Das sitzt! Professoren debattieren über die (E)Verkehrswende

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Das sitzt! Professoren debattieren über die (E)Verkehrswende

Beitragvon motion » Sa 4. Nov 2017, 21:16

Der Text hat es in sich, vieles ist leider richtig. Habe ich mir auch schon so gedacht. Der ganze Artikel ist auf Zeit.de zu lesen.

http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-11/e ... ik/seite-2


Es fehle jeder Anreiz für die Hersteller, sparsame Elektroautos zu konstruieren und zu vermarkten. Denn ihr CO₂-Ausstoß wird offiziell stets mit null Gramm gewertet – egal wie viel Energie sie tatsächlich verbrauchen.



Damit der Verbrauch aller Autos – egal ob sie mit Benzin, Diesel, Erdgas oder Elektrizität angetrieben werden – realistisch verglichen werden kann, sei die Einführung einer genormten Berechnung für die CO2-Gesamtemissionen eines Fahrzeugs erforderlich. Grundlage müsse dafür der jeweils aktuelle Energiemix im Stromnetz sein, "damit auch ein Impuls für den Ausbau ökologischer Energieproduktion entsteht."
...

Denn nachts, wenn Elektroautos vor allem geladen werden, gibt es keinen Solarstrom. Dafür ist der Anteil an Kohle- und Atomstrom oft deutlich höher als tagsüber.


Denn mit der derzeitigen Bewertung aller Elektroautos als emissionsfrei "lohnt es sich natürlich für die Hersteller, gerade große und schwere Verbrenner durch entsprechend große und schwere (oder noch schwerere) Elektrofahrzeuge zu ersetzen". Das sei nicht nur ein böser Verdacht, betont Helmut Holzapfel, "ich habe es mehrfach von Ingenieuren aus der Automobilindustrie gehört".


Tatsächlich ist der Anteil besonders schwerer Stadtgeländewagen, der SUVs, an allen Neuzulassungen in den vergangenen 20 Jahren von zwei auf mehr als 20 Prozent hochgeschossen. Ein ähnlicher Trend drohe jetzt bei Elektroautos. Je höher ihre Leistung und Reichweite, desto größer und schwerer sind die Batterien, die sie an Bord haben müssen. "Es besteht ein dringender Anlass, Größe und Gewicht von Personenfahrzeugen zu begrenzen oder wenigstens zu besteuern", schreiben die Verkehrsprofessoren. Denn nicht nur der Energieverbrauch steigt mit Größe und Gewicht eines Fahrzeugs überproportional an, auch die Feinstaubemissionen aus dem Abrieb von Bremsen und Reifen sowie die Abnutzung der Straßen nimmt zu, Letztere sogar in der vierten Potenz der Achslast. Ein einziger über zwei Tonnen schwerer Tesla schadet dem Straßenbelag so sehr wie 16 halb so schwere VW-Polos mit Benzinmotor.

Auch die enorme Beschleunigung, zu der Elektroautos fähig sind, sehen die Verkehrsprofessoren skeptisch. Dass ein kleiner E-up an der Ampel einen Porsche mit Turbolader abhängen kann, werde in der Öffentlichkeit fast ausnahmslos bejubelt ("toller Fahrspaß"), tatsächlich koste hohe Beschleunigung aber viel Energie und sei gerade in der Stadt auch sehr gefährlich – vor allem für Fußgänger und Radfahrer, wenn sie die blitzschnellen, aber leisen Elektroautos zu spät hören. Zudem führe die höhere Beschleunigung auch zu einem höheren Verschleiß der Fahrbahn und der Reifen mit entsprechend höheren Feinstaubemissionen.
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Beitragvon Schüddi » Sa 4. Nov 2017, 21:47

Nur auf den letzten Absatz bezogen: war irgendwas außer die Geräuschkulisse jemals anders bisher? Man kann aber auch wirklich alles überkritisch betrachten. Vieles ist richtig aber vieles nicht erwähnenswert.
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Re: Das sitzt! Professoren debattieren über die (E)Verkehrsw

Beitragvon Tho » Sa 4. Nov 2017, 21:55

So ein Quatsch. Zeigt eigentlich mal wieder, dass man zu alles und jedem Kritikpunkte findet, wenn man nur lange genug sucht.
Das Pman Professoren braucht um festzustellen, dass schnelles Beschleunigen Material kostet, überrascht aber auch. :lol:
Renault Zoe Zen Q210 + Intens R90, S-Pedelec Grace MX,Tesla Model ≡ reserviert
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Wir müssen uns für unseren Wunsch nach Glück nicht rechtfertigen.(Dalai Lama)
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Re: Das sitzt! Professoren debattieren über die (E)Verkehrsw

Beitragvon mlie » Sa 4. Nov 2017, 22:16

Wenn man dieses Zitat so liest, glaubt da ja einer, dass bald das Abendland untergeht. Lobby pur.
Man kann aber auch alles komplett hochstilisieren. Natürlich steigt das Gewicht mit zunehmender Größe des Akkus, aber das ist kein Problem. Es wird sich auf praxistaugliche 60-80kWh einpendeln, dann hat man ja ungefähr eine Basis für zukünftige Fahrzeuge. Vielleicht wird ja in 10 Jahren ein Akku entwickelt, der nur ein zehntel wiegt.
Ich habe lieber den Straßenverschleiß von 100 "schweren" Elektroautos als den Lungenverschleiß der Bevölkerung von einem einzigen Verbrennerfahrer, den Straßenbelag kann man nämlich austauschen, Atemwege und Gesundheit im Allgemeinen nicht...
Davon ab ist selbst das schwerste Auto vollkommen belanglos im Vergleich zu LKW, die immer schwerer werden und gefühlt auch immer länger.
Mal sehen, wann der Professor noch die Schwertransporte für Windräder in Straßenbelagnutzungskennziffern umrechnet, um den Windstrom auch noch als umweltschädlich darzustellen.
Den hat der gute Mann nämlich vergessen beim Nachtstrom, wenn nicht gerade überflüssiger Atomstrom die Netze verstopft, ist die Windkraft ja kalkulierbar zur Stelle. Und der Solarnutzungsanteil wäre höher, wenn Parkplatzbesitzer am Arbeitsplatz per Gesetz vorgeschrieben wird, Lademöglichkeiten anzubieten. Dann steht das Fahrzeug tagsüber am Ladekabel und das Problem ist auch schon weg. Oder eben eine Abgabe für nichtelektrifizierte Parkplätze. Typ2 2,3kW reicht ja.

Und dass die Leute lieber SUFFs kaufen, liegt nicht am Fahrzeug, sondern an der besseren Sitzposition. Wenn man seine Umgebung besser sieht, kann man dank besseren Überblick eben brenzlige Situationen eher vermeiden. Und ein/aussteigen geht auch besser.
Sicherlich würde in einer rein vernunftbasierten Welt jeder ein Verzichtsmobil a la city EL oder VW UP fahren, aber wenn man verdammt viel Geld für ein Auto ausgibt, sollte das eventuell schon zum eigenen Anspruch passen, wenn man nicht für jeden Zweck ein eigenes Fahrzeug vorhalten würde. Dann bräuchte ich beispielsweise einen Twizy oder Smart Ed zum Einkaufen im Ort, einen Tesla für Langstrecken, eine Zoe für größere Einkäufe, einen Master ZE für Baumarktbesuch und einen Outlander zum Pelletsholen. Oder halt wie jetzt einen für manche Leute "riesigen" eNV200, der - mit leichten Einschränkungen bei Langstrecke - alle Anforderungen in einem Fahrzeug brauchbar abdeckt. Die Welt besteht halt nicht nur aus Wohnsilobewohnern, die jeden Abend zwei Blatt Salat einkaufen...
Und den Polo zeigt mir mal einer, der einen Pferdeanhänger oder so ziehen kann. Aber die Wortwahl "droht" ist ja eher suggestiv, wer droht dem wem und was droht? Ich sehe da nix schlimmes.

Oder um es mal mit dem Professor zu sagen: Der Straßenbelag ist auch bei Vollbremsungen stark belastet. Lasst uns die Tiere im Wald abschaffen, die einem gelegentlich die Vorfahrt nehmen. Und Radfahrer, die einen bei rot vors Auto fahren. Oder alle Ampeln dauerhaft auf Grün schalten, dann muss keiner mehr Beschleunigen!

Na ja, ist eben so ein typischer Füllbericht. Fazit: Knicken, lochen, abheften und vergessen - und Elektroauto kaufen (egal welcher Größe).
110Mm elektrisch ab 11/2012.

Bevor man den 200. Tröt zu einem längst ausdiskutierten Sachverhalt aufmacht, IMMER erstmal die Suche benutzen. Es gibt in diesem Forum KEIN Elektroautothema, welches nicht schon längst abschliessend diskutiert wurde!
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Re: Das sitzt! Professoren debattieren über die (E)Verkehrsw

Beitragvon Helfried » Sa 4. Nov 2017, 22:18

tatsächlich koste hohe Beschleunigung aber viel Energie


Das ist aber ein Irrglaube und stimmt nicht. Es gibt schon einige Threads, die das widerlegen.
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Re: Das sitzt! Professoren debattieren über die (E)Verkehrsw

Beitragvon Isomeer » Sa 4. Nov 2017, 22:33

Zitat: "Eine – technisch problemlose – Begrenzung des Beschleunigungsvermögens von Elektrofahrzeugen ist deshalb dringend erforderlich", heißt es in der Stellungnahme"

Dringend erforderlich; aha!

Real könnte man ja mal mit einer BAB-Geschwindigkeitsbeschränkung anfangen....

Langfristig scheint es -analytisch betrachtet- auch dringend erforderlich, die Menschheit abzuschaffen. Wäre nur wissenschaftlich-konsequent ;)
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Re: Das sitzt! Professoren debattieren über die (E)Verkehrsw

Beitragvon Michael_Ohl » Sa 4. Nov 2017, 23:52

Wie sagte schon Albert Einstein so schön - es gibt zwei Dinge die Unendliche sind die Menschliche Dummheit und das Universum - bei letzterem sind noch Zweifel möglich.
War ja auch eine seiner Lieblingsbeschäftigungen den geistigen Dünnpfiff von Professoren zu zerlegen....


mfG
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Re: Das sitzt! Professoren debattieren über die (E)Verkehrsw

Beitragvon m.baumgaertner » Sa 4. Nov 2017, 23:59

Ich sehe da Licht und Schatten :

+
Die unterschiedliche Effizienz von E-Autos sollte schon irgendwie zum Ausdruck kommen. Das ist derzeit nicht gut gelungen..

-
Die Geschichte mit dem Strom-Mix ist nur ein akademischer Ansatz. Ich lade zu 95% zu Hause, und habe dort nur Ökostrom. Ich vermute, das geht bei anderen auch in die Richtung. Und dann ist mein realer "Verbrauch" co2 frei..
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Re: Das sitzt! Professoren debattieren über die (E)Verkehrsw

Beitragvon Bernd_1967 » So 5. Nov 2017, 09:23

Wenn es von PV kommt , ist das gut.
Manche e-Auto-Fahrer meinen, wenn sie echten Ökostrom (vom Netz) ziehen, dass sie dann ökologisch handeln.
Aber ist es nicht so, dass dann andere, denen es eh egal ist, den nicht ökologisch erzeugten Strom verbrauchen?
In der Summe ist dann nichts gewonnen.

Den Kommentar mit der Autobahnhöchstgeschwindigkeit finde ich gut.
Doch erst mal die großen Verfehlungen beseitigen:Höchstgeschwindigkeit auf max. 150km/h festlegen, damit die Autos für einen bestimmten Geschwindigkeitsbereich optimiert werden können.
Für E-Autos darf es solche Kompromisse schon gar nicht geben: Geschwindigkeit jenseits von 150 und dafür im unteren Bereich schlechter werden - Gehts noch?

Ich denke, es sollte ein Miteinander geben: Jeden Antrieb dort einsetzen, wo er am besten hinpasst.
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Re: Das sitzt! Professoren debattieren über die (E)Verkehrsw

Beitragvon Isomeer » So 5. Nov 2017, 10:05

m.baumgaertner hat geschrieben:
+
Die unterschiedliche Effizienz von E-Autos sollte schon irgendwie zum Ausdruck kommen. Das ist derzeit nicht gut gelungen...


Klare Zustimmung; aber leider steht in Deutschland die Autolobby und damit die Politik auf der Seite der steuerbegünstigten Schein-Hybriden mit 2,5t Gewicht und 5m Länge :roll:
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