ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilität

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Re: ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilitä

Beitragvon mustanse » Mi 2. Nov 2016, 08:52

Ob E-Autos im Endergebnis weniger komplex und anfällig sein werden, bleibt abzuwarten. Bisher wurde die meiste Leistungselektronik auf Garantie komplett getauscht, das wird sich in absehbarer Zeit ändern. Vielleicht erleben wir die Renaissance der "Radio- und Fernsehtechniker", die diesmal Leistungselektronik aus Autos für bezahlbar Geld reparieren.
Alternativ könnten wie ja den "Dieselpfennig" einführen, mit dem die Branche wie der Steinkohlebergbau noch jahrzehnte am Leben erhalten werden kann - beim Cent wird es aber natürlich nicht bleiben.
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Re: ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilitä

Beitragvon Volker.Berlin » Mi 2. Nov 2016, 09:00

umberto hat geschrieben:
Was ist Dein Argument für mehr Arbeitsplätze?

Unterm Strich sicherlich nicht mehr, aber so zu tun, als würden nur Arbeitsplätze wegfallen, ist eben auch nur die halbe Wahrheit, denn mit dem neuen Produkt entstehen auch neue Arbeitsplätze, besonders in den Bereichen Software und Dienstleistungen. Es gibt also hier wie in allen Branchen einen Trend zu höher qualifizierten Arbeitsplätzen.

Das ändert nur wenig an dem Problem, dass die Hersteller nicht wissen, womit sie die Werksarbeiter am Band, die bislang Motoren zusammengesteckt haben, künftig beschäftigen sollen. Das ist zweifellos ein gewaltiges Problem und sollte ernsthaft und seriös diskutiert werden.

Ferner die Zulieferer: Viele haben sich schon viel früher als die Hersteller und auf Elektromobilität vorbereitet und darunter gelitten, dass die Hersteller ihre fertigen Produkte für diesen speziellen Anwendungsfall viel zu lange nicht eines Blickes gewürdigt haben. Jetzt die große statistische Keule zu schwingen und einfach mal zu unterstellen, die Zulieferer für den thermischen Antriebsstrang könnten nichts anderes, und würden nicht mehr gebraucht, und deshalb fallen die Arbeitsplätze auch alle weg, wird diesen teilweise sehr agilen und innovativen Firmen einfach nicht gerecht.

In aller Kürze wollte ich mit meinem leicht zugespitzten Kommentar zu einer differenzierten Betrachtungsweise auffordern.
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Re: ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilitä

Beitragvon Helfried » Mi 2. Nov 2016, 09:03

mustanse hat geschrieben:
Bisher wurde die meiste Leistungselektronik auf Garantie komplett getauscht, das wird sich in absehbarer Zeit ändern.


Da sehe ich auch Gefahren für uns Konsumenten. Während eine typische Reparatur bei Verbrennern beispielsweise 320 Euro kostet, werden es bei E-Autos schnell mal zehnfache Beträge und noch weit höhere.

Reparieren im engeren Sinn geht ja meist nicht, es werden ganze Module ausgetauscht, die man sich gut zahlen lässt. So hängt beim E-Auto ständig das Damoklesschwert des wirtschaftlichen Totalschadens schon bei geringen Schadensursachen über dem Fahrer.
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Re: ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilitä

Beitragvon AbRiNgOi » Mi 2. Nov 2016, 09:28

Bis jetzt war es halt so, dass wenn sehr teure Bauteile in einem Fahrzeug defekt wurden, man sich diesen vom Schrottplatz holen konnte. Da die E-Fahrzeuge aber zu wenige sind, hat sich dieser Ersatzteilmarkt für E-Farzeugkomponenten noch nicht durchgesetzt.
Zukünftig wird man nicht Experte fürs Einstellen des Zahnriemens am Tauschmotor sein, sondern beim Anlernen der Komponenten untereinander..
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Re: ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilitä

Beitragvon Elektrolurch » Mi 2. Nov 2016, 14:15

Volker.Berlin hat geschrieben:
Das ändert nur wenig an dem Problem, dass die Hersteller nicht wissen, womit sie die Werksarbeiter am Band, die bislang Motoren zusammengesteckt haben, künftig beschäftigen sollen. Das ist zweifellos ein gewaltiges Problem und sollte ernsthaft und seriös diskutiert werden.

Das führt direkt zu der Frage, ob es sowas wie ein gesamtgesellschafliches Ziel gibt, eine Vision, wo es denn insgesamt so hingehen soll mit uns. Ich meine jetzt nicht zum Mars. Irgendwas jenseits von immer schneller immer mehr.

Die Herstellung von Gütern wird sich immer mehr und besser automatisieren lassen, die Landwirtschaft wahrscheinlich auch - und die Frage, was wir dann den ganzen Tag lang so tun, ist ja nun nicht wirklich neu.

Arbeitslosigkeit ist nur dann ein Schreckgespenst, wenn Einkommen an Erwerbstätigkeit gekoppelt ist. Andere Modelle sind denkbar und werden zum Teil schon ausprobiert (Stichwort Grundeinkommen).

Ob man mit seiner Freizeit dann sinnvollere Sachen anfängt als Komaglotzen oder -saufen, wäre spannend zu beobachten. Ich persönlich möchte glauben, dass z. B. Sport und Kultur eine ungeahnte Blüte erleben würden.
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Re: ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilitä

Beitragvon AbRiNgOi » Mi 2. Nov 2016, 14:49

Es ist seit langem zu beobachten, dass gerade im Bereich Landwirtschaft und Industrie immer weniger Leute arbeiten, es ist aber auch so dass es immer mehr Bedarf in der Freizeitindustrie und im Gesundheitswesen sowie im Pflegesektor gibt. Das mit VW ist nur ein kleiner Teil dieses Trends, auch die Elekrtromobilität wird an dem Großem und Ganzen wenige Ändern. Arbeitsplätze gibt es genug, halt wo anders. Die Techniker werden immer mehr spezialisiert, andere Berufe werden aufgewertet. Wenn einzelne Firmen einen Trend verschlafen werden diese kleiner oder sterben, das war schon immer so und wird in Zukunft genauso bleiben.
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Re: ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilitä

Beitragvon JuergenII » Mi 2. Nov 2016, 16:25

Da braucht man kein Prophet zu sein um einen Jobkahlschlag in der dt. Automobilproduktion und vor allem bei den Zuliefern zu prognostizieren. Im zweiten Schritt folgt dann der Autohandel im dritten Schritt die ganze Tankstelleninfrastruktur.

Und soviel neue Arbeitsplätze - vor allem gut bezahlte - wird es nicht geben. Alles was mit Elektronikbauteilen zu tun hat, wurde doch schon längst nach Asien outgesourct. Die Zellproduktion - sofern sie denn in Europa kommt - wird sicher nicht in Deutschland angesiedelt, da gibt es billiger produzierende Länder und auch Produktionskapazitäten unserer Hersteller. Wie viele Leute braucht man um BMS und sonstige Software zu programmieren? Das Heer gut ausgebildeter Chinesischer IT-Kräfte werden uns hochkomplexe Software anbieten. Dank eines boomenden Neuwagenmarkts werden alle wichtigen Player dort produzieren, und dank hoher Stückzahlen uns die benötigten Teile zu Spottpreisen liefern.

Wir glauben doch nicht im Ernst, dass wir die Automobilindustrie hier behalten werden? Das Prinzip Borgward wird auch bei deutschen Herstellern kommen. Die Teile werden in China vor produziert und hier nur noch zusammengebaut.

Dass wird zwar alles noch dauern, aber nennenswerte Jobs bleiben dann nur noch in den Vertriebsbereichen der Hersteller, ein paar weniger Werkstätten, die sich hauptsächlich auf Unfallwagen spezialisieren - Tendenz dank autonomen Fahren fallend, und an Service-Stationen beim nachladen der Fahrzeuge.

Wenn man dann noch die künstliche Intelligenz dazunimmt, brauchen wir sehr bald ein neues tatkräftiges Gesellschaftsmodell.

So jetzt schließe ich aber meine Glaskugel und mache weiter mit meiner Arbeit. Schließlich braucht es die, um schon heute an der Zukunft von morgen zu arbeiten. :mrgreen:
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Re: ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilitä

Beitragvon flieger_flo » Mi 2. Nov 2016, 17:57

JuergenII hat geschrieben:
Und soviel neue Arbeitsplätze - vor allem gut bezahlte - wird es nicht geben. Alles was mit Elektronikbauteilen zu tun hat, wurde doch schon längst nach Asien outgesourct. Die Zellproduktion - sofern sie denn in Europa kommt - wird sicher nicht in Deutschland angesiedelt, da gibt es billiger produzierende Länder und auch Produktionskapazitäten unserer Hersteller. Wie viele Leute braucht man um BMS und sonstige Software zu programmieren? Das Heer gut ausgebildeter Chinesischer IT-Kräfte werden uns hochkomplexe Software anbieten. Dank eines boomenden Neuwagenmarkts werden alle wichtigen Player dort produzieren, und dank hoher Stückzahlen uns die benötigten Teile zu Spottpreisen liefern.


So schwarz kann ich das nicht sehen. Der Präsident der TU hat in einem Interview letztens (den Print habe ich leider vergessen, war nur nebenher im Hotel) das "german Engineering" wieder inbrünstig in den Himmel gelobt. Ich bin da schon seiner Meinung, gerade komplexe SW-Systeme will ich nicht von Chinesen kaufen, auch wenn sie "Heerscharen" sind. Die Quantität macht ja in dem Fall nicht viel aus - ich habe mit Chinesen gearbeitet und bin der Meinung, dass uns deutsche Ingenieure doch die Herangehensweise an Probleme deutlich von der asiatischen Mentalität unterscheidet.

Gerade die Japaner mit ihren wirklich sehr ausgereiften Produkten sind keine großen Erfinder - noch nie gewesen - sie nehmen ein Konzept, das funktioniert und verbessern es nahe in die Perfektion. Das ist nichts neues, das gab es ja schon bei der Schrift :D
Ich glaube, da sind wir nicht so abgeschlagen am Markt.

Batterieproduktion ist außerdem unglaublich gut automatisierbar. Wenn ich einen Produktionsschritt gut automatisieren kann, dann interessieren mich die Lohnkosten kaum noch. Was hier wichtiger ist, ist Forschung und Innovation und da ist Deutschland - auch entgegen aller Unkenrufe, das gehört ja auch zu unserer Menthalität :roll: - stark. Ich denke nicht, dass wir da keine Chance am Weltmarkt haben werden, ich glaube an das Gegenteil (jaja: Glauben heißt nicht Wissen).
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Re: ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilitä

Beitragvon cpeter » Mi 2. Nov 2016, 18:16

Helfried hat geschrieben:
So hängt beim E-Auto ständig das Damoklesschwert des wirtschaftlichen Totalschadens schon bei geringen Schadensursachen über dem Fahrer.

Sehe ich anders:
1) Auch bei Mercedes, BMW, Audi, etc. gibt's in jedem Auto eine Menge Elektonik, ohne die das Auto nicht fahren könnte
(siehe Pannenstatistik des ADAC bzw. ÖAMTC und ARBÖ)
2) Elektronik tendiert dazu wenn, dann in den ersten Monaten defekt zu werden, also während der Garantie
3) Die EV Zuverlässigkeit (z.B. Leaf) ist - soweit ich das beurteilen kann - besser als bei ICEs
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Re: ARD: VW streicht 1/6 aller Stellen wegen Elektromobilitä

Beitragvon Karlsson » Mi 2. Nov 2016, 18:56

Elektrolurch hat geschrieben:
Das führt direkt zu der Frage, ob es sowas wie ein gesamtgesellschafliches Ziel gibt, eine Vision, wo es denn insgesamt so hingehen soll mit uns.

Klare Antwort: nö. Bzw Visionen haben viele, die sind aber genauso unterschiedlich wie irrelevant.
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