Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Beitragvon Vanellus » Di 2. Jun 2015, 10:09

Liebe Leute,
in wenigen Tagen habe ich ein Gespräch mit dem Chef eines kleinen Stadtwerks, der sich sehr für Elektromobilität interessiert. Er war auf mich aufmerksam geworden und wir haben nun einen Termin vereinbart. Bei der telefonischen Terminvereinbarung wurde mir deutlich, dass er 1. auf Pedelecs setzt und auf meinen Einwand hin, dass es mir eher auf E-Autos ankommt er sich 2. neue Kunden verspricht, wenn er Lademöglichkeiten für E-Autos bereit stellt. Offenbar nur für seine Kunden?
Es gibt also einiges zu besprechen ...

24/7-Verfügbarkeit und zugänglich für alle werden mein Hauptanliegen sein. Ich rechne damit, dass wegen der Kosten DC-Säulen nicht realisierbar sein werden. Also AC mit mindestens 22 kW, wo möglich auch mit 43 kW. Ob kostenfreier Strom oder ob er sich den Aufwand für die Abrechnung antun will, muss er entscheiden. Ich werde nur auf den erheblichen zusätzlichen Aufwand für Authentifizierung, Abrechnung und Wartung hinweisen, möchte aber den Eindruck des Stromschnorrers vermeiden.

Ich bin mir nicht ganz sicher, welchen Ladeverbund ich ihm empfehlen soll, um eine Zugänglichkeit für jedermann zu gewährleisten. Eine Insellösung nur für eigene Kunden kann ich ihm hoffentlich ausreden:
1. Ladenetz wegen der Einbindung in die Stadtwerke-Familie? Es gibt in SH nur die EV Sylt als Ladenetz-Stadtwerk, sonst niemanden. Einzelne Roaming-Partner in Bad Bramstedt und Kaltenkirchen. Dementsprechend wird kaum jemand im hohen Norden eine Ladenetz-Karte haben, weil so gut wie niemand diese Karten heraus gibt. Andererseits sind alle Vattenfall-Säulen in Hamburg zugänglich. Aber woher bekomme ich eine Ladekarte in SH, wenn kein Stadtwerk dort Mitglied ist (außer Sylt). Die zeitlich befristeten Ladeticks für externe sind m.E. unattraktiv.
2. The New Motion? Übernähmen die die Abrechnung für eine Stadtwerke-Säule? Ich glaube Roland riet in Tostedt davon ab. Oder ginge das Modell: populäre Gaststätte betreibt die Säule, Strom liefert Stadtwerke X und TNM rechnet für die Gaststätte ab?
3. RWE? Hardware und Abrechnung macht RWE, Betreiber sind Stadtwerke X?
4. Plugsurfing müsste doch auch gehen?

Wer hat Tipps?
Gruß
Reinhard
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Re: Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Beitragvon rolandk » Di 2. Jun 2015, 10:18

Vanellus hat geschrieben:
2. The New Motion? Übernähmen die die Abrechnung für eine Stadtwerke-Säule? Ich glaube Roland riet in Tostedt davon ab.


Das hat andere Gründe und das muß jeder für sich selber entscheiden.

Letztlich ist Deine Vorgehensweise aber zu begrüssen. Und Du zeigst auch den richtigen Weg auf. Ich hoffe, Du kannst die Bedenkenträger überzeugen.

Meinst Du nicht, es wäre in Kooperation mit den Stadtwerken der Stadt/einem Unternehmen (Supermarkt/Restaurant/Hotel) nicht möglich einen (vielleicht sogar zwei) Crowdfunding Ladepunkt/e mit 43kW zu realisieren?

Es gibt doch schon Beispiele, das es funktioniert (auch außerhalb des CP). Ein schönes Beispiel finde ich die Ladestation in Zwingenberg in der Nähe von Frankfurt.

Roland
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Re: Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Beitragvon Vanellus » Di 2. Jun 2015, 10:28

Hallo Roland,
danke für die schnelle Antwort.
Crowdfunding hatte ich angesprochen. Das stieß gleich auf offene Ohren. Ich möchte da aber irgendwo eine Grenze ziehen: Wenn jeder sein uneigennütziges Scherflein beiträgt ist das ok. Wenn sich aber jemand seine Säule sponsern lässt, um dann Strom auf eigene Rechnung zu verkaufen, finde ich das nicht mehr so gut. Vielleicht ist das aber eine böse Unterstellung. Wenn die besagte Gaststätte (die es tatsächlich gibt), den Strom übernimmt (keine Authentifizierung, keine Abrechnung) und die Community die Säule übernimmt und die Stadtwerke die elektrische Anbindung, einschl. Bodenarbeiten, wäre das prima. Oder ist das zuviel verlangt?
Ich guck mir mal Zwingenberg an.
Gruß
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Re: Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Beitragvon Tho » Di 2. Jun 2015, 10:32

Vanellus hat geschrieben:
Wenn die besagte Gaststätte (die es tatsächlich gibt), den Strom übernimmt (keine Authentifizierung, keine Abrechnung) und die Community die Säule übernimmt und die Stadtwerke die elektrische Anbindung, einschl. Bodenarbeiten, wäre das prima. Oder ist das zuviel verlangt?

Zuviel verlangt ist das nicht, allerdings sind da schnell Bedenkenträger auf dem Parkett bzgl. nichtzahlender Ladegäste. ;)
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Re: Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Beitragvon rolandk » Di 2. Jun 2015, 10:35

Vanellus hat geschrieben:
Wenn die besagte Gaststätte (die es tatsächlich gibt), den Strom übernimmt (keine Authentifizierung, keine Abrechnung) und die Community die Säule übernimmt und die Stadtwerke die elektrische Anbindung, einschl. Bodenarbeiten, wäre das prima. Oder ist das zuviel verlangt?


Nö, genau so würde ich das vorschlagen. Da hat jeder etwas davon. Um auch den Stadtwerken mal die Angst zu nehmen, sollte man auch ganz klar sagen, um welche Strommengen es sich handelt. Im übrigen läßt sich eine Abrechnung (wenn es tatsächlich zu viel werden würde, was ich aber nicht glaube) auch später noch irgendwie nachrüsten. Erst mal sollte der Anfang gemacht werden. Die beliebteste Säule in DE (Triplelader in Brinkum an der A1) hat übrigens auch keine Abrechnung.

Roland

Btw.: den Strom könnten die Stadtwerke auch übernehmen.
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Re: Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Beitragvon Vanellus » Di 2. Jun 2015, 10:47

Und wenn ihm das alles zu großherzig ist und er von seiner Vorstellung, neue (Stadtwerke-)Kunden zu generieren, nicht ablassen möchte (jetzt mal ohne crowdfunding): welchen Ladeverbund würdet ihr empfehlen? Als Minimalziel möchte ich wenigstens eine weitere Insellösung verhindern (Ladekarte während der Öffnungszeiten ausleihbar bei ...).
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Re: Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Beitragvon rolandk » Di 2. Jun 2015, 10:51

Ich persönlich würde wahrscheinlich RWE nehmen, weil ich die Idee mit der Freischaltung per SMS gut finde. Außerdem gibt es mit BEW einen tollen Kooperationspartner, der auch den E-Fahrern nützt.

just my 2cents

Roland

PS.: aber da dürften letztlich die Ladestationen so teuer sein, das dafür mehrere Jahre der Strom umsonst abgegeben werde könnte. Und ob die sich dann tatsächlich amortisieren, wage ich zu bezweifeln.
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Re: Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Beitragvon EVduck » Di 2. Jun 2015, 11:03

1. Ladenetz
Bei Ladenetz ist m.E. das Problem die leidige Grundgebühr. Andererseits kann man mit TNM Karten bei Ladenetzsäulen laden.
2. The New Motion
Wird wohl nur für Konstrukte a la Restaurant bietet an in Frage kommen. Großes Problem hier ist, dass nur die eigenen Wallboxen in Frage kommen und es keine 43kW gibt
3. RWE
RWE als Kooperationspartner geht idR nur, wenn RWE am Netzbetreiber beteiligt ist. Auch hier gilt, RWE rechenet pro Vertragsid pro Monat einen bestimmten Betrag ab. Kann man zwar durch einen BEW Vertrag umgehen, aber kaum ein Stadtwerk wird sich auf ein ähnliches Modell auf Dauer einlassen.
4. Plugsurfing
Keine Ahnung wie/Was da funktioniert.

Jetzt habe ich kaum ein gutes Haar an den Verbünden gelassen, am besten wäre wohl so etwas wie die Crowdfunding Boxen in Verbindung mit einem gewerblichen Partner...
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Re: Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Beitragvon Tho » Di 2. Jun 2015, 11:05

https://www.rwe-mobility.com/web/cms/de ... ebersicht/
Die Wallbox ist bei RWE schon bei 3.000, ich denke für den Preis der Säulen kann man einiges laden.
Evtl. ist die Einstiegshürde durch den Preis so hoch, dass es das kleine Stadtwerk dann doch lieber lässt. Denn wirtschaftlich ist eine solche Säule wirklich nicht.
Verkauft wird die Dienstleistung vom RWE scheinbar an alle, auch Gewerbetreibende. (https://www.rwe-mobility.com/web/cms/de ... box-smart/)

Wenn es mit Abrechnung sein muss, dann sehe ich TNM als einzige preiswerte Lösung. (900EUR 22kW + 50 EUR Abrechnungsdienstleistung im Jahr). Warum soll ein Stadtwerk kein TNM nehmen können? Ist ja letztendlich auch nur ein Gewerbe.
Auch wenn ich persönlich die Crowdfunding Lösung favourisiere.
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Re: Welcher Ladeverbund für kleine Stadtwerke?

Beitragvon gthoele » Di 2. Jun 2015, 11:39

RWE:
RWE verkauft seine Dienste auch an nicht-RWE-Stadtwerke. Gibt ja Beispiele in SH dafür (Eutin, Niebüll). RWE ist für den Betreiber der Säule eher teuer. Einerseits die Hardware, bei Säulen kommt der vorhergenannte Preis pro Ladepunkt ungefähr hin, also pro Säule das doppelte, andererseits kostet jede vom Stadtwerk an eigene Kunden herausgegebene Vertragsid jeden Monat laufend Geld (das macht grundgebührfreie RWE-Verträge so schwierig), und jeder Ladepunkt (in Säulen also 2x) kostet laufend monatlich Geld für den Abrechnungsdienst.
Dafür haben die RWE-Säulen ein paar Schmankerl für Betreiber drin: SMS-Abrechnung, bidirektionale Zähler (da kannst du dann womöglich in der Zukunft, wann auch immer das ist, Smart-Grid-Geschäftsmodelle mit anbieten und Strom von den Autos ins Netz holen... Theorie...), anbieterseitig die Erfahrung eines etablierten Stromkonzerns, robuste Konstruktion, insgesamt wirkt das für mich alles sehr durchdacht, qualitativ hochwertig, gut konzeptioniert und schlüssig, aber etwas überkomplex. Der Betreibervertrag den du dann mit RWE schließen must hat fast 100 Seiten.

TNM:
Verkauft grundsätzlich auch an Stadtwerke, ist viel billiger als RWE, hat aber dann andere Probleme.
Auch hier kostet jeder Ladepunkt laufend Geld, aber weniger als bei RWE.
TNM kann wohl grundsätzlich auch andere Hardware einbinden, nicht nur eigene Boxen:
http://www.goingelectric.de/stromtankst ... g-31/6868/

Ladenetz:
In SH irgendwie schwierig mangels Beteiligung - hier hat es auch eine zeitlang Probleme in der Professionalität gegeben - das scheint aber jetzt besser zu sein. Vorteil: Lade-Hardware praktisch frei auswählbar. Man muß nicht, so wie bei RWE, Hardware vom Monopolisten kaufen die dann nur mit dem funktioniert, sondern das ist alles übertragbar. Wenn unzufrieden meldet man seine Ladenetz-Säule halt bei TNM oder Plugsurfing an und es gibt keine sinnlosen Investitionen, sondern man hat eine sehr hohe Flexibilität.
Der Betreibervertrag hat nur 6 Seiten, sagt man mir. Konditionen kenne ich hier nicht.

Andere:
Rein grundsätzlich kann man als Stadtwerk auch direkt bei Hubject beitreten, ohne eine Roamingplattform dazwischen. Teuer, aber auch möglich. Wird man als kleines Stadtwerk nicht machen...

Auf welche Weise man Hamburger Kunden bedient, die eine Vattenfallkarte haben und im Umland laden wollen - das geht bislang eigentlich nur mit echtem Ladenetz oder per SMS. Das ist ein Dauer-Ärgernis, aber ich hoffe, das sich hier durch den Wechsel von Vattenfall zu Stromnetz Hamburg etwas tut und aus Hamburg eine größere Roaming-Bereitschaft kommt.
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