Trauerspiel Deutschland

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Beitragvon Kellergeist2 » Fr 20. Mai 2016, 11:41

Immer wieder lese ich, dass in Deutschland viele Ladesäulen defekt sind und nicht zeitnah oder gar nicht repariert werden.
In anderen Ländern soll das nicht so sein, und man kümmere sich dort deutlich mehr um die Funktionsfähigkeit.

Alles Behauptungen, oder ist da etwas Wahres dran?

Daher habe ich hier gerade mal zwei Screenshots gemacht, welche eine aktuelle Momentaufnahme darstellen.

Einträge mit Störung.jpg
Einträge mit Störung

Einträge ohne Störung.jpg
Einträge ohne Störung
Zuletzt geändert von Kellergeist2 am Fr 20. Mai 2016, 11:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Trauerspiel Deutschland

Beitragvon Tho » Fr 20. Mai 2016, 11:42

Ich weiß nicht ob das repräsentativ ist, wir haben ja hier auch nun mal die meisten Ladelogs aus DE und AT. ;)
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Re: Trauerspiel Deutschland

Beitragvon Kellergeist2 » Fr 20. Mai 2016, 11:56

Natürlich werden im deutschsprachigen Raum deutlich mehr Störungsmeldungen erfasst, als im umliegenden Ausland, jedoch bin ich davon überzeugt, dass im grenznahen Bereich (Benelux, Nordöstliches Frankreich, Norditalien, ...) genug GE-Benutzer unterwegs sind, so dass auch von dort entsprechend viele aktuelle Meldungen eingetragen werden.

Es ist logisch, dass z. B. in Polen nur wenige Störungsmeldungen vorliegen, da es dort auch nur wenige Ladesäulen gibt.
Aber Frankreich, Benelux, Italien, GB, DK haben ja recht viele Säulen, aber nur relativ wenige Störungsmeldungen.

Vielleicht könnte Guy ja mal eine Statistik ziehen, aus der hervorgeht:
- Anzahl Ladesäulen je Land / davon mit Störung / %-Anteil
- Durchschnittliche Störungsdauer (in Tagen) je Land

Natürlich würde es bei einer Säule in Südfrankreich länger dauern, bis ein GE-Benutzer wieder vorbeikommt, um die Störung zu prüfen und zu entfernen, aber wenn die Störungsdauer dann immer noch kürzer ist als in DE, dann würde das zeigen, dass in Deutschland seitens der Betreiber kein großes Interesse an den Säulen besteht.
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Re: Trauerspiel Deutschland

Beitragvon TeeKay » Fr 20. Mai 2016, 12:04

Ich seh das wie Tho. Nur Deutschland und Österreich werden intensiv von GE-Usern genutzt, der Rest steht als Karteileiche in der Datenbank. Meine Erfahrung:

- UK: Zwar DBT-Säulen, die funktionierten aber wider Erwarten praktisch überall gut.
- NL: Alles funktioniert
- Dänemark: Alles bestens. Clever informiert sogar über Baumaßnahmen in den Straßen, in denen ihre Säulen stehen
- Schweden: Da hab ich an 3 von 30 Schnellladern Defekte gehabt
- Deutschland: Oh Gott
- Norwegen: Teils, teils. Die Fortum-Leute haben da auch viel auf die unzuverlässigen Fortum-Säulen gesetzt, aber fangen wohl wie Schweden an, gegen Efacec zu tauschen. In zwei Wochen und drei Dutzend angefahrenen Säulen gabs 4 nicht nutzbare.

Der größte Unterschied ist jedoch, dass die DC-Lader im Ausland fast ausnahmslos 24/7 zugänglich, mit 44-50kW und an Überlandrouten gebaut wurden. In Deutschland haben wir hingegen sehr viele 20kW-Säulen irgendwo bei Autohändlern, die nicht 24/7 und teils nur für markeneigene Fahrzeuge zugänglich sind.

Da ich stets versuche, auf meinen Reisen alle unfotografierten Säulen zu erfassen, kommen da auf längeren Touren teils etliche dutzend Säulen zusammen. Repräsentativ ist das zwar nicht, gibt aber einen gewissen Überblick.
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Re: Trauerspiel Deutschland

Beitragvon Jarod » Fr 20. Mai 2016, 14:13

Das ist Deutschland dringend was passieren muss steht ja eigentlich ausser Frage (zumindest für mich).

Was ich interessant fände, wie sieht es denn im Vergleich zu den Ländern wo es ganz okay läuft mit der Anzahl E-Mobile aus? Kann es sein, dass in hier zuätzlich noch fehlende oder geringe Rentabilität der Säulen hinzukommt? Und daher halt schleppend repariert wird ('Chef, lohnt eh nicht') bzw ohne Anreize einfach ausgebaut wird ('Chef, wirft kein Gewinn ab').
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Re: Trauerspiel Deutschland

Beitragvon Tho » Fr 20. Mai 2016, 14:15

Die (DC) Säulen sind in den anderen Ländern genauso wenig profitabel. (außer vielleicht NOR)
Aber andere Länder sehen in dem Geschäft Chancen, wir sehen Probleme... :roll:
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Re: Trauerspiel Deutschland

Beitragvon graefe » Fr 20. Mai 2016, 14:27

Tho, Du magst ja recht haben. Wie könnte denn ein funktionierendes Geschäftsmodell für eine Schnellladesäule aussehen? Wieviel müsste eine profitable Schnellladesäule zu welchem Tarif benutzt werden? So eine Ladesäule ist ja nicht unendlich skalierbar.
Bei 10 Ladungen am Tag à 30 Minuten sehe ich eine Schnellladesäule bereits als ausgelastet an. Das würde Einnahmen von ca. 50€ entsprechen. :?
Wo siehst Du da jetzt die große Chance? Und wieviel Fastned-Aktien hast Du schon in Deinem Portfolio? ;)

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Re: Trauerspiel Deutschland

Beitragvon TeeKay » Fr 20. Mai 2016, 14:38

In UK ist es kostenlos und die DBT-Dinger sind trotzdem gut gewartet.
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Re: Trauerspiel Deutschland

Beitragvon Tho » Fr 20. Mai 2016, 14:43

graefe hat geschrieben:
Bei 10 Ladungen am Tag à 30 Minuten sehe ich eine Schnellladesäule bereits als ausgelastet an. Das würde Einnahmen von ca. 50€ entsprechen. :?
Wo siehst Du da jetzt die große Chance? Und wieviel Fastned-Aktien hast Du schon in Deinem Portfolio? ;)
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Wenn du ein Geschäftsmodell für Schnellladung aufbaust darfst du nicht im "jetzt" denken.
Bei einem Anteil von 50% Elektroautos (wann immer es dazu kommt) hast du am Tag 20-30 Ladungen an der Säule.
Da machst du Gewinn. Jetzt sicherst dir gute Standorte an der Autobahn mit einer Säule pro Standort bestückst, den Strom kannst verschenken weil eh kein Gewinn zu erzielen ist. Mit zunehmenden Traffic baust du deine Standorte aus...
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Re: Trauerspiel Deutschland

Beitragvon Kellergeist2 » Fr 20. Mai 2016, 16:29

Meine Meinung bzgl. Geschäftsmodell:
Versucht nicht, das Geschäftsmodell in Form von "Verkauf von Fahrstrom" zu suchen.
Das wird sich niemals rechnen, sofern man nicht horrende kWh-Preise verlangen will.

Rentabel werden kann es aber, wenn der/die Eigentümer der umliegenden Ladeweile die Säulen aufstellen.
Man fährt dorthin, um aufzuladen und verbringt die Ladeweile in den umliegenden Geschäften.
Bingo! Kunden im Laden, die ohne die Ladesäule hier wahrscheinlich gar nicht angehalten hätten.
Und schnell ist ein Kaffee und ein Brötchen oder gar ein richtiges Essen für drei Personen im Restaurant verkauft.

Ein Blick in die mögliche Zukunft:
Durch den unaufhaltsamen Erfolg der Elektroautos stagniert das Geschäft der Tankstellen dermaßen, dass es sich nicht mehr lohnt, 12 Zapfsäulen für Benzin/Diesel vorzuhalten.
Um zu überleben, werden die Zapfsäulen in die Ecke verlegt, wo früher Luft und Wasser zu finden waren.
Für die paar Autos mit Verbrennungsmotor reicht auch eine Zapfsäule, denn das Betanken mit fossilem Brennstoff dauert bekanntlich nur wenige Minuten, so dass dieser Platz schnell wieder für den nächsten Oldtimer frei wird.
Das restliche Tankstellengelände besteht nur noch aus Triple-Chargern und der ehemalige Shop wurde in eine Erlebnis-Gastronomie umgebaut.
Auf bequemen Stühlen mit kostenlosem WLAN kann man von kleinen Snacks und Getränken bis hin zu einer deftigen Mahlzeit alles bekommen.

Das Abrechnungsmodell der Zukunft könnte wie folgt aussehen:
Alle Ladesäulenbetreiber sind Mitglied im "Europäischen Ladesäulenverbund (ELV)", über den die zentrale Abrechnung erfolgt.
Die Ladung an den Ladesäulen kostet entsprechend der Ladeleistung, z. B. 0,015 €/kW Leistung. Bei 22 kW Leistung kostet die kWh also 0,33 €, bei 50 kW DC kostet die kWh 0,75 €
Am Ende eines Ladevorgangs bekommt man eine Art Quittung (z. B. in Form einer elektronischen Gutschrift auf sein ELV-Konto), welche man in den Geschäften der ELV-Mitglieder an der Kasse mit den Einkäufen verrechnen lassen kann (evtl. limitiert auf 0,01 € Verrechnung pro 1,00 € Einkauf).
Wer also bei den ELV-Mitgliedern einkauft, bekommt unterm Strich den Strom kostenlos, wer die Geschäfte meidet, zahlt zumindest für den Strom.
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