ADAC Motorwelt 11/2015 - Grundsätzliches zur E-Mobilität

Alle Themen über Elektroautos, zu denen es kein eigenes Forum gibt

ADAC Motorwelt 11/2015 - Grundsätzliches zur E-Mobilität

Beitragvon Hachtl » Di 10. Nov 2015, 22:51

Ich nehms vorneweg: Ich bin kein Mitglied im ADAC - ich bekomme die Motorwelt immer von meiner Mutter.

In Ausgabe 11/2015 prangte das Titelthema Das Diesel-Dilemma. Nun dachte ich mir - das hört sich ja ganz interessant an, mal sehen, was die das so schreiben: "Antworten auf die 30 drängensten Fragen" - na mal schaun, mir würde da schon eine Frage einfallen.

Tatsache:
14 Und was ist mit E-Autos oder der Brennstoffzelle?


HURRA! Jetzt werden sie endlich mal einen Anstoß bringen ...

...

aber

...

naja

:shock: :shock: :shock: :shock:

Die Brennstoffzelle ist leider noch Zukunftsmusik, auch wenn die ersten Modelle jetzt auf den den Markt kommen (Siehe S.30). Reine Elektrofahrzeuge sind zumindest aktuell wegen ihrer geringen Reichweite noch keine vollwertige Alternative.


Und dann kommt ein Lobgesang auf Plug-In Hybride


GEHTS NOCH??? DAS IST ALLES ??? :evil: :evil: :evil:

Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, also hab ich gleich einen Leserbrief abgeschickt:

Guten Tag,

Ich finde es bestürzend mit wie wenig Objektivität sie bei ihrer Berichterstattung vorgehen. Das Elektroauto IST jetzt schon eine vollwertige Alternative. 95% aller Fahrten eines durchnittlichen deutschen Autofahrers können ohne die Nutzung von fremder Infrastruktur durchgeführt werden.

Somit ist das Elektroauto allemal ein vollwertiger Ersatz zumindest für den Zweitwagen. Im Oberklassesegment ist der Tesla gegenüber den Verbrennerboliden alternativlos.

Wieso erkennen Sie die Zeichen der Zeit nicht? Hat die Verbrenner-Lobby so einen großen Einfluß auf den ADAC, daß hier immer noch in das alte Horn geblasen werden muß? Anscheinend. Wir sind im Jahr 2015 angekommen - eine bessere Recherche ist wünschenswert.

Viele Grüße
--
Thomas Wolf



Tatsächlich kam auch gleich tags drauf eine Antwort, die aber zeigt, daß man nichts verstanden hat.

Sehr geehrter Herr Wolf,

Danke für Ihre Mail, in der Sie sich beschwerten, wir hätten nicht ausreichend recherchiert, weil wir sonst geschrieben hätten, dass E-Autos inzwischen eine vollständige Alternative zu Verbrennern wären.

Da Sie anscheinend nicht regelmäßiger Leser der Motorwelt sind, kann ich Ihnen nur von unseren ständigen Tests von Elektrofahrzeugen erzählen, von unserer Fahrt mit dem E-Golf von München nach Leipzig, um das Schnellladesystem zu testen, von unseren Zwischenberichten zu unseren Elektrodauertestern (zeitweise sind bis zu vier Dauertester in unserer Redaktion) oder sogar von unserer Titelstory „E-Autos: Reif für die Zukunft?“ in der Motorwelt 4/15.

Glauben Sie uns: Wir haben schon von E-Autos berichtet (z.B. vom Feldversuch auf Rügen), als andere Magazine das noch als ferne Zukunftsmusik abtaten. Und deshalb erlauben wir uns zu sagen, dass E-Autos noch keine vollwertige Alternative zu Benzinen und Dieseln sind. Sie taugen derzeit – aber das schreiben Sie ja auch – vor allem als Zweitwagen.


Mit freundlichen Grüßen

Thomas Kroher

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Re: ADAC Motorwelt 11/2015

Beitragvon Herr Fröhlich » Di 10. Nov 2015, 23:02

Habe den Artikel auch gelesen und mich wie üblich über dieses Lobbyisten-Blättchen geärgert.
Ist ja interessant: "Ich fahre also einen Zweitwagen" ! Komisch nur, dass ich diesen seit Mai15 ausschließlich fahre und mir die
ganzen Verbrenner den Buckel runter rutschen können. Für die paar Langstrecken habe ich mir die Bahncard25 geholt und genieße
es entspannt und emissionsfrei durch unser schönes Ländle zu reisen.

Tester bestimmen also mal wieder was tauglich ist. Während wir Alltags - eMobilisten scheinbar keine Ahnung haben.
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Re: ADAC Motorwelt 11/2015

Beitragvon André » Di 10. Nov 2015, 23:54

Lesen. Löschen. Lächeln! :lol:
P.s.: Immerhin hat der Redakteur die Abo-Liste recherchiert. Und DU warst nicht dabei. Böseböse!
www.ews-schoenau.de
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Re: ADAC Motorwelt 11/2015

Beitragvon Karlsson » Mi 11. Nov 2015, 00:03

Ach kommt, für Gretchen Müller ist das echt noch nicht unbedingt was.
Es funktioniert grundsätzlich schon, aber teils nur zäh und mit viel Planung und günstig ist es auch nicht.
Avantgardisten sehen das natürlich anders, aber die 08/15 Spießer Kundschaft ist da nur begrenzt bereit für.
Trotzdem hätte man natürlich darauf hinweisen können, dass locker 25% des Fahrzeugbestandes ohne nennenswerte Einbußen auch elektrisch fahren könnte.
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Re: ADAC Motorwelt 11/2015

Beitragvon rolandk » Mi 11. Nov 2015, 00:20

@Karlsson: ich glaube Du siehst das, wie viele andere hier auch, zu pessimistisch.

Es mag in vielen Fällen nicht 100% der eigenen Mobilität abdecken, aber viel schlimmer ist die Tatsache, das Lieschen Müller eben nicht weiß was tatsächlich geht. Und viele Neunankömmlinge hier im Forum geht es ähnlich. Die haben sich überschwänglich, weil sie an die gute Sache glauben, und im Vertrauen auf den Verkäufer, ein E-Fahrzeug gekauft und wundern sich mit einmal, warum das mit dem Laden doch nicht so einfach ist, wie der Verkäufer und die Werbung suggeriert. Nur die Wenigsten kennen die Unterschiede und die Anderen lassen sich damit abspeisen, das die nächtliche Ladeorgie "normal" wäre. Und eigentlich genügt es doch. Im Grunde ärgern sie sich aber, das sie einen Haufen Geld raus geschmissen haben und den Schwindlern im Autohaus aufgesessen haben. Die wenigsten haben sich vorher wirklich gründlich informiert. Und viele merken erst später, was Ihnen entgeht.
Und bei Lieschen Müller ist es noch schlimmer, wie ich beim letzten Treffen in Sehnde erfahren habe. Da sind die E-Fahrer liebevolle Spinner, die sich freuen, das sie elektrisch mit max. 50 km/h 30km weit fahren können.

Mit dem richtigen Fahrzeug, und die gibt es auch abseits des Model S, ist E-Mobilität machbar. Aber zuerst ist das erst einmal eine Kopfsache.

Roland
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Re: ADAC Motorwelt 11/2015

Beitragvon energieingenieur » Mi 11. Nov 2015, 00:51

Die Frage ist hier doch, wie sich "vollwertige Alternative" definiert.

Die KFZ-Magazine verstehen es offenbar so, dass 100% der Fahrten, die früher mit dem Verbrenner stattgefunden haben, jetzt zu 100% mit dem EV funktionieren müssen - bei gleicher Reisezeit. NUR dann sei das EV zum Verbrenner als vollwertige Alternative zu akzeptieren. Wenn man da so sieht, haben die Magazine recht: Ein EV tankt nicht binnen 5min 500km nach... Punkt aus. Ist so.

Ich verstehe es anders: Ich wünsche mir 100% Mobilität. Wenn diese zu 95% mit dem eigenen EV funktioniert und zu 5% mit einem Verbrenner-Leihwagen oder der Bahn dann komme ich zu 100% dahin, wo ich auch zu Benzinerzeiten hingekommen bin. Dieses Mobiliätskonzept ist für mich eine 100% vollwertige Alternative. Es beruht halt nur nicht auf dem Element, 100% Mobilität mit dem eigenen KFZ abdecken zu wollen.

Es ist eigentlich absolut hirnrissig zu glauben, dass jede Art der Mobilität (egal ob tägliches 10km 1-Personen-Pendeln zur Arbeit oder die 1.200km-Urlaubsreise mit 5 Personen und Gepäck für 3 Wochen) zwanghaft immer mit dem gleichen Verkehrsmittel funktionieren muss. Wir nutzen unsere Beine, Fahrräder, Schiffe, Bahnen, Busse, Autos und Flugzeuge um uns zu bewegen... Je nachdem, was grad am besten passt. Wenn es aber darum geht, die Einsatzgrenzen eines PKW minimal zu verschieben, dreht der Deutsche total durch... - absolut unvorstellbar sowas.

Jahrelang wird über Verkehrslärm, Abgasbelastung, Feinstaub und den Spritpreis gejammert. Jetzt gibt es eine Technik, die in allen Punkten eine Art Lösung darstellt. Aber wie jetzt? Wir müssen 5% unseres Alltags jetzt mit anderen Verkehrsmitteln bestreiten, als vorher? Nein, nein... Das geht ja absolut gar nicht. Die Technik ist noch nicht alltagstauglich.

Es gibt nur einen, der nicht alltagstauglich ist. Das ist der Mensch, der nicht bereit für Veränderungen ist.
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Re: ADAC Motorwelt 11/2015

Beitragvon Ernesto » Mi 11. Nov 2015, 05:05

Muss auch etwas dazu schreiben. Habe gestern mit 2 Kollegen auf Arbeit über das Thema EV gesprochen. Der eine war eher für Wasserstoffautos, weil die er denkt die Infrastrucktur wäre leichter zu händeln. Gasleitungen liegen schon usw.
Der andere war absolut gegen EV. Natürlich muss man die fahrten planen usw. Er will ohne groß nachzudenken ins Auto steigen und los fahren, wenn er noch ewig planen müsse und dann vielleicht die Karre lehr fahren würde usw, darauf hatter keine Lust!
Und so geht es den meisten in Deustchland, gehe ich mal ganz stark von aus. Meine Frage ob er schon mal ein EV gefahren hätte verneinte er. Viele können sich mit dem Gedanken nicht anfreunden, da ist der Diesel noch zu billig, die Gewohnheit zu sehr Teil von einem. Ich war auch Diesel Fan, viele Jahre.. bis ich ein EV gefahren habe :-) Nun muss nur noch ein für mich passendes kommen.
Gruß Tino
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Re: ADAC Motorwelt 11/2015

Beitragvon imievberlin » Mi 11. Nov 2015, 07:14

Ich sehe das nicht unbedingt so wie du.
Komm mal z.B. Nach Berlin - Hellersdorf/Marzahn/Hohenschönhausen so sehr viel Familien wohnen die täglich zur Arbeit fahren. Ein großer Anteil davon hat ein Fahrzeug welches nur im urbanen Bereich bewegt wird und einige haben sogar Zweitwagen. Das Problem ist doch das sicher einige von denen umsteigen wollen würden nur wo sollen sie ihre Autos laden ? Es fehlt einfach massiv an günstiger Ladeinfrastruktur für die Laternenparker. Mit einem Mitarbeiter einer Waschstraße unterhalte ich mich recht oft. Der wohnt in HSH im 11 Stock und weit und breit keine Ladesäule. Er würde gern elektrisch fahren aber die fehlende Infrastruktur macht ihm ein Strich durch die Rechnung.

Also pauschal zu sagen das 95% aller deutschen Bundesbürger umsteigen könnten ist etwas zu pauschal.
Ich verstehe deinen Ansatz aber die Realität ist bei weitem noch nicht dort wo wir sie gern hätten.
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Re: ADAC Motorwelt 11/2015

Beitragvon energieingenieur » Mi 11. Nov 2015, 07:46

Erlaube mir an dieser Stelle dann die Frage, ob das eigene KFZ in diesem Falle überhaupt die richtige Wahl des Verkehrsmittels ist. Ich war neulich nähe Marzahn zu Besuch auf einem Geburtstag. Solche gigantischen Wohnblöcke kenne ich aus meiner üblichen Umgebung nicht. Was ich allerdings auch nicht kannte, war die Aussage aller Anwesenden 30 Gäste, dass keiner von denen - nicht ein einziger(!) - ein Auto besitzt, weil man in Berlin ohne lange Wartezeiten 24/7 mit dem ÖPNV alles erreichen könne. Einige von denen nutzen sporadisch ein Car-Sharing Fahrzeug für größere Transporte. Aber keiner wollte ein Auto besitzen.

Ich stimme dir zu, dass ein Elektroauto für den o.g. Fall schwierig bis gar nicht zu benutzen ist. Also zum Fahren schon, bloß zum aufladen eher weniger. Ich gehe davon aus, dass auch die Arbeitgeber in Berlin nicht alle Firmenparkplätze haben, die man elektrifizieren könnte. Es gibt also tatsächlich Menschen, die nicht könnten - selbst wenn sie wollten. Momentan treffen ich persönlich aber eher zu 99% auf Leute, die könnten - aber schlichtweg nicht wollen.

Obgleich ein Bekannter von mir in einer anderen großen Stadt zur Miete in einem Wohnblock wohnt und weder Auto noch Stellplatz hat. Die nächste Ladesäule ist mindestens 3km entfernt. Er wird sich in kürze trotzdem einen e-golf kaufen, weil seine neue Arbeitsstelle zwar nur 10km entfernt liegt, aber mit dem ÖPNV nicht erreichbar ist. Und da er bei seinem neuen Arbeitgeber am großen Firmenparkplatz (Produktionsstandort) zwar parken, aber nicht laden darf (der Arbeitgeber heißt übrigens VW...) wird er 1-2 mal pro Woche für 20min auf dem Heimweg an einem 50kW-CCS-Charger anhalten. In diesem Falle Glück: Der Charger liegt nicht nur auf dem Heimweg, sondern auch direkt neben einem Supermarkt. Sicherlich eine Einzelfallgeschichte mit vielen passenden Elementen, aber es zeigt auch, dass Wohnen im Wohnblock nicht grundsätzlich die Nutzung eines EV verhindert.
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Re: ADAC Motorwelt 11/2015

Beitragvon imievberlin » Mi 11. Nov 2015, 09:04

energieingenieur hat geschrieben:
Erlaube mir an dieser Stelle dann die Frage, ob das eigene KFZ in diesem Falle überhaupt die richtige Wahl des Verkehrsmittels ist. Ich war neulich nähe Marzahn zu Besuch auf einem Geburtstag. Solche gigantischen Wohnblöcke kenne ich aus meiner üblichen Umgebung nicht. Was ich allerdings auch nicht kannte, war die Aussage aller Anwesenden 30 Gäste, dass keiner von denen - nicht ein einziger(!) - ein Auto besitzt, weil man in Berlin ohne lange Wartezeiten 24/7 mit dem ÖPNV alles erreichen könne. Einige von denen nutzen sporadisch ein Car-Sharing Fahrzeug für größere Transporte. Aber keiner wollte ein Auto besitzen.


Dann hast du in Marzahn eigentlich eine Koryphäe an Menschen angetroffen die sonst in Friedrichshain und P-Berg zufrieden sind. Dort ist es gang und gäbe hauptsächlich auf den OPNV zu setzen und ggf. mal ein Carsharing Fahrzeug zu nehmen.
Klar im Vergleich zu vielen Städten ( auch NY , Dubai , Madrid etc. ) ist der OPNV in Berlin schon echt super.
Ich würde auch gern mit der Bahn zur Arbeit fahren aber ich brauch zur Frühschicht aus Marzahn nach Steglitz über 1 3/4 Stunde inkl. 2-3x umsteigen mit viel Wartezeit. Mit dem Auto bin ich in 45min morgen dort. Leider ist der OPNV in den Nachtzeiten und dann noch in den Randgebieten nicht so attraktiv das noch viel mehr ihn nutzen würden.
Natürlich geh ich mit der Meinung einher das in erster Linie immer der OPNV benutzt und gefördert werden soll. Ziel ist es die Fahrzeugbelastung in den Städten zu reduzieren.
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