Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Beitragvon LEMnet Hamburg » Mi 30. Dez 2015, 01:37

Nach dem heutigen Erlebnis muss ich einfach zum Anschwärzen von Verbrennern an öffentlichen Ladesäulen in Hamburg aufrufen, rein zu Schulungszwecken.
Dass die Verbrennerfahrer bei extrem hohen Parkdruck sich das ein oder andere mal hinter der Fassade der Unwissenheit verstecken, kann ich ja noch nachvollziehen.
Dass aber die Hamburger Exekutive hier gänzlich ohne Fortbildung ihren Job machen muss, war mir bisher nicht klar.
Nachdem ich heute einige Ladesäulen den Verbrennern überlassen habe ist es dann doch etwas knapp mit dem Strom geworden und ich musste einfach mal ran.
Habe mir hierzu meine Lieblingssäule im Katrepel ausgesucht.
Schließlich ist es meines Wissens die einzige Hamburger Säule, an der mal ein Auto abgeschleppt wurde. Natürlich war es damals nicht der blockierende Verbrenner sondern mein Elektroauto, welches wegen Nötigung durch zu dichtem Parken abgeschleppt wurde. Dass ein Ladekabel eine endliche Länge hat, hat damals niemanden interessiert. Aber das ist eine andere Geschichte...
Wie üblich stand heute ein Verbrenner an der Säule. Ich habe mich also erstmal in zweiter Reihe gestellt und angestöpselt. Die Familie musste eben alleine Einkaufen gehen, ich wollte ja kein Déjà-vu erleben und blieb beim Fahrzeug.
Die Säule ist seit zwei Monaten vorbildlich nach STVO als Ladestelle mit 2h Ladezeit gekennzeichnet. Also versuchte ich es einfach mal, ob sich bei der Hamburger Polizei jemand für das Vergehen des Verbrenners interessiert und rief an.
Es fing noch ganz lustig an: Auf meine Schilderung "Es steht ein Verbrenner auf dem Ladeplatz" kam von der Leitstelle die erschrockene Frage zurück "Es brennt ein Auto auf dem Parkplatz?". Hier konnte ich beruhigend einwirken, parkte das Auto doch und eine Verbrennung fand dabei gerade nicht statt.
Resultat: "Sobald ein Einsatzfahrzeug frei wird schickt er es vorbei".
Ich warte also 20min bis ein Einsatzfahrzeug der Polizei auftaucht.
Die Fahrerin steigt kurz aus, will aber anscheinlich mit mir nicht kommunizieren. Ich ernte nur ein kurzes "Wir sind hier um die Situation zu klären".
Na dann, ich warte geduldig ab und lasse der Klärung ihre Zeit.
Die Polizistin steigt wieder ins Auto und beide Polizistinnen fangen an zu telefonieren. Nach ca. 8 min steigt die Fahrerin wieder aus und kommt zu mir rüber.
Es folgt ein Erklärungsversuch zur Beschilderung der Ladestelle:
"Das Schild zeige eindeutig, dass man an dieser Stelle 2h mit Parkscheibe stehen dürfe, dieses noch bis 20h".
Ich merkte an, dass das übergeordnete Zeichen mit dem Auto und dem raushängenden Stecker doch seit zwei Monaten Bestandteil der STVO sei und diesen "Parkplatz" als Ladestelle ausweise und daher das Symbol der 2h Parkscheibe sich nur auf den hier erlaubten Ladevorgang beziehe, ein allein mit Verbrennungsmotor angetriebenes Fahrzeug hier nicht abgestellt werden dürfe.
Es folgte wieder der Rückzug ins Einsatzfahrzeug und ein weiteres 2min Telefonat.
Mittlerweile war meine Familie vom Einkauf zurück und der Wagen wieder zu 2/3 voll.
Meine Frau hat sehr schnell registriert, dass ich gerade viel Spaß habe und man den Vorgang jetzt nicht stören sollte.
Sie hielt die Kinder daher in ausreichendem Abstand zurück. Ein Spruch von den Kindern zu dem "blöden Stinker" und "warum wir nun nicht nach Hause fahren, der Wagen sollte doch jetzt vollgeladen sein?" wäre hier etwas kontraproduktiv gewesen.
Spätestens nach dem Erklärungsversuch der Polizistin zur Kennzeichnung der Ladesäule wurde mir klar, Sie hatte sowas noch nie gesehen.
Mir kam sofort die Erinnerung an einer Situation in der Polizeistation Caffamacherreihe (Oktober 2015), wo ich bei einem Versuch, ein DriveNow Verbrenner von der Ladestelle in der ABC-Straße zu bekommen, nur die Frage von einer diensthabenden Polizistin erntete: "An solchen Ladesäulen kann man dann tatsächlich ein Auto aufladen? Was es nicht alles gibt!" „Ja, das gibt es und steht seit 2 Jahren nur 300 Meter von Ihrer Dienststelle entfernt“....
Doch zurück zur heutigen Situation, mittlerweile waren dann beide Polizistinnen ausgestiegen. Man merkte ihnen deutlich die Unsicherheit an, ob sie hier nun einen Abschleppvorgang initiieren sollten oder eben nicht. Und auch ich fühlte mich nicht gerade wohl, war unser Wagen doch bereits fast voll und die Kinder wollten nach Hause. Ich wollte es also nicht wirklich auf die Spitze treiben.
Gerettet wurden wir durch das Wegfahren eines unmittelbar an der Ladestelle angrenzend parkenden Fahrzeugs.
Ich fuhr das Fahrzeug an die Säule, das Ladestellen blockierende Fahrzeug bekam ein Knöllchen und zu allem Überfluss kam dann noch der Fahrer dieses Fahrzeugs herbeigeeilt. "Da ich ja nun ohne weitere Probleme Laden könne" bat man das Gespräch mit dem herbeigeeilten Fahrer unter "sechs Augen" weiterzuführen zu können.
Ich fühlte mich daher genötigt noch mit der Familie auf den Weihnachtsmarkt eine Runde zu drehen bevor wir nach weiteren zehn Minuten nach Hause konnten. Polizisten als auch Verbrenner waren mittlerweile verschwunden.
Mein Resümee:
Wir kommunizieren in direkter Ansprache oder über kleine selbst gedruckte Hinweisblätter mit den Fahrern der zuparkenden Verbrenner und hoffen auf ein Einsehen und Rücksichtnahme. Wenn wir das aber weiter so machen, wird die Situation an öffentlichen Ladestellen nicht besser werden.
Wir brauche hier mindestens auch ausreichend geschultes Personal bei der Exekutiven und deren Handlanger, in Hamburg "Parkraum Management" genannt.
Hat schon mal jemand ein Knöllchen an einem blockierenden Verbrenner gesehen? Ich habe es heute zum ersten Mal erleben dürfen, dass aber nur nach mehrfachem Nachfassen.
Wer also noch gute Vorsätze für 2016 braucht:
Ruft bei zugeparkten Ladestellen die Polizei an!
Wenn man es als aktive Beteiligung an der Fortbildung der Einsatzkräfte der Hamburger Polizei sieht, schwindet auch das schlechte Gewissen, das man als böser Anschwärzer unterwegs ist.
Gruß,
Heiner Sietas
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Re: Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Beitragvon midimal » Mi 30. Dez 2015, 02:36

Solche Beschilderung/Markierung würde vieles erleichtern

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Re: Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Beitragvon TeeKay » Mi 30. Dez 2015, 10:31

LEMnet Hamburg hat geschrieben:
Hat schon mal jemand ein Knöllchen an einem blockierenden Verbrenner gesehen?

Die sind doch vom Fahrer einkalkuliert. In vielen Städten ist es doch statistisch gesehen billiger, nicht zu bezahlen und einen Strafzettel zu riskieren als zu bezahlen. Was interessieren den Verbrennerfahrer einmal alle 10 Parkvorgänge 10 Euro, wenn er dafür in prominenter Lage 10x 5h kostenlos parken kann?
Hier hilft nur die britische Lösung an den Rasthöfen: 180 Pfund und Abschleppen. Die Ladesäulen dort bleiben frei, obwohl sie direkt vor dem Eingang stehen.
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Re: Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Beitragvon LEMnet Hamburg » Mi 30. Dez 2015, 11:05

Und genau aus dem Grunde ist es wichtig, dass die Statistik der Verbrenner geändert wird.
Die Hamburger Preise sind andere: 35€. 10x Parken muss 10x 35€ kosten und die Gefahr kommt näher, eine MPU über sich ergehen zu lassen.
Das geht nur mit Anruf bei der Polizei.
Midimal, die Beschilderung ist schon beachtlich und sicher auch einsichtig für alle. Allein in Hamburg würde man nur den Standard Spruch der Polizei ernten: "Das ist keine rechtlich bindende Beschilderung. Da sind wir nicht für zuständig".
Wir hatten bisher zwei Jahre lang eindeutige Beschilderungen mit dem Hinweis "Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge werden abgeschleppt". Das hat zumindest bei unkundigen Verbrennern zur Freihaltung geführt. Seit es in der Zeitung stand, dass die Polizei hier keine Handhabe hat, war das dann auch schnell vorbei.
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Re: Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Beitragvon Lindum Thalia » Mi 30. Dez 2015, 11:39

Sage ich schon immer der Parkplatz zum Laden soll mit min.5,00 Euro Parkgebühr je Stunde ausgeschildert sein , die auch der E Auto Fahrer bezahlen muss , dann muss die Stadt keine Parkgebühren verschenken und der Strom ist auch bezahlt.Ab da wird sich jeder Verbrenner überlegen , ob er für diesen Preis da Parken will !
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Re: Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Beitragvon Greenhorn » Mi 30. Dez 2015, 12:21

Hallo Heiner,
ich gehe mal davon aus, dass ich Deine Ausführung an meinen laufenden Kontakt zur Klärung der Hamburger Situation, an den Innensenator weiterleiten darf.
Ich soll ja im Januar eine Antwort auf mein Schreiben erhalten.
Gruß Bernd
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Re: Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Beitragvon LEMnet Hamburg » Mi 30. Dez 2015, 14:11

Moin Bernd,
ja kannst Du gerne weiterleiten.
Gruß,
Heiner
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Re: Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Beitragvon Hamburger » Mi 30. Dez 2015, 16:48

Ich bin gerade bei den Ladestationen Alstertor und Große Bäckerstrasse gewesen.
Bei beiden eine ähnlich verwirrende Gesamtsituation in der Beschilderung.

Alstertor:
Bild

Große Bäckerstrasse :
Bild

Die mit EINEM Schild mit zwei Pfeilen unmittelbar an Ladestation versehene "Ladestationsparkzone" liegt innerhalb einer allgemeinen Parkzone mit Hinweisschild Parkschein.

IMHO soll die "Ladestationparkszone", bestehend aus zwei Ladeplätzen mit der Ladesäule in der Mitte, durch JEWEILS ein Schild am Beginn und am Ende gekennzeichnet werden. Allgemeine Parkzonen sollen dann an den Schildern der Ladestationsparkzone enden und dürfen diese nicht inkludieren.

Im gezeigten Foto aus der Großen Bäckerstrasse müsste das linke Schilds "Anfang der allgemeine Parkzone" durch "Anfang Ladestationsparkzone", also P & Elektrofahrzeug & Parkschein 2h & Werktags 8-18h, ersetzt werden.
Das Schild an der Ladesäule müsste um eine Parkplatzlänge nach rechts versetzt und das P mit einem Pfeil nach Links "Ende Ladestationsparkzone" werden. Zusätzlich am gleichen oder an einem separaten Schildermast sollte die Kombination des jetzt linken allgemeinen Parkzonenschilds befestigt werden.

Und da der Schildermast an der Ladestation eh schon da steht, warum dort nicht das Zeichen 365-65 montieren ?
Bild
Damit jeder weiß um was es sich hier handelt.
seit 16.09.16 : i3 94Ah :)

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Re: Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Beitragvon HubertB » Mi 30. Dez 2015, 17:18

Ist ja auch prompt zugestellt.
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Re: Schulungsbedarf der Hamburger Exekutiven

Beitragvon Vanellus » Mi 30. Dez 2015, 17:53

Großes Kino, hoher Unterhaltungswert! Danke.
Zumal ich die Ladesäule Katrepel kenne und auch mal versucht habe, dort zu laden. War natürlich zugeparkt. Beide Plätze mit einem "Auto", das genau in der Mitte stand. Es war ein Twizy! Habe mich dann sehr eng dort reingequetscht, vielleicht eine Handbreit vom Twizy entfernt. Ich hoffe, der Twizy hat das nicht als unsittliche Bedrängung missverstanden - war ja sozusagen Besuch aus der Familie.
Ich glaube, wir sind durch die mehr oder minder starke Beschäftigung mit dem Thema in gewisser Weise betriebsblind geworden, indem wir, wenn auch nur zu geringen Teilen, Kenntnisse der Mobilität bei der Allgemeinheit voraussetzen, die diese nicht hat. Mir erzählen immer noch Leute, mit denen ich beim öffentlichen Laden in's Gespräch komme und denen ich sage, dass dies ein rein elektrisches Auto sei: Nein, sowas habe ich ja noch nie gesehen! Dabei habe ich heute bei der Rückfahrt von Hamburg über Hohenwestedt und Nortorf gleich 3 E-Autos gesehen: einen Tesla und zwei Zoe.
Die Kenntnisse der Allgemeinheit über E-Mobilität sind noch viel geringer als wir annehmen. Ich glaube, den größten Anteil an entsprechender Öffentlichkeitsarbeit übernehmen Mitglieder dieses Forums. Durch Treffen, Vorträge, Stammtische, Rundfahrten usw. Von den Händlern kommt jedenfalls, von den bekannten Ausnahmen abgesehen, nichts.
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