Pendeln mit dem Elektroauto

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Pendeln mit dem Elektroauto

Beitragvon paulektro » Mi 10. Aug 2016, 11:09

Hallo liebe Mädels und Jungs,

seit einiger Zeit verfolge ich intensiv die Entwicklungen in der Elektromobilität und das auch über dieses Blog und Forum. Als Langstreckenpendler würde ich mich über Praxiserfahrung aus diesem Betriebsmodus freuen.

Ich prüfe grade die Anschaffung eines Elektroautos als Alltagswagen. Mein Arbeitsweg, den ich täglich damit zurücklegen muss, beträgt hin und zurück insgesamt 140 km wovon 100 km Autobahn und der Rest Landstraße mit Ortschaften sind. Ein Aufladen bei der Arbeit ist derzeit nicht möglich. Diese Distanz bedeutet, dass sich die höheren Anschaffungskosten schnell amortisieren dürften. Sie bedeutet aber auch, dass es mit der Reichweite aktuell (oder sagen wir: zeitnah) verfügbarer Modelle knapp werden kann.

Also habe ich eine Rechnung in einem spreadsheet aufgemacht. Mein Modellfahrzeug ist der Hyundai Ioniq, der von den verfügbaren Mittelklassemodellen die vielversprechendste Autobahnreichweite hat und mir nebenbei auch ansonsten sehr gut gefällt ;) Die Gleichungen für Luft- und Rollwiderstand habe ich aus folgender Quelle: http://www.mx-electronic.com/pdf/Energi ... 0_km_A.pdf

Parameter in der Rechnung sind:
  • c_W = 0,24 [Luftwiderstandsbeiwert, Quelle: Irgendwo im Ioniq Thread]
  • A = 2,11 m² [Stirnfläche, Quelle: wikipedia, b*h*0,8]
  • c_R = 0,011 [Rollwiderstandsbeiwert, Quelle: diverse, Leichtlaufreifen]
  • m = 1650 kg [Fahrzeugmasse, Quelle: Herstellerangaben Lermasse +150 kg]
  • C_N = 28 kWh [Akku Nettokapazität, Quelle: Herstellerangaben]

Zusätzlich rechne ich mit einem Verlust im gesamten Antriebsstrang, Akku bis Radlager, von 10%. Für den Landstraßenanteil nehme ich vereinfacht den Stromverbrauch wie bei 100 km/h auf der Autobahn an (12,8 kWh/100km).

Abhängig von der Autobahngeschwindigkeit ergeben sich nach 140 km mit 100 km Autobahnanteil folgende Reststrommengen im Akku, wenn ich wieder an der heimischen Steckdose bin:
    Geschw. | Autob.Reichw.| Restkapazität
    km/h ...| km ............| % .....
    60 .......| 346,8 ........| 52,9
    70 .......| 310,2 ........| 49,5
    80 .......| 276,6 ........| 45,6
    90 .......| 246,3 ........| 41,2
    100 ......| 219,5 ........| 36,2
    110 ......| 195,9 ........| 30,7
    120 ......| 175,3 ........| 24,7
    130 ......| 157,2 ........| 18,2
    140 ......| 141,5 ........| 11,1

So weit so gut. Die Werte scheinen realistisch und unter diesen Idealbedingungen ist die Strecke kein Problem. Jetzt wird es aber Winter und ich muss noch ein paar Parameter in die Rechnung einfügen:
  • Stromverbrauch Vorwärmung 2 kWh (Akku und Innenraum, 1x vor Heimfahrt da morgens am Stromnetz)
  • Zusatzverbraucher 0,6 kW (Licht, Radio, Heizung, etc.)
  • Erhöhter Rollwiderstand 25% (Starkregen, Schneematsch)
  • Gegenwind 15 km/h (Mittelwert auf gesamte Strecke)

Wenn sich jetzt also einmal alle Elemente gegen mich verschwören, ergeben sich folgende Werte:
    Geschw. | Autob.Reichw.| Restkapazität
    km/h ...| km ............| % .....
    60 .......| 238,2 ........| 27,4
    70 .......| 215,1 ........| 23,5
    80 .......| 194,0 ........| 18,8
    90 .......| 174,9 ........| 13,5
    100 ......| 157,8 ........| 7,6
    110 ......| 142,6 ........| 1,0
    120 ......| 129,1 ........| -6,1
    130 ......| 117,2 ........| -13,8
    140 ......| 106,6 ........| -22,2

Mit Tempo 100 zur Arbeit zu fahren fände ich jetzt nicht das Ende der Welt. Aber jetzt ist schon kein kleiner Umweg zum Baumarkt mehr drin und der Akku ist noch nicht gealtert. Wenn ich hier mit den 25% Kapazitätsverlust rechne, die in der Herstellergarantie liegen, kann ich es sofort vergessen. Sollte ich bald umziehen und noch ein paar Kilometer dazukommen, habe ich ebenfalls ein Problem.

Ich würde mich total freuen, wenn Ihr meine fettgedruckten Annahmen mal kritisch hinterfragen und mit euren praktischen Erfahrungen kommentieren würdet!

Viele Grüße, Paul
Für jeden Tag: Mazda 626 2,0 Kombi bald ersetzt durch: Ioniq Style Phoenix Orange - Sangl 278
Für ansonsten: VW T4 Multivan TDI 2,5
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Re: Pendeln mit dem Elektroauto

Beitragvon Helfried » Mi 10. Aug 2016, 11:20

Ein Aufladen bei der Arbeit ist derzeit nicht möglich.


Du wirst doch überaus gut verdienen, dass sich so ein weit abgelegener Job überhaupt rentiert.
Und dann gewährt man dir kein Steckdöschen bei der Arbeit?
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Re: Pendeln mit dem Elektroauto

Beitragvon mustanse » Mi 10. Aug 2016, 11:38

Stromverbrauch wie bei 100 km/h auf der Autobahn an (12,8 kWh/100km)

Das halte ich für sehr ambitioniert, ich würde eher mit 15kWh/100km rechnen.

Statt akademisch rumzurechnen bietet es sich auch eher an z.B. einen 30kWh-Leaf auf genau dieser Strecke probezufahren um zu erkennen, dass für diese Strecke ohne laden spätestens im Winter diese Akkugröße notwendig ist.
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Re: Pendeln mit dem Elektroauto

Beitragvon SL4E » Mi 10. Aug 2016, 11:41

paulektro hat geschrieben:

Zusätzlich rechne ich mit einem Verlust im gesamten Antriebsstrang, Akku bis Radlager, von 10%. Für den Landstraßenanteil nehme ich vereinfacht den Stromverbrauch wie bei 100 km/h auf der Autobahn an (12,8 kWh/100km).



Das ist Grundlegend verkehrt. 12,8kwh auf der Autobahn schaffst du nicht, außer mit 80 im Windschatten vom LKW. Rechne mal eher mit 14-16 bei gutem Wetter.
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Re: Pendeln mit dem Elektroauto

Beitragvon sebas » Mi 10. Aug 2016, 11:43

Deine Rechnung ist soweit plausibel und entspricht auch meinen Erfahrungen.
Vielleicht sogar etwas zu optimistisch

Im Grunde kann man zusammenfassend sagen, dass du ohne Zwischenladung
im Winter diese Strecke nicht 100% zuverlässig schaffen wirst es sei denn du investierst
in einen der neueren Elektrofahrzeuge mit 30KWh Akku. (Leaf, I3)
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Re: Pendeln mit dem Elektroauto

Beitragvon EVduck » Mi 10. Aug 2016, 11:45

Wo ist denn deine Arbeitsstelle? gibt es keine Lademöglichkeit in der Nähe? könntest du dein AG nicht fragen ob du gegen eine Pauschale ein Steckdöschen benutzen kannst?
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Re: Pendeln mit dem Elektroauto

Beitragvon AndiH » Mi 10. Aug 2016, 11:48

Bei "unscharfen" Randbedingungen ist ein fundierter Schätzwert meist genauer ;-)

Realistisch würde ich bei einigermaßen sparsamer Fahrweise und Heizungsdosierung im Winter mit 16kWh/100km im Durchschnitt rechnen. Von deinen theoretischen 28kWh sind wahrscheinlich rund 24 nutzbar, d.h. du würdest im Winter mit einer Restladung von ca. 6%...10% ankommen...

Um deine Nerven zu schonen und auch ein wenig Alterung des Akku etc. einzuplanen würde ich dir empfehlen die folgenden Autos in betracht zu ziehen:

- Leaf 30kWh Akku (schon erhältlich)
- E-Golf 36kWh Akku (ab Ende des Jahres)
- i3 33kWh Akku (schon bestellbar)

oder deinen AG wegen Lademöglichkeit ansprechen, da ein Laden während der Arbeitszeit passt wie die Faust auf's Auge.

Gruß

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Re: Pendeln mit dem Elektroauto

Beitragvon Starmanager » Mi 10. Aug 2016, 11:59

Viel zu viel Theorie. Einfach einen ausleihen und im Winter schoen fahren und auch bei GEGENWIND und schlechtem WETTER testen. Dann gehen Dir die Augen auf... wie weit die Theorie von der Praxis abweicht. :mrgreen:
MFG

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Re: Pendeln mit dem Elektroauto

Beitragvon AndiH » Mi 10. Aug 2016, 12:01

SL4E hat geschrieben:
Das ist Grundlegend verkehrt. 12,8kwh auf der Autobahn schaffst du nicht, außer mit 80 im Windschatten vom LKW. Rechne mal eher mit 14-16 bei gutem Wetter.


Das hängt auch vom Auto ab. Mein e-Up zeigt bei 66km (75% AB) und 75kmh durchschnitt im Sommer teilweise 11,5kWh/100km. Wenn ich es eilig habe sind es dann eher 13kWh und im Winter eher Richtung 15kWh. Machbar ist das also schon, die Frage ist ob man das ganze so "auf Kante nähen" sollte.

Gruß

Andi
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Re: Pendeln mit dem Elektroauto

Beitragvon Greenhorn » Mi 10. Aug 2016, 13:01

Erst mal willkommen und gute Entscheidung.
Mit den Modellen mit derzeit 28 kWh verfügbar sollte das klappen, wenn Du auf der AB nicht dauerhaft die linke Spur nutzen möchtest. Es ist aber nicht nur die Entfernung sondern auch die Topografie. Gib doch mal die Route im Routenplaner ein und poste sie. Vielleicht liegt ein Schnellader an der Strecke.
Ansonsten, wie schon geschrieben, ausleihen und Erfahrungen sammeln.

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Gruß Bernd
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