E-Auto-Kompetenz des Touring Club Schweiz ist fragwürdig

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E-Auto-Kompetenz des Touring Club Schweiz ist fragwürdig

Beitragvon fotorei » Di 7. Nov 2017, 23:33

Hallo zusammen

Der Touring Club Schweiz TCS ist der grösste Automobilclub der Schweiz und vergleichbar mit dem ADAC in Deutschland. In Sachen Expertise und Kompetenz betreffend Elektromobilität tut sich der TCS allerdings noch ein wenig schwer.

Doch der Reihe nach: Am 31. Oktober 2017 strahlte das Konsumentenmagazin Kassensturz des staatlichen Schweizer Fernsehens SRF einen Beitrag zur Elektromobilität aus. Zusammen mit dem TCS hatten die Fernsehmacher ermittelt, dass die Elektroautos nur 60 Prozent der gemäss NEFZ ermittelten Reichweite erreichen. Für den Renault Zoë mit dem 41 kWh Akku kam man auf eine realistische Reichweite von 230 Kilometer. Den Beitrag findet Ihr hier (ist aber vermutlich nur für User aus der Schweiz abrufbar). https://www.srf.ch/news/schweiz/praxist ... aets-check

Diese 230 Kilometer decken sich überhaupt nicht mit meinen Erfahrungen mit meiner Zoë. Diese hat derzeit (also auch bei mittlerweile relativ tiefen Temperaturen) gemäss Bordcomputer einen Verbrauch von 14,1 bis 14,2 kWh/100km. Die einfache Rechnung ergibt eine Reichweite von ca. 290 km in meinem Fall. Dies veranlasste mich, bei Twitter adressiert an den Touring Club und an die Macher von Kassensturz mit diesem Tweet zu reagieren:

@TCS_Schweiz @SRF_Kassensturz Mein Zoë braucht im Alltag 14,1 kWh/100 km. Bei 41 kWh-Batterie sind das 290 km Reichweite. Realer Test?

Nach einigen Tagen reagierte der TCS mit folgender Antwort:
Falls die 14.1 kWh/100km ab Bordcomputer stammen, kommen beim Akkuladen noch weitere Verluste (bis zu 30%) hinzu.

Darauf antwortete ich:
Ladeverluste sind für Reichweite nicht relevant, was im Akku ist kann genutzt werden.

Der TCS wiederum reagierte so:
Aus den 2 Werten „Verbrauch ab Steckdose“ & „Akkukapazität ab Steckdose“ kann die Reichweite ermittelt werden.

Ich war irgendwie entsetzt und schrieb zurück:
Für die Reichweite ist alleine die im Akku gespeicherte Energie entscheidend. Wie weit komme ich, wenn der Akku voll geladen war.

Dazu meinte der TCS:
Die 1️⃣ Verbrauch = Energie, die ich nach der Fahrt wieder in den Akku investieren muss, bis dieser wieder voll ist. Reichweite errechnet sich 1️⃣ aus dem Verbrauch (kWh/100km) und 2️⃣ der Kapazität (kWh) des Akku ⏩
2️⃣ Akkukapazität = Energie f. Akku-Neuladung. Abgeleitet➭ECE R 101: Norm z. Verbrauchsbestimmung von E-Fahrzeugen


Meine Antwort:
Richtig! MIch interessiert Energie für Neuladung nicht. Wichtig im Alltag ist reine Reichweite (Kapazität Akku/Verbrauch kWh pro 100km)

Darauf habe ich nichts mehr gehört. Wenn ich das alles richtig verstehe begründet der grösste Automobilclub der Schweiz die durch seinen Test ermittelte tiefe Reichweite der Zoë mit den Ladeverlusten. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Aber es zeigt, dass an vielen Orten noch Petrolheads sitzen. Nun denn: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und ich bin froh, schon seit mehreren Jahren nicht mehr Mitglied in diesem Automobilclub zu sein.
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Re: E-Auto-Kompetenz des Touring Club Schweiz ist fragwürdig

Beitragvon Fraenkl » Do 9. Nov 2017, 14:33

Hi,

Ich versteh die ganzen Gleichungen nicht. Kannst du die Argumente und Rechenweise des Automobilclubs mal für mich erläutern? Warum verringern Verluste beim Laden die Reichweite?

Davon abgesehen stimme ich dir zu. Die Reichweite ergibt sich aus der Energie im Akku.

Die ganzen Ladeverluste wirken sich nur auf die Betriebskosten auf.
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Re: E-Auto-Kompetenz des Touring Club Schweiz ist fragwürdig

Beitragvon eDEVIL » Do 9. Nov 2017, 15:23

14 kwh/10km ist aber im winter zu wenig kalkuliert.
Auch sidn bei minusgraden keien 41 kwh entnehmbar, sondern weniger.
Verwendung korrekter physikalischer Einheiten
"Online" heißt nicht, das ich gerade hier im Forum aktiv bin.

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Re: E-Auto-Kompetenz des Touring Club Schweiz ist fragwürdig

Beitragvon fotorei » Do 9. Nov 2017, 16:11

@Fraenkl
Das war genau das, was ich auch nicht verstehe und deshalb jeweils mit meiner Berechnung geantwortet habe. Irgdendwie scheinen die nach Argumenten zu suchen, dass sie der Zoë eine miese realistische Reichweite unterstellen können.

@eDevil
Momentan zeigt der Gesamtverbrauch im Bordcumputer 14,2 kWh/100km. Mir ist klar, dass dies noch mehr werden wird. Aktuell hat unsere Zoë bei Aussentemperaturen um die 5 Grad eine Reichweite von ca. 270km (keine Autobahn, nur Landstrasse).
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Re: E-Auto-Kompetenz des Touring Club Schweiz ist fragwürdig

Beitragvon mweisEl » Do 9. Nov 2017, 16:15

Die Schweizer haben die E-Fahrzeuge anscheinend entladen bis zur ersten "Leistungsreduktionswarnung" (also 10-20 km Rest) und dann voll aufgeladen, mit 10A und den Verbrauch A dabei gemessen (z.B. 52 kWh bei Renault). Dann sind sie 124 km gefahren und haben nochmal voll aufgeladen und aus diesem Verbrauch B die Gesamtreichweite berechnet: A / B * 124 km

Die 10-20 km Restfahrtstrecke haben sie schonmal unter den Tisch fallen lassen.

In erster Näherung kürzen sich die Ladeverluste aus der Reichweitenberechnung zwar heraus, aber ganz stimmt es auch nicht, da das Ladegerät/BMS in Richtung 100% immer etwas ineffizienter wird und dies durch die kurze Strecke (geringe Entladung) stärker gewichtet wird.

fotorei hat geschrieben:
Irgdendwie scheinen die nach Argumenten zu suchen, dass sie der Zoë eine miese realistische Reichweite unterstellen können.

Nein das betrifft doch alle gestesten E-Autos, weil die durch die Falschberechnungen allesamt nur auf ca. 58% der angegebenen NEFZ-Reichweite kommen
Zuletzt geändert von mweisEl am Do 9. Nov 2017, 16:23, insgesamt 1-mal geändert.
Smart ED3 seit '13, 3 Fahrräder, zuvor CityEL (1,8 kWh Akku) und seit 25 Jahren verbrennerfrei.
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Re: E-Auto-Kompetenz des Touring Club Schweiz ist fragwürdig

Beitragvon Odanez » Do 9. Nov 2017, 16:19

Frag doch mal zurück ob man, wenn man ein Verbrenner an der Tanke voll tankt, und dabei 1 Liter verschüttet, das Auto dann auch eine reduzierte Reichweite hat. Denn genau so scheint der zu argumentieren...
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