100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Re: 100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Beitragvon TeeKay » Mi 19. Okt 2016, 08:33

Na super. 2018, ganze 25 Säulen, Preis 13 Mio, also 520.000 pro Stück. Das sieht mir wieder nach einem neuen Schaufensterprojekt aus. Warum?

1. Die EU fördert 50%. Will man als Investor nichts selbst investieren, rechnet man das Projekt doppelt so teuer, wie es wirklich ist, kriegt von der EU 50% davon und damit 100% der realen Investitionskosten.
2. Ein Tesla Supercharger Standort besteht durchschnittlich aus 5,6 Stalls, die zusammen 370kW Anschlussleistung brauchen. Als Baukosten pro Standort nannte Tesla mal 250.000.
3. Bei 93% Effizienz bräuchte eine 350kW Säule 376kW Anschlussleistung und dürfte dann mutmaßlich mit Netzzugang, Tiefbau etcpp genauso viel kosten wie ein Supercharger mit gleicher Leistung. Also ziemlich genau 520.000/2.

Eine Säule pro Standort ist übrigens aus meiner Sicht Quatsch. Da müssten wie beim Supercharger wenigstens 4 Säulen stehen, auf die dann auch gern die 350kW aufgeteilt werden können, wenn mehr als ein Auto lädt. Das wären dann pro Auto immer noch 87kW und damit mehr, als Tesla heute im Mittel lädt.
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Re: 100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Beitragvon drilling » Mi 19. Okt 2016, 09:04

Tja, warum soll man mühselig mit Autoverkäufen Geld verdienen wenn man auch einfach Förderbeträge einkassieren kann? :roll:
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Re: 100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Beitragvon Super-E » Mi 19. Okt 2016, 09:06

Solche Projekte sind dafür da zu zeigen, das es geht, zu lernen und Hürden zu nehmen. Des Weiteren ist es schwieriger etwas mit einer großen Gruppe aufzubauen, als alleine. Wenn man sich da durchgequält hat, ist das aber wenigstens betriebserprobt und kompatibel. Und danach kann man das dann verbessert günstiger in großer Zahl ausrollen. Grundsätzlich ist natürlich eine Säule pro Standort selbst für ein Pilotprojekt doof. Die Kosten, wenn man stattdessen 2 oder 3 Säulen aufstellt würden sich vermutlich kaum unterscheiden. Aber egal. Hauptsache es tut sich was.

Hier tummeln sich hauptsächlich early adaptors und denen ist gemein, dass sie nicht die Geduld haben auf etwas zu warten. Sonst würden sie ja nicht die überteuerten Produkte der Anfangsphase kaufen. Bei mir hat die Hoffnung auf ein durchsetzen der Elektromobiliät so um die Jahrtausendwende ihren Tiefpunkt gehabt. Da hat mich eigentlich jeder ausgelacht. Daher freue ich mich inzwichen über jeden Plan und jede Ankündigung, auch wenn sie meist verspätet kommen - und einige gar nicht - ist ihnen oft eines gemein: Der Gedanke und Wille zum Fortschritt. Die Leute, die daran arbeiten wollen ihn bestimmt, aber oft genug können sie auch nichts dafür, dass sie ausgebremst werden. (Ja, es gibt auch Ankündigungen, die nur eigene Vesäumnisse verdecken sollen)

Eine gute Aussage ist zumindest, dass diese Standorte voll kompatibel zur bestehenden Technik sein sollen. Wobei ich mich Frage, ob es eine gute Idee ist, wenn die schönen 350kW Standorte dann mit einem 50kW Schnarchlader blockiert sind?

Ich hätte mal gerne ein Pilotprojekt mit einem Zentraltraffo, der dynamisch an 10-20 beliebige Stecker (CCS/Chademo/SC) die Leistung von 0-350kW verteilt. Wenn jemand „voll“ ist, wird die vorhandene Leistung einfach auf die anderen Stecker verteilt und man muss kein schlechtes Gewissen haben einen kostbaren Ladepunkt zu blockieren. Wenn ein Standard dominiert gibt es halt mehr Steckervon dem. Denn teuer sind ja nicht die Kabel und Stecker, sondern die Anschlussleistung und die Gleichrichtereinheiten…

Skepsis ist ja gut, aber hört doch bitte mal auf bei jeder eigentlich positiven Nachricht nur zu meckern.
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Re: 100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Beitragvon TeeKay » Mi 19. Okt 2016, 09:41

Das mein ich ja: Eine Säule mit 350kW ist Quatsch - schon allein deshalb, weil ein Zuparker dann die Infrastruktur lahmlegt, die 6 Fahrzeuge schnell mit Energie versorgen könnte. Lastmanagement könnte die 350kW auf 6 Säulen aufteilen und selbst bei Vollauslastung wäre jedes Auto mit 100kWh-Batterie nach ner Stunde bei 80%. Mit einer einzigen Säule schafft man das nicht, weil allein das Rangieren von 6 Autos vor einem einzigen Kabel sicher ein Drittel der zur Verfügung stehenden Stunde schluckt.

Dass ABB beim 350kW-Prototypen noch immer auf das von der Terra 53 bekannte Design setzt, enttäuscht mich.
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Re: 100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Beitragvon Super-E » Mi 19. Okt 2016, 13:11

da stimme ich dir vollkommen zu.

+ Ich freue mich, dass sich bei dem Thema was tut (es gab und gibt ja durchaus auch Skepsis über die Möglichkeit der 350kW Ladung an sich)

- Wie es gemacht wird ist mal wieder suboptimal.

Ich habe mich immer schon gefragt, warum auch die nur einen Standard bedienenden Säulen nicht mindestens zwei Rüssel haben und die Leistung aufteilen - egal welche Nennleistung. Auch bei einer "nur" 50kW Säule wäre das schon sehr hilfreich.
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Re: 100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Beitragvon Solarstromer » Mi 19. Okt 2016, 16:24

Die Frage ist, ob ein 800V Auto auch an einer 400V Station laden kann. Also indem man den Akku in zwei 400V Hälften teilt. Ich würde davon ausgehen, ansonsten hätte so ein Auto in der Anfangsphase ziemliche Probleme eine passende Ladesäule zu finden.

An den 350kW Standorten dürften vermutlich bereits 4 CCS Ladesäulen mit 50kW stehen, 3 davon (SLAM) vermutlich für 150kW vorbereitet. Insofern halte ich es zwar nicht für optimal, aber für verschmerzbar, wenn pro Standort nur eine 350kW Säule steht, wenn man noch zur Not an einer 150kW oder 50kW laden kann.

Vielleicht gibt es bis dahin ja 350 kW Ladesäulen, welche die Leistungsteile nach Bedarf auf mehrere CCS Anschlüsse verteilen kann. Der Aufbau der Allego Ladesäulen in Deutschland ist ja bereits so, dass sich beim Bedienteil nur die Ladekabel befinden und das Leistungsgeraffel davon räumlich abgesetzt ist.
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Re: 100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Beitragvon Karlsson » Do 20. Okt 2016, 14:20

Solarstromer hat geschrieben:
Die Frage ist, ob ein 800V Auto auch an einer 400V Station laden kann. Also indem man den Akku in zwei 400V Hälften teilt. Ich würde davon ausgehen, ansonsten hätte so ein Auto in der Anfangsphase ziemliche Probleme eine passende Ladesäule zu finden.

Genau den Gedanken hatte ich auch schon. Eigentlich kann man kein Auto anbieten, das ausschließlich 800V laden kann.
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Re: 100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Beitragvon TeeKay » Do 20. Okt 2016, 16:09

Es wurden doch auch jahrelang Autos verkauft, die nur 400V DC laden konnten, obwohl es nirgends DC-Ladung gab...
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Re: 100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Beitragvon Karlsson » Do 20. Okt 2016, 16:21

Sage wir besser sie wurden angeboten. Von Verkaufserfolg kann man ja nicht groß sprechen.
Genau das soll in der Zukunft aber anders aussehen und darum muss auch eine vorhandene Infrastruktur genutzt werden können.
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Re: 100 Standorte in D mit 16x350kW in 5 Jahren ?

Beitragvon TeeKay » Do 20. Okt 2016, 16:36

Wirst du ja dann sehen. Wenn jetzt alle großen der Branche bei diesem Wahnsinns-25-Säulen-Projekt mitmachen, scheint das Interesse am Verkauf von 800V-Fahrzeugen ja noch nicht so groß zu sein. Andernfalls müsste man jetzt mal die Ärmel hochkrempeln und jetzt anfangen, ein europaweites Netz aufzubauen. Denn bis zum heutigen Stand brauchte Tesla 3 Jahre - und das lag nicht am fehlenden Geld bei Tesla, sondern dem quälend langen Prozess der Standortsuche und der Genehmigungsprozesse. Auch Allego bekam schon Ende 2014 die Bewilligung der Fast-E Millionen für 243 Schnelllader-Standorte in Deutschland. Wie viele haben wir bis heute? 20?

Will man also 2020 den Markt aufrollen, dann ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um mit dem Bau des Ladenetzwerks zu beginnen und nicht 2017, 2018 oder 2019. Danach siehts aber nicht so aus. Die Ultra-E Projektpartner werden sich jetzt erstmal zurücklehnen und abwarten, wie die Erfahrungen der bis Ende 2018 gebauten 25 Säulen aussehen werden. Wie bei solchen Projekten üblich, wohl nicht allzu gut. Bis dann die Entscheidung zum Bau eigener Netzwerke durch den Vorstand kam, ist 2020. Der Aufsichtsrat will dann aber ne Kooperation mit der Konkurrenz und bis die steht, ist 2022. Dann haben wir 2025 ein 800V-Netz in einer Dichte, wie es Tesla mit 400V schon 2016 hatte.

Und weil Tesla 2025 schon zu einem richtig fiesen Konzern wurde, klagen die 2025 gegen die Benutzung der 800V Säulen. Da in den Steckern seltene Kreuzkopf-Segelflugspinnen entdeckt wurden, sei nach der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie ein Bannkreis von mindestens 50m um die Säulen vor jedweder menschlichen Beeinflussung zu schützen. Vor den Tesla Superchargern muss derweil der Asphalt erneuert werden, da er durch die intensive Befahrung nach mehr als 10 Jahren brüchig wurde.
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