Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fabrik

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Re: Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fab

Beitragvon Spürmeise » So 16. Nov 2014, 09:04

Es war doch schon lange bekannt, dass eine evtl. Elektrovariante des aktuellen Smart fortwo (453) nicht mit Li-Tec-Zellen bestückt werden soll, und der Vorgänger (451) nur noch bis Ende 2015 parallel als Elektroversion (und Cabrio) hergestellt werden soll.

Der Vergleich mit den fremdproduzierten(!) Zellen für Tesla zeigt eher, dass selbst für eine um 1 Größenordnung höhere Fahrzeugbatterieproduktion keine eigene Zellenfertigung nötig ist - erst bei 2 Größenordnungen wie derzeit von Tesla mit der Gigafactory geplant könnte es sich lohnen.
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Re: Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fab

Beitragvon PowerTower » So 16. Nov 2014, 10:50

Ich find es schade um das Werk in Kamenz und vor allem für die Mitarbeiter tut es mir Leid, denn so schrecklich viel Industrie gibt es in der Gegend sonst nicht. Wird das eine geplante Schließung oder endet das im Insolvenzverfahren? Dann gäbe es ja möglicherweise noch eine Übernahme, aber wer soll die Fabrik dann noch in schwarze Zahlen bringen?

Wenn hier über geringe Stückzahlen gejammert wird, dann muss sich Daimler an die eigene Nase fassen und fragen, warum man diese Zellen nicht auch anderen Fahrzeugherstellern zur Verfügung gestellt hat. Es gab genug externe Anfragen, die aber alle abgelehnt wurden. :?
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Re: Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fab

Beitragvon bm3 » So 16. Nov 2014, 11:28

Eben das ist das Problem bei Daimler, mit dem Verkauf der Tesla-Aktien hat man ordentlich Kasse gemacht, das hätte lange ausgereicht um daraus bei Li-Tec erhebliche Vorlaufleistungen zu erbringen und zu decken.
So sind sie eben , unsere "Manager", im Kopf nur den nächsten Quartalsbericht und ihre Prämie. In der Disziplin, die Weichen für die Zukunft ihres Konzernes mal nachhaltig und über mehr als 2 Jahre hinaus zu stellen sind die absolute Luschen. Dazu braucht es Rückrad,dafür sind auch im System keinerlei Prämien an sie vorgesehen. Und darum geht es ihnen doch ? :mrgreen:
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Re: Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fab

Beitragvon meta96 » So 16. Nov 2014, 12:40

Es kann auch sein, dass eine Differenzierung über die Akkus mittelfristig nicht gegeben ist. D.h. wenn wir über die 300km Grenze sind, werden wieder andere Dinge eines (e-)Autos in den Vordergrund rücken. Da die deutsche Industrie, dass nicht rechtzeitig geschafft macht es auch keinen Sinne, diese Werke aufrecht zu erhalten ... Vielleicht verkommt die Akku-Technik zu einem ähnlichen Zulieferprodukt, wie ein Tank, Scheibenwischermodul etc.

Ob das langfristig gescheit ist, ist trotzdem fraglich, vor allem auch, weil derzeit zusätzlich auch kein Testmarkt für Elektromobilität vor der Haustüre vorhanden ist.
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Re: Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fab

Beitragvon molab » So 16. Nov 2014, 13:34

...muss doch niemanden wundern. Schon hier im Forum der Interessierten waren die Vorteile wie höhere Zyklenfestigkeit und geringes Brandrisiko bei Verformung nicht wichtig (die Untersuchungsergebnisse gab's hier mal als ppt). Wie soll man mit solchen nicht sichtbaren Dingen dann allgemein am Markt einen höheren Preis rechtfertigen?
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Re: Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fab

Beitragvon bm3 » So 16. Nov 2014, 13:43

Die Frage ist doch was ist an den Li-Tec Akkuzellen so anders und aufwändiger dass ihre Produktion diesen Preis rechtfertigt ? Oder wurde die Produktion im Anlauf bisher nur teuer umgesetzt ? Ist das nicht nur weil zu wenige bisher hergestellt wurden oder weil Probleme auftauchten die noch in Zukunft behoben werden könnten ? Wie machen das denn Andere, beispielsweise Nissan ? Wie errechnen andere Buchhalter ihre Preise und sind da nicht für den Zukunftsmarkt erstmal Vorleistungen erforderlich die unter F&E abgeschrieben werden müssen und nicht alle heute schon auf die Kunden umgelegt werden sollten ?
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Re: Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fab

Beitragvon molab » So 16. Nov 2014, 17:22

...in erster Linie eine Frage der Stückzahlen. Aber der Stückpreis wäre wohl auch langfristig teurer gewesen, als bei Koreazellen. Ist in D halt so - entweder bringst Du einen Mehrwert teurer unter's Volk und triffst Preis/Leistung einfach weiter oben - oder Du lässt es eben. Für die Zellen gibt's halt keinen größeren Markt. Aus solchen Gründen werden auch Permanentmagnetmotoren verschwinden - teuer und die breite Masse versteht die Vorteile eh nicht. Fürchte daher, dass der kommende Smart ED keinen mehr haben wird. Dann darf man wieder Kohlen wechseln ;) Bin mal gespannt, ob wenigstens die Batterietemperierung erhalten bleibt (die es auch ohne Sitzheizung tut ;) ).

Der Standort Kamenz selbst wird übrigens ausgebaut, Batteriefertigung bleibt und wird größer. Nur die Zellenfertigung stirbt. Siehe http://www.mdr.de/sachsen/litec-kamenz102_zc-f1f179a7_zs-9f2fcd56.html.
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Re: Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fab

Beitragvon Greenhorn » So 16. Nov 2014, 18:52

Kann mich als unwissender mal jemand aufklären:
Litec wird dicht gemacht, weil die Akkus toll sind, aber die Produktion sich nicht rechnet.
Die andere Hälfte der Fabrik gehört auch Daimler und heißt Accumotive und liefert die Akkus für den neuen Smart.
Für mich gibt es da eine gewisse Lücke in der Logik.
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Re: Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fab

Beitragvon PowerTower » So 16. Nov 2014, 19:38

Die Deutsche Accumotive setzt aus einzelnen Zellen ein einbaufertiges Batteriepaket zusammen. Dabei spielt es keine Rolle, wer die Zellen herstellt. Ob man da als Lieferanten Li-Tec wählt oder Panasonic / LG / Toshiba / Yuasa ist unerheblich. Deswegen kann die Deutsche Accumotive weiter unabhängig von Li-Tec ihrer Arbeit nachgehen.
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Re: Daimler schließt Deutschlands einzige Batteriezellen-Fab

Beitragvon Manfred Heck » So 16. Nov 2014, 22:51

Ich kann die betriebswirtschaftliche Seite Daimlers mangels Hintergrundwissens nicht beurteilen. Aber: Hätte es ein derart kurzzeitiges Profitdenken bei Toyota gegeben, wären wohl Prius und seine Hybrid-Derivate kaum auf den Markt gekommen.

Auch wenn viele Einbauteile in den Autos in global verstreuten Fabriken hergestellt werden und komplette Mercedes-Autos mittlerweile nicht unbedingt mehr aus Stuttgart (bzw. Deutschland) kommen: was für ein Signal!

Dazu sehe ich im Kontext den Ausstieg Daimlers bei Tesla, statt dessen der Kauf einer Motorradfirma, die üppige Spende der Quandt-Familie (BMW) vor den letzten Wahlen an die Konservativen Parteien, die Weigerung Frau Merkels, nach New York zum Klimagipfel zu fahren, die Einlassungen Gabriels zum Nichtausstieg bei den Kohlekraftwerken, den größten CO 2-Verschmutzern überhaupt.

Hier werden politisch und wirtschaftlich die Weichen völlig falsch gestellt. Somit scheinen Smart ED, Mercedes B-ED, VW E-Up und E-Golf, Ford Focus-Elektro, vielleicht sogar der tolle Marketing-Gag BMW i3 reine Feigenblätter zu sein nach dem Motto, wir, die Deutschen Autoerfinder tun was. Aber wollen scheint man es nicht.

Das hält mich nicht davon ab, auch künftig auf E-Autos zu setzen.
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