Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfahrer

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Re: Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfah

Beitragvon yankee » Di 25. Sep 2018, 19:27

Ich finde sowohl Diesel für 1,30 € und Strom für 0,21 €/kWh eine steile These.

Aktuell kann man Diesel für 1,30 € bekommen, aber wir hatten 2012 auch schonmal 1,50 €. Dann haben die Amerikaner mit Fracking angefangen und bis 2016 bergab mit den Preis auf unter 1,10 €. Seit dem steigt der Preis wieder mehr oder weniger kontinuierlich. Da die Möglichkeiten die Ölförderung zu erhöhen begrenzt sind aber die Nachfrage bei immer mehr Menschen die konsumieren auf der Welt steigt würde ich im Langzeittrend sagen, dass der Preis mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit steigt. Es kann natürlich auch sein, dass der Preis wieder verfällt, ich würde aber eher mal mit 1,50 rechnen (würde mich auch nicht erstaunen, wenn der Preis auf 2 € / Liter steigt.).

Im Jahr 2017 betrug der Strompreis laut Wikipedia für Endkundenhaushalte mit 3,5MWh/Jahr im Schnitt 29,16 cent/kWh. Insofern bin ich auch da etwas erstaunt wie du auf 21cent/kWh kommst. Rechnest du mit einem Anteil kostenfreien laden wie hier viele sagen? Das ergibt bis zu einem gewissen Grad natürlich Sinn, aber auch darauf würde ich nicht setzen, denn irgendwann müssen die Stromanbieter da ja auch mal anbieten und die ganzen Ladesäulen stellen sich ja nicht von selbst auf. Ein paar Vorteile haben zumindest große Schnellladeparks natürlich: Sie können mit einer dicken Leitung angeschlossen werden. Wenn ein Anschluss ans Mittelspannungsnetz um die Ecke ist, wird die Belieferung günstiger ausfallen als an einem Privathaushalt, aber eigentlich erwarte ich, dass es auf lange Sicht teurer sein wird an öffentlichen Stationen zu laden als zu Hause. Was natürlich beim Strompreis als Joker noch sein kann ist, dass bei steigendem Anteil erneuerbarer Energie im Netz und damit regelmäßig auftretenden Spitzen auf dem Markt die billig verscherbelt werden und genügend Elektroautos die diese dankbar aufkaufen sich in Zukunft an Ladestationen die Möglichkeit gibt billig mit variabler Stromstärke zu laden. Aber das ist alles Zukunftsmusik... (Wie andere schon erwähnt haben kann hier eine eigene PV-Anlage natürlich ein heftiger Game-Changer sein).

Der Strompreis ist deutlich stabiler als der Dieselpreis, aber auch der geht insgesamt ständig nach oben. Zwar ist dann bei beiden Quellen mit Kostensteigerungen zu rechnen, aber wenn du die miteinberechnest ist der Unterschied größer. Also du rechnest mit rund 1.600 € für Diesel vs. 800 € für Strom pro Jahr und sparst damit 800 € im Jahr. Geht der Preis um 15% hoch (also von 1,30 € auf 1,50 € für Diesel und 21cent auf 24cent für Strom, dann sparst du noch 120 € mehr. Wenn du das natürlich wieder auf 10 € / Monat Ersparnis runterrechnest, dann sind die Zahlen garnicht mehr so beeindruckend. Da tut auch ein günstigerer Handytarif ;-).

Naja, das jedenfalls nur mal so als Denkanstoß, dank Glaskugelmangel wirst du da wohl von 5 Experten mindestens 6 Meinungen bekommen ;-).
yankee
 
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Re: Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfah

Beitragvon GTE_Ebi » Di 25. Sep 2018, 21:57

An Deiner Stelle würde ich jetzt erst mal mit dem Hyundai weiterfahren. Anstelle eines E-Fahrzeugs würde ich 10 bis 15.000 Euro in eine PV Anlage stecken, und mir eine Anlage aussuchen die nachträglich kostengünstig auf ein Notstrom Speichersystem ergänzt werden kann. Du kassierst EEG Umlage und Du hast eine eigene Stromversorgung, die Dir Jahrzehnte lang Strom liefert. Denn mir erscheinen die 21 Cent pro kWh sehr niedrig (außer sie sind ohne MWSt).

Späterstrens in 2 1/2 Jahren sieht die Verfügbarkeit deutlich preiswerter und reichweitenstärkerer EV's deutlich besser aus. Und da ich jetzt bei Deinem Preis nicht von einem großen Hyundai ausgehe, wirst Du auch in 3 Jahren noch gutes Geld für den Wagen bekommen. Dafür sorgt schon unsere Politik. Den Leaf, vor allem den Neuen würde ich wegen RapitGade nie kaufen, und vergiss nicht die Degression des Akkus, auch wenn das hier immer schön geredet wird. Gerade in der kalten Jahreszeit kann das später zum Problem werden.

Wenn es aber unbedingt ein E-Fahrzeug sein soll, würde ich mal bei Hyundai fragen, was sie Dir für ein Angebot machen, wenn Du Deinen gegen einen Kona oder Ioniq eintauscht. Mit dem großen Akku währst Du bei Deinen Strecken auch im Alter mit dem Kona auf der sicheren Seite.


Das klingt für mich nach einer gesunden Einschätzung, Excel hin oder her. Dies sehe allerdings anders:

wirst Du auch in 3 Jahren noch gutes Geld für den Wagen bekommen. Dafür sorgt schon unsere Politik


Der Fehler lag darin, sich jetzt noch einen Diesel zuzulegen, der Wertverlust ist doch vorprogrammiert. Obs danach dann sinnvoll ist, mit einer Hypothek im Nacken noch auf E-Auto umzusteuern.......? :?

Gruß,
Ebi
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Re: Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfah

Beitragvon MaXx.Grr » Mi 26. Sep 2018, 02:15

igangum hat geschrieben:
Ich habe oben geschrieben, dass ich mit einem erhöhten Restwert rechne, wenn man zuvor die Batterie wechselt. Bei 10 Jahren gehe ich davon aus, das man das machen muss, deshalb höherer Restwert als bei 6 Jahren. Wie seht ihr das?

Ich brauche im Schnitt einen Reifensatz pro Jahr bei 25.000 km (abwechselnd Sommer + Winterreifen). Also 350 für Reifen, Rest ist Wartung. Falls Spritpreis mehr als der Strompreis steigt und der Restwert des Diesels niedriger wird als ich gerechnet habe, dann ist ja meine Rechnung noch positiver in Richtung E-Auto ...


Ah, o.k. Das hatte ich nicht in diesen Zusammenhang gebracht... Alle Achtung - Du denkst wirklich sehr weit

Trotzdem ist der Restwert in 6 oder 10 Jahren - genauso wie der deines aktuellen Verbrenners in 3 - kaum vorhersagbar. Da sind bei der aktuellen Politik einfach viel zu viele Unwägbarkeiten im Spiel.

Die Haltbarkeit des Akkus würde ich allerdings auch ein wenig besser einschätzen. Insbesondere weil er ja nicht - wie bei einem Motorschaden beim Verbrenner - auf einen Schlag kaputt geht sondern sehr allmählich. Insofern kann man dann als Zweitwagen auch ohne Akkuwechsel noch auf kürzeren Strecken mit ihm anfangen...

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Re: Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfah

Beitragvon Schüddi » Mi 26. Sep 2018, 07:38

yankee hat geschrieben:
Der Strompreis ist deutlich stabiler als der Dieselpreis, aber auch der geht insgesamt ständig nach oben. Zwar ist dann bei beiden Quellen mit Kostensteigerungen zu rechnen, aber wenn du die miteinberechnest ist der Unterschied größer.

Welche Quellen hast du denn? Wie kommst du auf diese Behauptung? Sollen wir nochmal die letzten 10 Jahre als Diagramm gemeinsam anschauen? Strom ging deutlich weiter hoch als Diesel.
Ich finde was ihr da versucht ist nicht darstellbar. Vor allem wird schon versucht an jeder Ecke schön zu rechnen (kostenlos laden usw).
Es gibt einfach zu viele eventualitäten die man nicht mit einrechnen kann. Man kann von Stand heute ausgehen, nicht mehr und nicht weniger. Strom kostet ich meine 0,26€/kWh im Durchschnitt und Diesel 1,32€. Nehmt einfach den Jahresschnitt aus 2018.
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Re: Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfah

Beitragvon Odanez » Mi 26. Sep 2018, 08:05

Man kann einfach nicht wissen was mit den Preisen passiert, aber durch die Entwicklungen in PV und Wind sollte Strom mittelfristig nicht wirklich teurer werden, eher billiger. Theoretisch - es sei denn die Politik entscheidet Strom stärker zu besteuern. Bei Rohölprodukten ist es nun mal so, dass man seit den all-time-highs des Ölpreises stark fallende Preise hatten, da haben ganz viele Mächtige die Finger im Spiel, vor Allem die OPEC Länder, die es sich noch am ehesten leisten können das Öl für viel weniger zu verkaufen um so das Leben für die Konkurrenz schwer zu machen. Wir stehen momentan eher nahe am Tiefpunkt des Ölpreises, also ist nach unten nicht mehr viel Raum - nach oben ist aber alles offen. Es gibt zwei Faktoren zu bedenken - wenn die Steuer auf Kraftstoffe wegen ihrer Umweltbelastung erhöht werden, oder wenn der Preis durch Spekulation und/oder durch die Produzierende Länder durch künstliche Knappheit erhöht wird, dann sehen wir ganz schnell Preise in Richtung 2 Euro gehen.
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Re: Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfah

Beitragvon Priusfahrer » Mi 26. Sep 2018, 09:35

@Odanez: Das sehe ich auch so. Nach dem Wegfall der Kohle und Reduzierung der EEG wird Strom eher billiger als teurer. Öl hingegen wird wohl eher teurer werden oder zumindest auf dem heutigem Preis bleiben. Vielleicht geht es nochmal geringfügig runter, aber langfristig eher nicht.

Daher sehe ich die 25Cent/kWh schon als realistisch an und bei Benzin die 1,50-1,60€/L. Diesel sollte man ohnehin nicht mehr kaufen. Die haben einen zu hohen Wertverlust und immer die Gefahr von Zusatzkosten(Hardwarenachrüstung/Steuer) und Fahrverboten.
Wer eher bremst fährt länger schnell (ohne nachzuladen)
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Re: Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfah

Beitragvon mobafan » Mi 26. Sep 2018, 11:56

Ich gebe mal zu bedenken: Ich fahre ein PHEV. Liegt an meinem Anforderungsprofil, welches bis heute kein Elektroauto abdecken kann (der E-Tron wird es als erstes E-Auto können, aber da ist der hohe Preis im Wege). Dadurch kenne ich sowohl elektrisches, als auch Fahren mit Treibstoff.
Und ich bin darauf bedacht, soviel wie möglich elektrisch zu fahren (allerdings bin ich nicht bereit, beliebige Preise für die kWh zu zahlen) und bei notwendigem Benzin-Betrieb so wenig wie möglich zu verbrauchen (ohne zu schleichen, meine übliche AB-Geschwindigkeit liegt bei Tacho 135-140, ab und an auch mal höher, um schnellere Teilnehmer nicht auszubremsen bei Überholvorgängen).
Und trotzdem nervt es, dass die Benzinpreise momentan schon wieder bei 1,50 €/l liegen. Denn das sind die Preise, die ich für die Langstrecke tatsächlich bezahlen muss und der mir damit jeden Tag die Lust versaut. Während der Strompreis zumindest zu Hause ziemlich konstant ist, mit der PV-Anlage ab nächstem Jahr sogar preisgünstiger werden wird. Der höhere Preis, den ich für das Auto gegenüber einem reinen Diesel oder Benziner hatte bezahlen müssen, ist dagegen bereits vergessen.

Klar: Wirtschaftlich betrachtet über alle Faktoren ist der Unterschied zwischen Elektrisch und Verbrenner kleiner, als es im Alltag den Anschein hat. Aber psychologisch ist es ein enormer Unterschied. Und ich wünschte, mein Passat GTE wäre ein rein elektrisches Fahrzeug.
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Re: Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfah

Beitragvon MaXx.Grr » Mi 26. Sep 2018, 12:58

mobafan hat geschrieben:
Klar: Wirtschaftlich betrachtet über alle Faktoren ist der Unterschied zwischen Elektrisch und Verbrenner kleiner, als es im Alltag den Anschein hat. Aber psychologisch ist es ein enormer Unterschied. Und ich wünschte, mein Passat GTE wäre ein rein elektrisches Fahrzeug.


Stimmt, da hast Du absolut Recht - es gibt das rein mathematisch-ökonomische "Lohnt sich". Aber viel zu wenig Beachtung findet das psychologische! Warum fahren denn die Leute 20 km zur über-über-übernächsten Tanke? Bei 50 l und 3 Cent Ersparnis ist das ein magerer Euro Fuffzich... Aber 5 l/100 km ≈ 7,50 €/100 km ≈ 1,50 €/20 km!!!

Also psychologisch ist die Ersparnis mit dem eAuto unschlagbar - noch besser wird's nur wenn ich der Schwiegermutter für den Besuch für 9 Euro Strom wegnehme :-D Die wird sich nur wundern warum sie denn so oft besucht wird... Hihi...

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Re: Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfah

Beitragvon c2j2 » Mi 26. Sep 2018, 13:34

Ich als Fahrer eines Noch-Benzin Autos finde, dass die Welt besser wäre, wenn der Sprit 5 € pro Liter kosten würde.

Nicht, weil ich jetzt ein Elektro-Auto bestellt habe. Sondern aus ökologischen und Geräusch - und Platz - und sonstigen Gründen. Die Welt wäre anders, und in meinen Augen besser, wenn der Preis viel höher wäre.

Aber wahrscheinlich mache ich mir damit etwas vor, denn dann wären Fracking oder andere die Umwelt zerstörende Maßnahmen absolut konkurrenzlos, und würden natürlich entsprechend oft gemacht werden.
Seit 12. Oktober mit einem roten Leaf im Bodenseeraum unterwegs, tankt an der PV-Anlage mit 5kWp auf dem Hausdach (Fronius Symo, sonnen batterie, go-e Charger gesteuert über FHEM) oder Naturstrom...
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Re: Elektroautos rechnen sich wirklich, aber nur für Vielfah

Beitragvon HW120 » Mi 26. Sep 2018, 13:40

c2j2 hat geschrieben:
Aber wahrscheinlich mache ich mir damit etwas vor, denn dann wären Fracking oder andere die Umwelt zerstörende Maßnahmen absolut konkurrenzlos, und würden natürlich entsprechend oft gemacht werden.



Genau so ist es. Ferner wäre der Preis unsozial und würde so manche Volkswirtschaft nachhaltig schädigen. Denn die Alternativen zum fossilen Antrieb sind noch nicht soweit, dass diese vollumfänglich als Ersatz dienen können. Erst wenn es soweit ist kann über einen Spritpreis von 5€ den Liter nachdenken.
Gruß Hinrich

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