Der nächste Schlag gegen die fossilen Hersteller

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Re: Der nächste Schlag gegen die fossilen Hersteller

Beitragvon atosch » Mo 31. Okt 2016, 21:11

Hallo zusammen,

in diesem Forum gewinne ich den Eindruck, dass hier viel VW den baldigen Untergang wünschen.
Denn:
  • VW muss für den eingeräumten Betrug bezahlen
  • das VW Produktmanagement bevorzugt Modelle mit höheren Gewinn (Verbrenner, PHEV mit kleinem Akku, Stadt-EV)
  • VW ist kein Vorreiter der e-mobilität sondern behandelt alle Antriebskonzepte nach rein wirtschaftlichen gesichtspunkten
  • VW steht stellvertretend für die "alte" KFZ-Industrie die an langen Produktzyklen festhält und nicht "hip" wie Tesla ist
Aus diesem Grund muss das Verhalten/Strategie von VW falsch und eine Sackgasse sein.

Zurück zum Thema: Ich versuche eine unvoreingenommene Analyse.
Ich glaube es ist hier Konsens, dass es zur Marktdurchdringung der BEV folgende Hürden bestehen:
  • Ladenetz
  • Reichweite
  • Preis

Ladenetz können wir im Rahmen der Diskussion zu gesetzlichen Zulassungsregelungen ausklammern.
Reichweite und Preis sind verknüpft und selbst Tesla (als Unverdächtiger im Sinne von ideologischen BEV Bremser) auch noch mindestens 1 Jahr braucht beides einigermaßen unter einen Hut zu bringen.

Die These die von JuergenII, Jack76, Spüli, umberto und anderen vertreten wird:
"Nur eine dedizierte e-Plattform ermöglicht die niedrigsten Kosten für ein BEV."
Prinzipiell ist das sicherlich richtig. Sogar VW wird das so sehen denn nur so ist zu erklären, dass VW neben dem MQG einen MEB entwickelt.
Die Frage ist:
Ist bereits heute bzw. in den nächsten Jahren eine dedizierte e-Plattform entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg(=geringste Kosten) bei gleichzeitig höchsten Preis(=Kundennutzen)?

Wenn wir die Kosten eines BEV oder PHEV betrachten gibt es aus meiner Sicht folgende Bestandteile:
  • Teilekosten
  • Umlage von Werkzeugkosten auf Stückzahl
  • Umlage von Entwicklungskosten auf Stückzahl

Was in dieser Diskussion häufig verkannt wird: Die einzelnen Posten betreffen jede Ebene der Wertschöpfung mit einem ganzen Geflecht aus verschiedenen Lieferanten.

Für das Gesamtkostenoptimum der einzelnen Positionen für den Fahrzeughersteller läuft aktuell eine Wette zwischen VW, BWM, GM und Tesla. Ausgang ungewiss.

PowerTower, solarstromer und auch ich betonen die Flexibilität bzgl. Fertigungsskalierung und die Vorteile in den Werkzeug-/Entwicklungskosten die VW durch die Integration der E-Komponenten in den MQB gewinnt. Dies drückt die Kosten für BEV und PHEV bei einem Massenhersteller wie VW enorm, denn nur die e-spezifischen Komponenten sind neu/unterschiedlich. Zusätzlich bleiben die Kosten für die Fertigung und Gleichteile kalkulierbar, da nahezu unabhängig von BEV/PHEV Stückzahlen. Bei kleineren Herstellern ist dieser Vorteil natürlich geringer.

Wie JuergenII, Jack76, Spüli, umberto und andere vermuten erhöht dies möglicherweise den Aufwand und Kosten auf der Seite der Lieferanten (Batterie und Elektronik). Wenn ich berücksichtige wie die Fahrzeughersteller ihre Lieferanten knebeln wird dieser Nachteil nicht vollständig bei den OEMs ankommen.

Die Frage ist: Wie weit ist VW (und andere) in der Gesamtsystemoptimierung (Technik+Kosten) mit seinen Lieferanten? Hinsichtlich des Zuliefermanagement ist der VW Elektronikzukauf hoffentlich besser als der Einkauf im Falle der Prevent Gruppe. Insofern sind da sicher zweifel angebracht.

Zusammenfassend glaube ich, dass VW aufgrund seiner flexiblen Fertigungsaufstellung am wenigsten Probleme hat die chinesischen Vorgaben zu erfüllen. Ob das zulasten der Marge der Fahrzeugmodelle in China geht kann ich nicht einschätzen. Aber ein Abgesang auf VW aufgrund der gesetzlichen Vorgaben ist aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt.
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Re: Der nächste Schlag gegen die fossilen Hersteller

Beitragvon umberto » Mo 31. Okt 2016, 23:01

Gute Analyse.

Aber das VW Modelle mit höherem Gewinn bevorzugt und rein wirtschaftliche Gesichtspunkte in den Vordergrund stellt, sieht man an der miesen Gesamtrendite überhaupt nicht. Da haben sie im Vergleich zu den anderen noch viel zu tun.

Und wie schon gesagt: Plugin-Hybride haben alle genug im Angebot oder in Vorbereitung, um die chinesischen Auflagen kurzfristig erfüllen zu können. Mittelfristig greifen dann die neuen Plattformen.

Gruss
Umbi
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Re: Der nächste Schlag gegen die fossilen Hersteller

Beitragvon JuergenII » Di 1. Nov 2016, 03:18

Was bei VW schief läuft kann man doch wunderschön beim Bolt sehen.

VW bekommt in ihren "Bestseller" gerade mal 36 kWh Akkukapazität rein, der Bolt - dazu noch kürzer - schafft es auf 60 kWh und hat die bessern Platzverhältnisse. Noch Fragen?

VW wird zwangsweise so was in den nächsten Jahren auch anbieten, Bis dahin sieht es aber mau aus. Ihr Glück ist nur, das GM max. rund 35.000 Fahrzeuge mangels Akkulieferung im ersten Jahr produzieren kann. Zumindest hat VW erkannt, dass der Luxus fossiler Golf und e-Golf auf einem Band viel zu teuer ist. Jetzt wird er in Dresden produziert. Würde mich aber wundern, wenn der Golf mit den paar mehr kWh im E-Segment jetzt eine führende Rolle spielen wird.

Bis vor ein paar Wochen hatte VW noch nicht mal eine Kooperation mit einem chinesischem Hersteller für den Bau von E-Fahrzeugen. Jetzt hat man sich mit JAC zusammengetan, wobei da haben sich die richtigen zwei gefunden. Immerhin haben die sogar ein E-Fahrzeug mit mit sattem 19 kWh Akku. Nun innen hat er den Scharm eines ... ne, ich schreib lieber nichts. http://chinaautoweb.com/2012/09/jac-delivers-500-j3-evs-ievs/


Allerdings ist die Anordnung der Akkus etwas grenzwertig, wenn man weiß wie Crash sensibel die Chinesischen Hersteller sind:

Bild

Interessant in dem Zusammenhang Horst Lüning: Der Wirkungsgrad von E-Autos - Tesla Model S 70D und 90D, BMW i3, e-Golf, Nissan Leaf, Renault Zoe

i3 REX - der einzige BEV Ableger ohne Reichweitenangst und Ladestress
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Re: Der nächste Schlag gegen die fossilen Hersteller

Beitragvon wischi » Di 1. Nov 2016, 08:07

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Re: Der nächste Schlag gegen die fossilen Hersteller

Beitragvon Kim » Di 1. Nov 2016, 08:19

eve hat geschrieben:
Passend ist auch folgender Absatz aus einem Artikel von vor etwa einem Jahr:

...so sehr ist klar, dass die eigene Autoindustrie die mehr als 100 Jahre Entwicklungsrückstand gegen die internationale Konkurrenz nicht aufholen kann...

Darüber können die Chinesen aber ganz entspannt hinwegsehen, denn im Vergleich zu allen anderen Technologien (Unterhaltungselektronik, Kommunikation, Computer) tritt die Automobilindustrie noch immer auf dem selben Fleck wie vor einhundert Jahren.
Irgendeinen signifikanten Vorsprung kann ich beim deutschen Autobauerfilz bei bestem Willen nicht erkennen. Dieser Zug ist lange durch.

Bis der deutsche Auto-Manager sein fünf Gänge Geschäftsessen mit anschliessendem Bordellbesuch erledigt hat, hat der Chinese bereits zwei neue Fabriken hochgezogen und 1000 hochmotivierte, hochqualifizierte chinesische Ingenieure eingestellt. :lol:
Zuletzt geändert von Kim am Di 1. Nov 2016, 08:25, insgesamt 1-mal geändert.
Und neu dazu: i3 (60Ah) Rex ab 24.11.2017
Outlander PHEV seit 19.02.2015 / 56.000km bei 11gr CO2/km mit Bild
Fluence Z.E. von 03.2012 bis 03.2015
Renault = Nur eine schlechte Erfahrung mehr im Leben
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Re: Der nächste Schlag gegen die fossilen Hersteller

Beitragvon Tho » Di 1. Nov 2016, 08:20

JuergenII hat geschrieben:
Jetzt wird er in Dresden produziert.

Ist das nicht schon der nächste Managementfehler?
Die Produktion in Dresden (Innenstadt) ist Aufgrund der Logistikkosten (Material darf nur auf Straßenbahn in die Stadt rein) extrem kostspielieg. Für Nobelkarossen war das tragbar, aber wer braucht das beim eGolf? :roll:
Renault Zoe Zen Q210 + Intens R90, S-Pedelec Grace MX,Tesla Model ≡ reserviert
PV, Speicher zu Hause + Bürger Energie Drebach eG http://www.buerger-energie-drebach.de
Wir müssen uns für unseren Wunsch nach Glück nicht rechtfertigen.(Dalai Lama)
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Re: Der nächste Schlag gegen die fossilen Hersteller

Beitragvon Helfried » Di 1. Nov 2016, 08:26

wischi hat geschrieben:


Der letzte Satz ist wieder typisch (sofern er nicht bloß journalistischer Freiheit entspricht):
"Es sei aber noch nichts beschlossen."

Wenn Volkswagen im Jahr 2016 noch immer nichts beschlossen hat, wird es eng werden. Die Asiaten werden in der Batterietechnologie führend werden (ach so, ist ja schon passiert), und Europa gerät wieder mal total ins Hintertreffen.

Für Volkswagen sehe ich schwierige Zeiten kommen. Der Aktienchart sieht "interessant" aus. Ich bin gespannt, ob sich Phantasie (bezüglich der neuen Chancen im E-Sektor) oder Desaster durchsetzen.
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Chinas E-Mobil Quote ab 2018

Beitragvon pauli59 » Di 1. Nov 2016, 14:51

Ich bin mal gespannt wie unsere Ankündigungsweltmeister das gebacken bekommen. :oops:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/n ... 05669.html
Zoe Intens Q210 seit Juni 2015
Zoe Zen Q210 seit September 2015
ZOE ZE40 Intens bei Ludego bestellt :)
PV Anlage 7,42 kWp :!:
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Re: Chinas E-Mobil Quote ab 2018

Beitragvon Jack76 » Di 1. Nov 2016, 14:55

Na, die ham erstmal direkt den dicken Siggi hingeschickt, um da zu intervenieren... Der hat aber leider erstmal ne Abfuhr vom chin. Handelsminister kassiert.... ;-)
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Re: Der nächste Schlag gegen die fossilen Hersteller

Beitragvon Helfried » Mi 2. Nov 2016, 08:15

Dramatischer Rückgang bei den fossilen Herstellern BMW und Volkswagen,
knapp 20% Umsatzeinbußen in USA:

http://www.boerse-express.com/cat/pages ... /fullstory
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