Elektromobilitätsgegner in Stadt & Ländle

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Elektromobilitätsgegner in Stadt & Ländle

Beitragvon Spürmeise » Fr 19. Jun 2015, 20:16

Alex1 hat geschrieben:
Wusste auch gar nicht, dass Heidelberg und Schwäbisch Gmünd schon was tun.

In Heidelberg startet gerade die "Politische Diskussion" zu der evtl. Förderung für Elektroautos:

http://ww1.heidelberg.de/buergerinfo/vo0050.asp?__kvonr=22574&voselect=5039

Hier sticht besonders ein Herr Teufel von der AG Klimaneutrale Mobilität hervor. Seine zentrale Position ist der finanzielle, mentale (die PZN Wiesloch ist ja nicht weit entfernt) und funktionale Rebound, bei dem - kurzgefasst - sich alles Schlechte der Welt in Elektroautos manifestiert.

Besonders gelungen sind seine Folien, die er nächste Woche im Umweltausschuss präsentieren wird, bei denen er Elektroautos wie folgt angreift:

  • bei der Stromerzeugung nimmt er die Primärenergie (S. 4 ), um den Anteil der Erneuerbaren gering aussehen zu lassen (sog. Primärenergielüge). Bei ca. 30% Anteil der Erneuerbaren Energieträger wie derzeitig am Stormverbrauchs bekommen die Erneuerbaren Energieträger in der Primärenergie-Grafik nur ca. 10% Anteil, weil bei den Kohlekraftwerken der Input gerechnet wird.
  • das Elektroauto schlechthin benötigt angeblich 24,3 kWh/100 km (S. 7); wir hier wissen, dass das viel zu hoch angesetzt ist
  • da das Elektroauto schlechthin einen Mehrverbrauch von Strom bedeutet, führt dies unmittelbar zu 100% Braunkohleverstromung. Was für ein Unsinn: zum einen kann lastabhängig geladene werden - das schaffen sogar normale Typ 2-Anschlüsse, indem sie die Leistung augenblicklich zwischen 6 und 32A variieren können. Zum anderen kann (eine nennenswerte Verbreitung vorausgesetzt), das Stromnetz durch die Akkus der Elektroautos gestützt werden. Ohne Elektroautos wird es keine Energiewende geben!
  • damit errechnet er für das Elektroauto schlechthin eine CO2-Emmission von 330 Gramm/km, die noch über dem guten Verbrennermodel liegt (am besten schneidet bei ihm der Diesel ab. Bekanntermaßen überschreiten Euro-6-Diesel die NOx-Grenzwerte im realen Stadtbetrieb um den Faktor 12).
  • wird das Elektroauto schlechthin über eine eigene PV geladen, hätte man den Strom ja auch einspeisen können! Daher bleibt es bei den 330 Gramm CO2/km auch bei eigener PV-Versorgung (S. 8); natürlich lässt er unberücksichtigt, wenn man Ökostrom abnimmt (dessen Verbrauchskostenaufschlag bei richtigen Ökostromanbietern in zusätzliche Erneuerbare Anlagen münden), sowie wenn man die PV-Anlage inbesondere für das Elektroauto angeschafft hat;
  • das Elektroauto schlechthin ist nur ein Zweit- und Drittwagen; fährt man mit dem Elektroauto, kann man nicht mit ÖPNV fahren, was höherem CO2-Verbrauch führt (S. 12); wir hier wissen, dass das Blödsinn ist. Und den Nachteil "guter" Stadtbusse, solange sie mit dem lauten & schmutzigem Dieselmotor fahren, kann man ja erstmal versuchen unter den Tisch zu kehren. Die Straßenbahn darf aber schon mit dem bösen(?) Strom fahren? Wird hier auch 100% Braunkohleverstromung angenommen?
  • durch die niedrigen Betriebskosten von Elektroautos wegen steuerliche Ungleichbehandlung von Benzin und Elektrizität schlechthin fährt man am Ende mit dem Elektroauto; mit Ungleichbehandlung meint er aber genau das Gegenteil der Realität: 1 kWh Strom ist mit ca. 18, die 1 kWh Diesel mit ca 4 Eurocent Steuern & Abgaben belegt.
  • jedes Elektroauto schlechthin führt aufgrund der Flottengrenzwertregelung zu 5 zusätzlichen SUVs, deren Emission dem Elektroauto schlechthin anzurechnen wären; das bedeutet aber auch, dass grundsätzlich keine sparsamen Autos gekauft werden dürfen;
  • durch das Elektroauto schlechthin entstünden besondere Unfallrisiken im Stadtverkehr, vor allem für Füßgänger und Fahrradfahrer. Inwieweit eine Studie aus den USA, deren Modal-Split beim Fahrradverkehr i.d.R bei 0% liegt und bei den Fußgänger in vielen Staaten die besondere Aufmerksamtkeit der Polizei erregen, sowie aus einer der Zeit, in der es noch keine Elektroautos gab, stichhaltig ist, kann bezweifelt werden. Dafür unterschlägt Teufel natürlich die Vorteile durch durch leiserne Elektroautos im Stadtgebiet, die in besserer Gesundheit der Stadtbevölkerung resultiert.
  • die Lösung der Verkehrsprobleme sieht er im Eintausch des Führerscheins durch ein gesponsertes ÖPNV-Ticket. Völlig unrealistisch, damit mehr als 0,1% der Bevölkerung zu erreichen, aber vorgeblich der Traum der VCD-Führungsriege. Bis dahin empfiehlt VCD den "umweltfreundlichen" Diesel.
Zuletzt geändert von Spürmeise am Di 4. Aug 2015, 14:05, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Elektromobilitätsgegner in Stadt & Land

Beitragvon Major Tom » Fr 19. Jun 2015, 21:44

Ist ja schön. Noch so ein Experte.
Anscheinend war man aber in Heidelberg mit diesen Folien auch nicht ganz zufrieden.
Es wurde noch eine Stellungnahme vom IFEU Institut angefordert - mit etwas anderem Ergebnis: http://ww1.heidelberg.de/buergerinfo/getfile.asp?id=253186&type=do

Es besteht also noch Hoffnung.
ciao
Tom
http://www.aich.de BMW i3 11/2013 bis 8/2016 (60Ah), ab 8/2016 (94 Ah)
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Re: Elektromobilitätsgegner in Stadt & Land

Beitragvon Herr Fröhlich » Fr 19. Jun 2015, 22:32

Hoffnung besteht wenn immer mehr Leute ein eCar kaufen und endlich erleben dürfen wie die Realität aussieht.
Immerhin sprechen mich viele Leute an und hören dann die Infos aus erster Hand. Das überzeugt viel mehr als irgendwelche Spinner die eine ePhobie haben.
Das die Energiewende weiterer Umsetzung bedarf, Braunkohle-Kraftwerke üble Emissions-Schleudern sind, steht doch außer Frage. Die Entwicklung der letzten 10 Jahre ist aber gut. 2004 habe ich mir eine Photovoltaik aufs Dach gemacht und......
musste mir von - nennen wir sie Phobikern - viel Blödsinn anhören. Dann habe ich mich auf Menschen konzentriert die Interesse hatten und dem Beispiel gefolgt sind. Eine gute Sache setzt sich eh durch - die Erde ist rund, wir erinnern uns !!
Die Erde reagiert aber auch zunehmend "sensible" auf diese ungeheure Menge an Emission und Vernichtung von Regenwäldern.
Nach 10 Jahren Photovoltaik habe ich auf jeden Fall wieder HOFFNUNG, dass etwas dringend Notwendiges in Bewegung kommt.
Ob es dem "Teufel" :lol: passt oder nicht.
Gerne ohne Braunkohle, aber mit wind, Wasser und Sonne und Speichermöglichkeiten, wie sie Tesla auf den Markt bringen will !!
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Re: Elektromobilitätsgegner in Stadt & Land

Beitragvon Alex1 » Fr 19. Jun 2015, 22:48

Oh Mann, Ideologie kann ganz schön verblenden :evil:
Herzliche Grüße
Alex
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So gelingt die Energiewende. Alternativlos.
Echten Ökostrom: http://www.ews-schoenau.de/ Fast Alternativlos.
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Re: Elektromobilitätsgegner in Stadt & Land

Beitragvon Spürmeise » Di 23. Jun 2015, 14:52

Außer den von mir eingeflochtenen sonst keine Gegenargumente?
Spürmeise
 

Re: Elektromobilitätsgegner in Stadt & Land

Beitragvon Toumal » Di 23. Jun 2015, 16:37

Spürmeise hat geschrieben:
Außer den von mir eingeflochtenen sonst keine Gegenargumente?


Bist du bei der Diskussion zugegen bzw. suchst du aktiv nach Gegenargumenten?
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Re: Elektromobilitätsgegner in Stadt & Land

Beitragvon Spürmeise » Di 23. Jun 2015, 17:25

Ich suche nach (weiteren) Gegenargumenten, am besten direkt auf die Präsentation bezogen.
Spürmeise
 

Re: Elektromobilitätsgegner in Stadt & Land

Beitragvon Leftaf » Di 23. Jun 2015, 17:31

Hallo Spürnase,

schau die doch mal diesen Beitrag



an.

Auch hier wird gezeigt das die Lobbyisten nicht so einfach Ihr Feld räumen wollen. Es kommt auch immer auf das Auditorium drauf an. Möchte Herr Teufel die jährlichen €50.000 für "seinen" ÖPNV haben möchte ist sein Strategie klar zu erkennen.

Aber leider hat er aus gesamt Sicht recht EEG Umlage für nicht zur CO² Reduktion da die Zertifikate verkauft werden und genutzt werden um anderswo die Produktion zu erhöhen.

So auch bei den Autoherstellen die mit dem Elektromodellen Ihre aktuelle Palette an Verbrennen "erhöhen" können. Nur das geht zum Glück nur jetzt am Anfang mit jedem weiteren Modelle wird es schwerer.
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Re: Elektromobilitätsgegner in Stadt & Land

Beitragvon Toumal » Di 23. Jun 2015, 18:36

Spürmeise hat geschrieben:
Ich suche nach (weiteren) Gegenargumenten, am besten direkt auf die Präsentation bezogen.


Greife seine Zahlen an.
Seine Zahlen auf Folie 2 und 3 sind schon mal sehr fragwuerdig.
Siehe auch http://www.polisnetwork.eu/uploads/Modu ... -small.pdf
Selbst beim EU-Energiemix, der ja nicht wirklich sehr CO2-Neutral ist, kommt das Elektroauto wesentlich besser weg.
Du kannst auch Zahlen aus Oesterreich nehmen, z.b. vom Verbund: 98% Wasserkraft. EVN: 86% Erneuerbare Energietraeger, bei dem Produkt Optima Wasserkraft sind es 96% die CO2-Neutral hergestellt werden. Auch andere Laender wie z.b. Norwegen setzen zum Grossteil auf CO2-Neutrale Stromerzeugung.
Bei Beruecksichtigung dieser Zahlen kommt das Elektroauto auf eine Glatte 0 beim CO2-Ausstoss im Betrieb.

Auch bei der Fertigung stimmt es nicht dass Elektroautos mehr CO2 verbrauchen. Diese Angaben stammen aus Zeiten von Bleigel-Akkus. Hier gibt es auch aktuelle Zahlen von Renault, die ich leider gerade nicht finde - es hat aber jemand in diesem Forum mal einen Haufen PDFs verlinkt. Uebrigens rechnet er zwar die CO2-Kosten von der Herstellung und dem Betrieb des EVs vor, aber er exkludiert die Stromkosten und sonstigen CO2-Kosten der Herstellung und des Vertriebes von fossilen Treibstoffen. Die Raffinierie verbraucht Strom und stoesst allerlei Unding aus, und auch der Tanklaster verbraucht Benzin und ist ein ordentlicher Umweltverschmutzer.

Zahlen aus den USA: http://www.ucsusa.org/sites/default/fil ... report.pdf

Auch relevant: http://www.greencarreports.com/news/108 ... han-an-suv


Mehrverbrauch von Strom:
Hinterfrage wie er auf einen Mehrverbrauch kommt. Dann frag ihn ob er eine Ahnung hat wieviel Strom in Deutschland jede Nacht produziert, aber ungenutzt vergeudet wird. Diese Energie ist weg, und alleine damit koennte man schon eine huebsche Anzahl an BEVs ueber Nacht laden. Und falls er das bestreitet, laesst sich das recht leicht aus den Jahresberichten von RWE et al herleiten.

Strom aus eigener PV-Anlage:
10-20g CO2 pro km? Das ziemlich vager mumpitz denn die Produktion passiert nur einmal, d.h. je laenger die Anlage laeuft und je mehr km man faehrt desto geringer ist der Anteil pro km. Schwerer Rechenfehler, und daher ist auch die Konklusio falsch. Und so extrem CO2-Intensiv ist die Herstellung von Solarzellen auch nicht.
Du kannst seine Zahlen auch geziehlt attackieren:
Wenn er sagt, die 10-20g seien auf die Lebensdauer der PV-Anlage gerechnet (deren Leistung er ja auch nicht verraet), dann hast du ihn. Sagen wir 20g CO2 pro km, 20.000km pro Jahr, nehmen wir 25 Jahre Lebensdauer fuer die PV Anlage. Das waeren dann also 20 x 20.000 x 25 = 10.000.000g, oder 10t CO2 fuer die Produktion der Solarzellen. Das ist etwas sehr hoch gegriffen. Vorsicht auch vor den "Energy Payback" calculations die oft einfach CO2-Emissionen mit "Energieverbrauch bei der Fertigung" gleichsetzen. Es mag sein dass eine PV-Anlage einige Jahre braucht um ihre Herstellungsenergie wieder einzuspielen, aber das laesst sich auch nicht 1:1 mit CO2 gleichsetzen.

Fun fact: am Umweltschaedlichsten und Energieaufwaendigsten ist bei einem typischen Solarmodul der Aluminium-Rahmen. Wir streiten uns hier also schon um Dinge, die wir anderswo einfach so mal in Kauf nehmen, z.b. bei modernen Fensterrahmen - nur bei der Elektromobilitaet muss auf einmal alles 100% sauber sein oder es geht garnicht.

Ueberhaupt ist die ganze Betrachtung sehr CO2-Fixiert. Wie schaut das denn mit CO, NO2, Feinstaub und anderen Dingen aus, wuerde ich ihn mal fragen.
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Re: Elektromobilitätsgegner in Stadt & Land

Beitragvon Spürmeise » Di 23. Jun 2015, 21:20

Danke schonmal
Spürmeise
 

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