Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

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Re: Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

Beitragvon campr » Di 26. Jan 2016, 21:58

Ich habe die Probefahrt hinter mir. Danke an das Autohaus Benischke! Es wird für mich kein Renault Zoe werden. Das elektrische Gleiten, gerade im niedrigen Geschwindigkeitsbereich ist zwar mächtig cool, vor allem wenn man die Fußgängerwarnung deaktiviert hat, aber irgendwie ist mir bewusst geworden, dass es aus ökologischer Sicht unsinnig ist, einen neuen Elektrowagen zu kaufen. Da scheint mir es sinnvoller, einen älteren Gebrauchten (aus der Familie) länger zu nutzen. Da fehlt zwar die Coolness, aber er erfüllt den Zweck und ich rede mir ein, dass es nachhaltiger ist, ein bereits gebautes Auto so lange zu nutzen, solange es kein Sicherheitsrisiko darstellt. Mal sehen, wie lange ich bei dieser Meinung bleibe.

Ich könnte jetzt noch etwas über die Probefahrt schreiben, aber das wird vermutlich eh die wenigsten interessieren. Das Lederlenkrad liegt gut in der Hand, die Türen haben fast keinen Halt und gehen schnell mal sehr weit auf, deren Klang und Teile des Kofferraums erinnert an Transporter. Z.B. die Fensterhebertasten müssen wohl aus einem Dacia stammen, da der Clio im Autohaus gefühlt 2 Klassen hochwertiger verarbeitet war (so wie man das von Renault kennt).

Ich empfand es relativ schwer, eine saubere Straßenlinie zu finden, eierte ziemlich rum - liegt wohl an mir. Bei ca. 74km/h mit Tempomat waren recht nervige Geräusche zu hören, sonst auch bei sanftem Beschleunigen angenehme Turbinengeräusche. Es kam auch mal vor, dass beim Abschalten des Tempomat ein unangenehmes, schwer beschreibbares Geräusch zu hören war. Es fiel mir sehr schwer, das Gaspedal so in der Position zu halten, dass nur der dünne grüne Balken gezeigt wird, also weder gebremst noch Strom gegeben wird. Mir wäre es lieber, wenn es einstellbar wäre, ob ich beim Vom-Gas-Gehen rekuperiere oder nicht - ich würde ihn oft lieber ausrollen lassen wollen. Gefühlt würde ich meinen, dass der Ausrollweg in N mit dem BMW deutlich größer war (und der ist schon schlechter als bei Handschaltern) als beim Zoe in neutraler Gasposition.

Die Scheibenreinigungsanlage kann man wohlwollend als funktional bezeichnen - wenn kein Salz auf der Straße ist. Sicht nach hinten hatte ich praktisch nur ca. 20cm breit, denn links und rechts ragten meine Kindersitze ins Bild, was ich bisher noch von keinem anderen Auto so kenne. Die Kinder fanden es allerdings toll, so hoch zu sitzen ("höher als ihr vorne").

Bei neblicher Nachtfahrt (14km im Kreis, Durchsschnitt 15,5kWh/100km bei praktisch keinem Verkehr und äußerst zurückhaltender Fahrweise mit Eco, nie schneller als ca. 80km/h) konnte man eine große Lichtkeule von vorn links sehen (Helligkeit war OK) - keine Ahnung, ob der Scheinwerfer verstellt war (ich wurde auch mal angeblinkt) oder das normal ist. Kurz danach bin ich mit meinem 3er die gleiche Testrunde gefahren (Durchschnitt 5,9l/100km) - das Licht war erheblich gleichmäßiger.

Als doof empfand ich, dass der Bordcomputer a) sich nie gemerkt hat, welchen Bildschirm ich zuletzt genutzt hatte und b) nicht kapazitativ arbeitet, ich also ziemlich bestimmt mit dem Fingernagel drücken musste, um eine Reaktion auszulösen.
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Re: Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

Beitragvon Alex1 » Di 26. Jan 2016, 22:28

Aus ökologischer Sicht rentiert sich ein eAuto sehr schnell. Erst recht, wenn Du echten Ökostrom nimmst (eWerke Schönau, Greenpeace Energy, Naturwatt). Da ist die "Grauenergie" für die Herstellung ganz schnell wieder drin. 1 bis 2 Jahre maximal.

Aber es gibt noch ein paar weitere Gesichtspunkte:
- Der lokale Ausstoß von Feinstaub,
- Die NOx-Emissionen (die ja bekanntlich offensichtlich viel höher sind als bisher vermutet... :roll: ),
- Der Lärm im Stadtgebiet,
- Die Vorbildfunktion
- usw.

Gebrauchte Stinker werden eh immer billiger werden. Nimmt man immer nur die, werden überhaupt keine eAutos mehr hergestellt...

Ich hab mir aber die ganzen anderen Beweggründe nicht angeschaut, z.B. Deine üblichen Strecken und die Ladesituation dort.
Herzliche Grüße
Alex
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Re: Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

Beitragvon Twizyflu » Mi 27. Jan 2016, 00:39

Mir geht's vor allem ums Lokal emissionsfrei fahren
Das ist toll :)
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Re: Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

Beitragvon Karlsson » Mi 27. Jan 2016, 01:30

campr hat geschrieben:
irgendwie ist mir bewusst geworden, dass es aus ökologischer Sicht unsinnig ist, einen neuen Elektrowagen zu kaufen. Da scheint mir es sinnvoller, einen älteren Gebrauchten (aus der Familie) länger zu nutzen.

Für die Umwelt ist das Jacke wie Hose, ob Du jetzt den Wagen weiter nutzt oder das wer anderes tut. Wen er noch fahrtüchtig ist, wird er ja nicht nach dem Verkauf in der Presse verschwinden.
Mein alter Diesel Corsa wird auch weiter genutzt, nur nicht von mir :lol:

campr hat geschrieben:
deren Klang und Teile des Kofferraums erinnert an Transporter. Z.B. die Fensterhebertasten müssen wohl aus einem Dacia stammen,

Ja, das ist so. Gibt welche, die noch nachgedämmt haben, so dass die Akustik wertiger wird.

campr hat geschrieben:
da der Clio im Autohaus gefühlt 2 Klassen hochwertiger verarbeitet war (so wie man das von Renault kennt).

In echt? :shock: Ich hab noch nie vorher über den Kauf eines Renault nachgedacht und wenn es einen passablen Elektro Corsa geben würden wäre ich auch gern wieder bei Opel.
Allerdings gewinnt Renault langsam bei mir Land, da der Zoe schon sehr gefällt. Wenn das so bleibt, wars vielleicht doch nicht mein letzter Renault.
Wenn wir noch mal nen Verbrenner kaufen müssen, wirds aber doch wohl lieber Opel oder Ford.

campr hat geschrieben:
Ich empfand es relativ schwer, eine saubere Straßenlinie zu finden, eierte ziemlich rum - liegt wohl an mir.

Denke auch, kann ich nicht bestätigen.

campr hat geschrieben:
Bei ca. 74km/h mit Tempomat waren recht nervige Geräusche zu hören,

Auch das bei mir nicht. Allerdings bin ich mal einen Probe gefahren, der mir damals lauter vor kam. Muss da so ein bisschen an die rühen Modelle mit Motorproblemen denken...die wurden immer lauter. Und der, den ich damals Probe gefahren war, hat dann auch später einen neuen Motor bekommen.

campr hat geschrieben:
Es fiel mir sehr schwer, das Gaspedal so in der Position zu halten, dass nur der dünne grüne Balken gezeigt wird, also weder gebremst noch Strom gegeben wird.

Gewöhnung. Andere schalten in N. Ich lasse auch gerb rollen. Ist auch sparsamer.

campr hat geschrieben:
Die Scheibenreinigungsanlage kann man wohlwollend als funktional bezeichnen

Ja, 3 minus.

campr hat geschrieben:
Bei neblicher Nachtfahrt...

Ok, da hab ich Xenon drin... 8-)
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Re: Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

Beitragvon mustanse » Mi 27. Jan 2016, 23:10

Hallo Campr,
danke für Deine Eindrücke von der Probefahrt. Komisch, sonst gab es hier des Öfteren einen regelrechten Shitstorm, wenn am jeweils favorisierten E-Auto auch nur der Hauch von Kritik geäußert wird. Aber - mit wenigen Ausnahmen - eisiges Schweigen ist wohl so was Ähnliches.
Als schon längerer Zoe-Fahrer kann ich einige Punkte durchaus nachvollziehen, an mancher Stelle aber eher nicht, deshalb hier doch noch Fragen:
Was ist mit eierigen Geradeauslauf gemeint? Ich empfinde die Servolenkung eher als zu straff mit recht starken Rückstellkräften zur Mittellage, zusammen mit dem tiefen Schwerpunkt und den 17 Zöllern finde ich, läuft der Wagen eher satt auf der Straße. Bessere Fahrwerke kenne ich auch in der gleichen Klasse aber schon.
Scheinwerfer: Wenn man mit der Zoe angeblinkt wird, müssem die Scheinwerfer schon verstellt sein. Mit den eingebauten Funzeln kann man kaum jemanden blenden...
Verbrauch: für 15,5KWh ab Batterie muss man sich auf Stadt/Landstraßen eher nicht zurückhalten - es sei denn, da flossen 3KWh allein fürs Aufheizen des Wagens von -5 auf 24 Grad.
Zustimmung beim R-Link: Bei tollen Ideen ist die effektive Umsetzung doch eine Unverschämtheit.

Ein bischen merkwürdig, finde ich die plötzliche Kehrtwendung und die Aussage dann doch aus ökoligischen Gründen kein E-Neufahrzeug mehr kaufen zu wollen. Verstanden hätte ich etwas wie "Die Probefahrt hat mich nicht überzeugt für dieses Auto X KEUR zu bezahlen" oder ähnlich. Nach den langen Diskussionen hier klingt das eher nach einer Ausrede.

Ist die Yaris-Probefahrt noch geplant? Ich fände es trotz Entscheidung gegen die Zoe interessant, wie Du den Vergleich empfindest.
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Re: Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

Beitragvon eDEVIL » Do 28. Jan 2016, 10:57

Das mit den Öko-Gründen ist schon sehr merkwürdig. kauf doch einen gebrauchten ZOE... ;)
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Re: Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

Beitragvon campr » Do 28. Jan 2016, 14:55

Eine Probefahrt mit dem Yaris ist auch nicht mehr geplant.

Ich bin dabei, das lesenswerte Buch "Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand" von Harald Welzer zu lesen, vor einem halben Jahr hat mich schon Volker Pispers' Kapitalismus-Kritik irgendwie wach gerüttelt. Aus eurer Sicht mag mein Umschwenken unverständlich erscheinen oder nahelegen, dass es andere Gründe für meine Entscheidung gibt, z.B. zu knapp bei Kasse. Aber (aktuell) sehe ich es genau so wie ich es beschrieben habe.
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Re: Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

Beitragvon eMarkus » Do 28. Jan 2016, 18:55

campr hat geschrieben:
Ich bin dabei, das lesenswerte Buch "Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand" von Harald Welzer zu lesen, vor einem halben Jahr hat mich schon Volker Pispers' Kapitalismus-Kritik irgendwie wach gerüttelt. ... Aber (aktuell) sehe ich es genau so wie ich es beschrieben habe.


Wie meinst Du das genau ?
Meinst Du das so, möglichst keine Neuprodukte zu kaufen um den Kapitalismus nicht zu unterstützen ?
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Re: Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

Beitragvon ChrisZero » Do 28. Jan 2016, 19:26

eDEVIL hat geschrieben:
Das mit den Öko-Gründen ist schon sehr merkwürdig. kauf doch einen gebrauchten ZOE... ;)


+1
Gruss Chris
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..bereits 150k km el. gef. (in der Fam. 350k km)

4,6 kWp PV (seit 2014)........20m2 Therm.Solar und Erd-WP (seit 1999).....5000l Regenw.anl. für Waschm., WCs und Gartenbew. (seit 2000)
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Re: Kaufberatung Zoe vs. Yaris Hybrid

Beitragvon campr » Do 28. Jan 2016, 19:32

Der Autor beschreibt das Hauptproblem des Kapitalismus darin, dass er immerwährend wachsen muss (Stichwort: Wirtschaftswachstum). Ohne oder mit negativem Wirtschaftswachstum gilt ein Staat oder Unternehmen als gescheitert. Dabei kann dies nicht funktionieren, da die Erde nun einmal endlich ist. Das führt bei knapper werdenden Ressourcen dann dazu, dass immer aberwitzigerer Aufwand getrieben wird um an Rohstoffe zu gelangen (Stichwort: Fracking). Auch die Akkus und die Permanentmagnete in Elektrofahrzeugen brauchen viele besondere Rohstoffe, die in anderen Erdteilen mühsam aus der Erde gebuddelt werden müssen, während wir hier damit in unserer schönen, sauberen Umgebung rumfahren, weil die schmutzige Industrie outgesourct wurde. Der Kapitalismus interessiert sich per se nur für Gewinn - Umweltschutz oder staatliche Regulierungen sind da nur hinderlich. Wir leben mit unserem Konsum also nicht nur auf Kosten anderer Völker, die das Pech hatten, wo anders gebohren zu werden, sondern auch auf Kosten unserer Kinder und Enkel.

Der Autor kritisiert nicht direkt den Kapitalismus, sondern den durch ihn erzeugten irrwitzigen Konsumwahn. Er gibt aber auch Vorschläge, wie man aus dieser mehr-stärker-höher-schneller-weiter-Spirale rauskommen kann: in dem man seine Ansprüche zurückschraubt. Weniger ist manchmal mehr. Low-tech manchmal besser als high-tech. Ich bin mit dieser Meinung nicht ganz allein - gibt noch mehr davon. "Minimalisten" nennen sich die hard-core-Leute.

Ich bin mir sicher, dass ich diese Thematik nicht ansatzweise so gut und logisch erklären kann wie der Autor und kann dieses Buch jedem ans Herz legen. Nein, ich bin nicht der Verleger oder anderweitig durch den Verkauf begünstigt. Ich bin nur in meiner midlife crisis und fange an, Dinge zu hinterfragen, die mir lange als normal galten. ;)
Zuletzt geändert von campr am Do 28. Jan 2016, 19:37, insgesamt 1-mal geändert.
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