Wahrheit zur Reichweite gefordert - endlich

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Wahrheit zur Reichweite gefordert - endlich

Beitragvon novalek » Mo 11. Jul 2016, 11:26

Der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft bringt es auf den Punkt (lt. Presse):
"Imageverlust der E-Fahrzeuge wegen unrealistischer Reichweiten. Man mißt die Reichweiten mit Zyklen, wie Benziner und Diesel."

Der Weg der Eigenerfahrung ist holperig, wenn man den Aussagen der Hersteller einzig trauen würde - Beispiel: "die 200 km Reichweite paßt doch immer"". Oder für den,wofür sie sich interessieren, der hat sogar 90Ah und nen anderer nur 24 kWh. Wobei der Otto-Normalumsteiger mit so'nn Krom, wie Ah und kWh nix an*n Hut hat. Also km kennt er ja und das andere sind fremde Welten. Umrechnen von Ah oder Watt-Stunden in km, wie soll er denn, er ist froh, wenn die Stromrechnung verstanden wird.

Man sollte doch geradeaus die Zahlen ansagen:
- Hoch-, Mittelgebirgsregion, Flachland
- Temperaturverhalten ( als Basis möge die in D gemessene Mitteltemperatur von 12 °C gelten - oh weh)
- Stadt- Überlandfahrten
- Fahrverhalten.
Genauso trügerisch sind Ansagen zu Ladezeiten und Anzahl der Ladestellen / Ladesäulen mit deren Standards.

Für überforderte Käufer ist sicher nicht der Verkäufer die Nachfrageinstanz, sondern neutrale Nutzer dieser Fahrzeuge.
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Beitragvon mweisEl » Mo 11. Jul 2016, 11:32

Dann sollten die Verbrennerhersteller doch auch mal den Literverbrauch bei Vollgas bergauf angeben.

Eine allgemeingültige Reichweitenangabe, die auf jede persönliche Situation passt, wird nur mit einem interaktiven Webtool wie für die E-Bikes mit Bosch-Antrieb möglich sein:
https://www.bosch-ebike.com/de/service/reichweiten-assistent/
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Re: Wahrheit zur Reichweite gefordert - endlich

Beitragvon JuergenII » Mo 11. Jul 2016, 12:25

Sehe es ähnlich wie mweisEI.

Ist es schon bei den Verbrennern kaum möglich realistische Verbrauchswerte anzugeben, ist es beim EV fast unmöglich. Je nach Wetter, Jahreszeit, Strecke und Beladung bewege ich mein i3 zwischen 9 und über 20 kWh. Wo ist da jetzt die Wahrheit anzusiedeln?

Einzig der offizielle Hinweis, das die Reichweite praxisnah im Sommer um 25% und im Winter um 40% unter den NEFZ Angaben liegen würde evtl. was bringen. Einige Hersteller wie Renault und BMW geben ja bereits die praxisnahen Reichweiten an, teilweise nur ziemlich versteckt.

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Re: Wahrheit zur Reichweite gefordert - endlich

Beitragvon Vanellus » Mo 11. Jul 2016, 13:30

Mal so nebenbei: dass BMW die Akkukapazität jetzt in Ampere-Stunden angibt, finde ich auch idiotisch. Das sagt nicht viel, wenn man die Spannung nicht hat. Nur das Produkt aus beiden ergibt die Kapazität in kWh.

Sonst könnte ich mit einiger Berechtigung sagen: der 12 V-Akku der Zoe, den ich gerade ausgetauscht habe, hat 50 Ah, also fast soviel wie der Fahrakku des i3 mit 60 Ah? :roll: Was kostet der 60 Ah-Akku des i3? Meiner mit 50 Ah kostete 60 €.
Die Angabe in Ah macht nur Sinn, wenn die Spannung immer dieselbe ist, wie bei den Standard-Akkus der Verbrenner (12 V).

Man hatte sich schon auf kWh verständigt. Und das sollte auch so bleiben.
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Re: Wahrheit zur Reichweite gefordert - endlich

Beitragvon graefe » Mo 11. Jul 2016, 13:53

Wieso "endlich"? Das wird z.B. hier doch schon lange gefordert. Dafür braucht es keinen (selbsternannten) Experten.
Und dass es besser als NEFZ geht, haben die Amis mit ihrem EPA-Label auch bewiesen.
Dagegen die Europäer mit dem unsäglichen Umweltlabel... :roll:
BMW i3 (94Ah), Smart (451) ED Cabrio mit 22kW-Bordlader
kein Model 3 reserviert
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Re: Wahrheit zur Reichweite gefordert - endlich

Beitragvon HubertB » Mo 11. Jul 2016, 14:39

Wenn mich jemand fragt was realistisch ist:
Sommer 2/3, Winter 1/2 der NEFZ Angabe.
Zoe Zen / Twizy
CF Box 43kW Typ2 Kabel / 11kW Typ2 Buchse / 2x32A CEE / 2x CEE blau
PV 8,25 kWp / 10m² Solarthermie
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Re: Wahrheit zur Reichweite gefordert - endlich

Beitragvon Poolcrack » Mo 11. Jul 2016, 14:52

Ohne genormtes Fahrprofil inklusive Umwelteinflüsse (= Testzyklus) lassen sich Reichweiten nicht vergleichen. PUNKT. Dass die NEFZ-Werte für die allermeisten Fahrprofile nicht erreichbar sind, ist bekannt und kein Fehler der Hersteller-NEFZ-Angaben, sondern des Testzyklus. Liebe EU-Politiker, bitte gebt uns einen Testzyklus, der sich am europäischen Durchschnitt orientiert ohne Tricksereien mit unmanipulierten Fahrzeugen von der Stange und ohne Diktat der Fahrzeughersteller. Und wenn Ihr das nicht hinbekommt, dann übernimmt einfach die EPA-Tests.
i3 BEV (SW: I001-16-03-504), BJ 04/2014, LL >70.000 km, Gesamtdurchschnitt 12,8 kWh/100 km im BC (=netto)
Model ≡ r≡s≡rvi≡rt
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Re: Wahrheit zur Reichweite gefordert - endlich

Beitragvon novalek » Mo 11. Jul 2016, 15:21

Das was an den Begrifflichkeiten getan werden sollte, ist klar. Was ist Sommer, was ist Winter ?
Wenn man beispielsweise ansagten würde
- 66% des NEFZ sind real bei Temperaturen um 20°C
- 50% des NEFZ um 10°C
- 40% des NEFZ unter 0°C
reichte das - und zwingt hoffentlich bald die Hersteller das Temperaturmanagement in den Fahrzeugen zu verbessern (z.B. Akku-Isolierung / wählbare Beheizung des Akkus auf der ParkZone/Ladezone).

Zum Vergleich: Wenn man Benzin-Kfz-Freunden sagen würde, bei Frost braucht der Wagen statt 8 Liter i.d.R. 20 Liter, kullerten vielen die Augen aus den Höhlen.
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Re: Wahrheit zur Reichweite gefordert - endlich

Beitragvon mweisEl » Mo 11. Jul 2016, 15:23

Poolcrack hat geschrieben:
Und wenn Ihr das nicht hinbekommt, dann übernimmt einfach die EPA-Tests.

Der EPA-Test hat einfach deswegen "realistischer" erscheinende Werte, weil die aus dem Test ermittelten Werte pauschal um 30% verschlechtert werden (also Angabe der ermittelten Reichweite * 0.7 bzw. ermittelter Verbrauch / 0.7).
http://www.fueleconomy.gov/feg/pdfs/EPA%20test%20procedure%20for%20EVs-PHEVs-7-5-2012.pdf

Das kann man mit NEFZ auch machen, aber der geübte Fahrer könnte trotzdem +25% besser als NEFZ fahren. Dann passt es wieder nicht (ergibt z.B. 50% besser als angegeben).

Für jede persönliche Reichweitensituation bleibt nur so ein interaktiver Reichweitenrechner wie oben vorgestellt.
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Re: Wahrheit zur Reichweite gefordert - endlich

Beitragvon e-mike » Mo 11. Jul 2016, 16:16

Das Thema Reichweite ist das mit Abstand am meist gefragtesten von meinen Kunden. Gleich danach kommt das Dings mit dem Laden.

Beides sind Themen, womit heute die Leute davon abgehalten werden, sich mit dem E-Auto als Alternative zum Verbrenner zu befassen. Ich merke in meinem Alltag immer wieder, dass die Menschen sich für das Thema interessieren, aber leider von der Politik/Forschung und den Autoherstellern im Regen stehen gelassen werden.

Ich bekomme mittlerweile schon einen regelrechten Brechreiz wenn ich nur wieder von neuen Studien zur "Akzeptanz von E-Mobilität im urbanen Raum" und wie sie nicht alle heißen, höre. Klar gehören Forschung (und Studien) dazu und sind sinnvoll. Jedoch nur in dem Maße wie sie auch einem nachvollziehbarem Ziel dienen. Mir kommt es heute so vor, dass sich viele Experten mit Hilfe von Studien mit Modethemen eine goldene Nase verdienen. Unsere Politiker sind da so dumm oder überheblich, dass sie noch den ganzen Scheiß mit unserem Steuergeld bezahlen, statt mal drauf zu schauen, dass auch was in der Praxis umgesetzt wird.

So, genug gemotzt!

Bei der Reichweitenfrage kann aber auch jeder Verkäufer den Kunden realistische Antworten geben. Bei meinen Kunden und meinen Autos gebe ich immer folgende Werte an (für Zoe):

Reichweite Sommer 130-150 km
Reichweite Winter 100-110 km

Warum? Weil das die Werte sind die ich aus meiner Erfahrung und mit meinem Fahrstil erreiche. Und es spricht doch auch nichts dagegen das Auto vor Beginn einer Probefahrt mit den Kunden zusammen zu nullen (Verbrauch), damit er während der Probefahrt sieht wie der Durchschnittsverbrauch vorher (vorm nullen) und jetzt bei ihm ist. Meist kommen die Kunden nach 30-60 min zurück und sagen mit einem Lächeln, dass sie den Verbrauch unterboten haben :-)

Das Gleiche oft auch nach Auslieferungen. Ich bekomme oft Mails von Kunden die mir dann schreiben, dass sie mehr Kilometer machen als von mir angegeben.

Was ich damit sagen will ist, dass es sehr wohl eine reale Reichweiten/Verbrauchsmessung bedarf. Diese sollte jedoch mit dem selben Fahrprofil erfolgen wie mit den Verbrennerfahrzeugen. Interessant wäre hier allerdings andere Profile bzgl. der Fahrzeugklasse. Also der Berücksichtigung dass Kleinwagen meist ein anderes Fahrprofil haben als Mittel/Oberklasseautos.

Um bei den Kleinwagen zu bleiben. Wenn hier berücksichtigt wird, dass viele dieser Autos für Kurzstrecken oder nur als Zweitwagen für Pendler genutzt werden, wäre der Unterschied zwischen E-Antrieb (der keine erhöhten Verbrauch in der Warmlaufphase hat) und Verbrenner ein ganz anderer.
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