Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

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Re: Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

Beitragvon Spürmeise » Mo 21. Okt 2013, 21:48

Solche in "Fragen" verpackte Unterstellungen, die das uninformierte Publikum auf angebliche Lügen hinweisen sollen, wurde übrigens schon vor 20 Jahren in Magazinen mit guter Reichweite von der Mineralölwirtschaft lanciert.

"Der Schwindel mit dem E-Mobil" hieß eine Artikelreihe damals, und es wurden dazu Anti-Produkfotos von im Regen stehenden Elektroleichtmobilen abgebildet, die "mindestens 2700 kWh Strom für 8000 km im Jahr" verbrauchen sollten (also 34 kWh/100 km). Auch wenn das für die leichten Kisten nur 5 kWh waren (und sind), in den Magazinen waren diese Botschaften erfolgreich platziert.
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Re: Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

Beitragvon PowerTower » Mo 21. Okt 2013, 23:42

lingley hat geschrieben:
kai hat geschrieben:
...der ADAC und spritmonitor nehmen immer den deutschen Strommix zum Berechnen des CO2 Wertes aus kwh...

Der deutsche Strommix ist Käse !
Alle mir bekannten E-Autofahrer und angesteuerten Ladesäulen fahren mit Ökostrom, oder werden mit Ökostrom beworben und versorgt !

Das ist tatsächlich nur dann der Fall, wenn die Ladesäule autark über erneuerbare Energien versorgt wird. Das ist so gut wie nie der Fall. Auf den meisten Ladesäulen wo "Ökostrom" drauf steht, ist tatsächlich deutscher Strommix drin. Bei Sonne und Wind selbstverständlich etwas grüner als sonst. Für Ökostromtarife zu Hause gilt das gleiche.

Ökostrom bedeutet aus heutiger Sicht lediglich, dass man rund 1 cent/kWh Aufpreis für den Ausbau der erneuerbaren Energien und deren Speicherung bezahlt, was natürlich hilft, in Zukunft tatsächlich mit Ökostrom fahren zu können. Aber heute entspricht das eben bis auf wenige Ausnahmen (z.B. riesiger Solarcarport am Lausitzring mit direkt angeschlossenen Ladesäulen) nicht der Realität. Ich habe auch einen Ökostromtarif zu Hause, bin mir aber selbstverständlich bewusst, dass ich dadurch keinen Ökostrom bekomme, sondern eben nur dem Energieversorger etwa 10 Euro im Jahr schenke, damit es ihm leichter fällt, die erneuerbaren Energien auszubauen. Auf einen solchen Hokuspokus wie zertifiziertem Strom aus skandinavischer Wasserkraft sollte man keinen Pfifferling geben.

Anderes Beispiel ist der Freizeitpark Belantis. An mehreren Attraktionen haben die Stadtwerke Leipzig große Tafeln aufgestellt, auf denen das jeweilige Fahrgeschäft mit Ökostrom beworben wird. Kaum wird man von der Achterbahn hochgezogen, sieht man in der Nähe das - durchaus moderne - Kohlekraftwerk arbeiten. Solarparks oder Windräder gibt es in dieser Region nicht in entsprechendem Maße, nur jede Menge Tagebaulöcher, teilweise geflutet, teilweise aktiv. Den Beweis, dass der Park tatsächlich ausschließlich mit Ökostrom versorgt wird, kann mir keiner erbringen. ABER das ausweisen des Ökostroms bedeutet für mich, dass der Park höhere Stromkosten bezahlt, um die erneuerbaren Energien zu fördern. Die Förderung an sich ist löblich, entspricht aber eben nicht dem, was den Besuchern durch die Tafeln vermittelt wird.
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Re: Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

Beitragvon kai » Di 22. Okt 2013, 06:13

Hi Power,

zumindest für meine private Ladesäule stimmt das physikalisch einfach nicht. Ich habe PV mit Eigenverbrauch.
Direkt erzeugter Strom wandert bei LAdung auch direkt in den ZOE. Das kann man messen. Natürlich produziere ich Nachts keinen Strom, aber im Falles von Sonnenschein tanke ich direkt :)

Da meine PV-Anlage ihre CO2 Entstehungskosten bereits seit 2 Jahren "abgearbeitet" hat, tanke ich zumindest Mittags wenn die Sonne scheint absolut CO2 neutral mit 0gr/100km.

Da ich in Schleswig Holstein wohne, trifft das 0g/CO2 sehr wahrscheinlich auch nachts zu wenn hier nebenan die Windräder Überschüsse produzieren.

Gruß

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Re: Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

Beitragvon Steff » Di 22. Okt 2013, 06:54

Tach auch

Etwas Offtropic, aber muss man eventuell doch in die Rechnung miteinbeziehen:

Wie wird der Strommix gerechnet?
Ist das der Strom aller Stromerzeuger, oder ist da der Anteil der die Ökostromkäufer an „Sauberen Strom“ beziehen rausgerechnet?

Wenn also immer mehr Ökostrom kaufen, Der Anteil der PV-Anlagen, Windräder, Wasserkraftanlagen…aber nicht mehr wird, müsste der Strommix wo überbleibt ja immer „schmutziger werden.

Guß Stefan
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Re: Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

Beitragvon Spürmeise » Di 22. Okt 2013, 06:56

Steff hat geschrieben:
Wenn also immer mehr Ökostrom kaufen, Der Anteil der PV-Anlagen, Windräder, Wasserkraftanlagen…aber nicht mehr wird, müsste der Strommix wo überbleibt ja immer „schmutziger werden.n

Echten Ökostrom kauft man ja auch nur von Anbietern, die mit dem Preisaufschlag zusätzliche regenerative Kraftwerke (mit-)finanzieren. Sonst kann man sich das schenken.
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Re: Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

Beitragvon kai » Di 22. Okt 2013, 07:23

Noch etwas @Power

ich denke auch das man nach dem "Verursacherprinzip" rechnen sollte. Und das ist der jeweilige Stromvertrag.

Wer z.B. zu 100% Kohlestrom kauft, darf auch nicht den deutschen Energiemix für sein Elektroauto rechnen. Die Käufer sind u.a. verantwortlich für den aktuellen Energiemix Deutschlands.

Daher ist es völlig legitim und korrekt zu sagen: Wer z.B. Naturstrom kauft, fährt CO2 neutral. Das das physikalisch anders aussieht ist was anderes. Aber das gilt ja auch für den Stromkunden der den Kohlestromvertrag hat.

Gruß

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Re: Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

Beitragvon bm3 » Di 22. Okt 2013, 09:39

Hallo,
die absehbare steigende Tendenz beim EE-Anteil an der Stromproduktion gibt die noch steigende Umweltfreundlichkeit des Elektroautos für die Zukunft vor.
Man sollte nach meiner Meinung privat die EE fördern so gut es geht, bei der Betrachtungsweise aber die eigene EE-Anlage mal ganz außen vor lassen. Wenn man selbst den Strom gerade nicht verbraucht dann die Nachbarn, die müssen ihn sogar verbrauchen sonst steht die eigene Anlage still. Und die fördern auch in den meisten Fällen die eigene Anlage mit der EEG-Umlage.
Selbst die sogenannten "Eigenverbrauchsregelungen" sind ein Privileg welches die Allgemeinheit mitträgt da dazu immer noch das öffentliche Stromnetz benötigt wird.

Viele Grüße:

Klaus
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Re: Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

Beitragvon PowerTower » Di 22. Okt 2013, 12:07

kai hat geschrieben:
Wer z.B. zu 100% Kohlestrom kauft, darf auch nicht den deutschen Energiemix für sein Elektroauto rechnen. Die Käufer sind u.a. verantwortlich für den aktuellen Energiemix Deutschlands.

Daher ist es völlig legitim und korrekt zu sagen: Wer z.B. Naturstrom kauft, fährt CO2 neutral. Das das physikalisch anders aussieht ist was anderes. Aber das gilt ja auch für den Stromkunden der den Kohlestromvertrag hat.

Das mag schon sein. Allein es fällt mir schwer zu glauben, dass wenn von heute auf morgen ganz Deutschland auf Ökostromtarife umstellt, dann auch wirklich nur noch Ökostrom aus der Leitung kommt. Die reine Masse an PV, Wind, Wasser, Biogas und anderen erneuerbaren Energien mag zwar da sein, aber um die entsprechenden Speicher zu installieren benötigt es einfach mehrere Jahre.
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Re: AW: Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

Beitragvon Karlsson » Di 22. Okt 2013, 12:28

Man sollte auch bedenken - Ein Geländewagen bleibt auch mit 100% Wirkungsgrad im Antrieb ein Energiefresser.

Dagegen sieht ein Pedelec mit <1kwh/100km inkl Ladeverlusten auch mit 50% Wirkungsgrad ziemlich gut aus.
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Re: Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Elektroautos?

Beitragvon mawat » Mi 23. Okt 2013, 01:40

Also mir sind folgende Wirkungsgrade bekannt.

Elektrofahrzeug:
Tank-to-Wheel - Wirkungsgrad (TTW) --> 55% - 75%
Well-to-Wheel - Gesamtwirkungsgrad (WTW) --> 30% - 38%

Verbrennungsmotor (ohne Mild-Hybrid):
Ottomotor --> Well-to-Wheel - Gesamtwirkungsgrad (WTW) --> ca.20%
Dieselmotor--> Well-to-Wheel - Gesamtwirkungsgrad (WTW) --> ca.23%
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