei meiner Harley ....
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Re: Ideologie(n), Motive ?

Beitragvon Majaleia » So 25. Okt 2015, 16:21

Mein Mann wollte schon seit Jahren ein Elauto haben (er ist Klimaforscher). Als ich dann Ende 2013 immer mehr Leafs und Teslas gesehen habe, wollte ich auch eins haben und dann nach nur einer Probefahrt haben wir gleich einen Leaf gekauft...ich muss dazu sagen: wir haben 7 Jahre in Norwegen gewohnt und da gehört das Elauto ganz normal zum Strassenbild. ;)
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