Häufige Ausfälle von Schnellladern - Realität oder nicht?

Re: Häufige Ausfälle von Schnellladern - Realität oder nicht

Beitragvon NotReallyMe » Sa 9. Jan 2016, 15:31

Ein 20 kW Lader in Münster, einer in Aachen. Es ist nicht jeweils, sondern zusammen zwei gemeint. Der Lader in Münster ist inzwischen auf 50 kW aufgerüstet und in Aachen gibt es einen weiteren 20 kW Lader.
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Beitragvon TeeKay » Sa 9. Jan 2016, 16:16

Alles eine Frage des Geldes, wie hier schon einige sagten. Zwischen DBT und Efacec lag Faktor 2, zwischen DBT und ABB Faktor 3. Ein 44kW DBT Lader war teils günstiger als ein 20kW Lader von Evtec. Logisch, dass dann manche seit Jahren problemlos laufen und manche ständig die Hufe hochreißen. Dazu kommt dann noch das Budget der Betreiber. Viele Förderprojektnehmer haben ihr Projekt offenbar so kalkuliert, dass das Geld für Bau und Wasserkopf reicht, Reparaturen und Wartung waren nicht mit einkalkuliert. 24/7 proaktive Onlineüberwachung durch einen Servicetechniker, wie sie ABB für mehr als 1000 Euro pro Jahr und Säule anbietet, bucht man dann lieber auch nicht.

Bei den Halbbilliganbietern wie Efacec kommen dann die Ersatzteile aus Portugal, manchmal aber auch nicht. In Berlin berichtete RWE, teils ein halbes Jahr gewartet zu haben, bis die was nachlieferten. Beim Billiganbieter DBT soll man gar die ganze Säule abbauen, einpacken und nach Frankreich schicken, wenn was ist. Bei Circontrol waren die Schnelllader nach einem Softwareupdate über Wochen lahmgelegt. Denkst du denn, da wurde schnell die alte Firmware wieder eingespielt, damit die Dinger wieder laufen? Ne, die waren dann halt wochenlang defekt.

Fazit: Wer es mit Emobilitätsförderung ernst meint, der kauft ABB oder Evtec/e8energy, vielleicht noch Efacec und Circontrol samt Wartungsvertrag oder unterhält selbst ein Team von Technikern (Fortum und ecotricity, die beide DBT nutzen aber trotzdem eine recht gute Zuverlässigkeit haben).

Und ja, wie mir mehrere Betreiber unabhängig voneinander bestätigten, wird zuweilen beim Bau und Konstruktion auf Teufel komm raus gespart. Absurde Wartungsunfreundlichkeit oder von Anfang an auf Kante genähte Konstruktion. So sind die DBT-Lader auch nicht für 110A Dauerstrom gebaut, sondern nur für 80-90A, was aber nirgends gesagt wird.

Nach allem, was ich so von verschiedenen Betreibern hörte, wundert es mich, dass überhaupt noch was anderes als ABB und Evtec gekauft wird. Am Ende ist die Ersparnis den Ärger nicht wert.
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Re: Häufige Ausfälle von Schnellladern - Realität oder nicht

Beitragvon Alex1 » Sa 9. Jan 2016, 16:25

Michael_Ohl hat geschrieben:
Bananenware - reift beim Kunden.
Muss ich mir merken :lol:
Herzliche Grüße
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Re: Häufige Ausfälle von Schnellladern - Realität oder nicht

Beitragvon graefe » Sa 9. Jan 2016, 19:19

Schweiz, Frankreich, Portugal... Wo sind eigentlich die deutschen Hersteller wie Siemens und Bosch oder Mittelständler wie Mennekes, wenn es um DC-Ladetechnik geht?

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Re: Häufige Ausfälle von Schnellladern - Realität oder nicht

Beitragvon PowerTower » Sa 9. Jan 2016, 20:50

Es gibt auch deutsche Hardware, so setzt Allego z.B. auf EBG compleo (Lünen) und auch Hartmann Elektrotechnik (Hamburg) hat DC Lader im Programm, von dem mir aber bisher nur ein öffentlich nutzbarer an einer Hochschule bekannt ist.
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Re: Häufige Ausfälle von Schnellladern - Realität oder nicht

Beitragvon Marcel_S » So 10. Jan 2016, 00:50

TeeKay hat geschrieben:
Nach allem, was ich so von verschiedenen Betreibern hörte, wundert es mich, dass überhaupt noch was anderes als ABB und Evtec gekauft wird. Am Ende ist die Ersparnis den Ärger nicht wert.


Das kann ich zu 100% unterschreiben. Mich überrascht immer wieder Dein tiefes (und breit gestreutes) Fachwissen.
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Re: Häufige Ausfälle von Schnellladern - Realität oder nicht

Beitragvon Berndte » So 10. Jan 2016, 11:15

Mich überrascht da eher noch die Energie, die Teekay in die kommerziellen Schrott-Säulen investiert ;)
Ich habe ja hier schon eher resigniert.
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Re: Häufige Ausfälle von Schnellladern - Realität oder nicht

Beitragvon TeeKay » So 10. Jan 2016, 12:34

Marcel_S hat geschrieben:
Das kann ich zu 100% unterschreiben. Mich überrascht immer wieder Dein tiefes (und breit gestreutes) Fachwissen.

Naja, tief ist das nicht. Ich sprach einfach mit ein paar Betreibern von Schnellladern, als ich noch dachte, SLAM würde Triplelader fördern und ich könnte ein paar davon betreiben. Und ich benutze die selbst relativ häufig von verschiedenen Marken. Da kristalliert sich dann schnell heraus, welche öfter defekt sind und welche nicht, welche wartungsfreundlich sind und welche nicht, wer guten Support bietet und wer nicht.

Der Tesla ist dazu noch das perfekte Testvehikel. Vor dem Tesla gabs nur Autos, die ein paar Minuten lang Vollstrom zogen. Zu gering dimensionierte Teile fielen dabei gar nicht auf. Im Gegenteil: die relativ kurze Ladezeit der kleinen Batterien erlaubt es Blendern wie Efacec, sich als besonders schnell darzustellen. Die Efacec QC45 kann zwar ein paar Minuten lang 125A liefern, während es ABB nur auf 120A bringt. Aber der Tesla meldet der Säule, dass er gern 90min lang 125A hätte. Manche Säulen sagen dann von vornherein, dass sie lieber einen Gang zurückschalten (Efacec, 110A), andere fangen nach 10, 15min an, die Leistung kontinuierlich auf 80, 90A zu drosseln (DBT), im Hochsommer sogar noch weiter. Andere hingegen antworten eher "Was nur 90min? Dann langweil ich mich ja wieder fast den ganzen Tag". Eine ABB Terra 52 hat kurz vor Weihnachten 2 Tesla hintereinander anstandslos mit 120A Vollstrom geladen. Da gingen über 3h 130kWh durch. In den USA hat ABB auch schon einmal einen 24h dauernden Belastungstest gemacht, bei dem 100 Autos von freiwilligen Fahrern hintereinander geladen wurde.

In Berlin zeigte sich dann bei Efacec die katastrophale Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Von DBT hörte ich von drei Betreibern noch viel schlimmere Stories. Circontrol hat sich mit dem Softwareupdate letztes Jahr selbst demaskiert, als alle deutschen Circontrol-Säulen gleichzeitig ausfielen.
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Re: Häufige Ausfälle von Schnellladern - Realität oder nicht

Beitragvon m.k » So 10. Jan 2016, 13:58

Ich glaube es ist grundsätzlich nicht so schlimm, man hört halt immer nur wenn etwas kaputt ist, nicht wenn es funktioniert. Ich habe bis jetzt noch nicht allzuviel Erfahrung, 2 Ausfälle hatte ich bisher. Eine Efacec hing in einer CCS Ladung fest, also konnte ich keine neue starten, eine ABB Terra 53 hing beim Logon Screen. Bei letzterer hätte der Support die Säule sicher wieder starten können wenn es nötig gewesen wäre (ging nur im eine Testladung).

Grundsätzlich habe ich bei ABB Ladern kein schlechtes Gefühl wenn ich mit leerem Akku eine Säule ansteuere.
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Re: Häufige Ausfälle von Schnellladern - Realität oder nicht

Beitragvon TeeKay » So 10. Jan 2016, 14:18

graefe hat geschrieben:
Schweiz, Frankreich, Portugal... Wo sind eigentlich die deutschen Hersteller wie Siemens und Bosch oder Mittelständler wie Mennekes, wenn es um DC-Ladetechnik geht?

Mennekes setzt voll auf AC-Ladung, Siemens hat sich aus der Ladetechnik zurückgezogen, nachdem der Markt nicht so schnell wuchs, wie sie es hofften. Der Markt ist aber auch nicht groß. Insgesamt wurden bis heute gut 10.000 Chademos installiert, es gibt aber laut Chademo.com mehr als 40 Hersteller. Im Schnitt kann also jeder nur 250 verkauft haben in 5 Jahren. Dass sich das nicht sofort lohnt, ist klar. Langer Atem ist gefragt.
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