Ausstattungspolitik der Hersteller bei E-Autos

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Ausstattungspolitik der Hersteller bei E-Autos

Beitragvon Greg68 » Mi 31. Aug 2016, 14:17

Hallo zusammen,
was aus meiner Sicht auch ein Hindernis für die weitere Verbreitung von E-Autos ist, ist die Ausstattungspolitik der Hersteller (nicht nur der deutschen). Ein E-Auto ist in der Grundausstattung meist sehr viel besser ausgestattet als die Basisversion eines Verbrenners. Weswegen auch der "ausstattungsbereinigte" Preis oft gar nicht mehr so weit auseinanderliegt.

Welchen Grund hat das? Technische Gründe sehe ich dafür keine. Meiner Meinung nach: Preise hochhalten um dem Käufer zu suggerieren, dass E-Autos sooo viiiiiel teurer sind als Verbrenner. Das die mit den Basismodellen gar nicht vergleichbar sind, wird nicht dazu gesagt. Wenn sich der Käufer dann gefühlt 100 Extras zu seinem neuen Stinker dazukonfiguriert hat, guckt der dann auch gar nicht mehr, was ein ähnlich ausgestattetes E-Auto kosten würde.

Z.B. die vielen kleinen Autos der Pflegedienste, die in der näheren Umgebung rumflitzen (bei mir meist VW Ups) Ich weiß jetzt nicht genau, wieviel die so fahren am Tag, könnte mir aber vorstellen, dass das oft im Bereich der Reichweite heutiger E-Autos liegen dürfte. Zumindest eine Mischflotte wäre da doch bestimmt sinnvoll. Die kaufen meist die Basismodelle der Verbrenner, um es möglichst günstig zu bekommen. Im Pflegebereich fällt ja nicht viel Gewinn ab. Der ASB, der vor einigen Monaten mal 8 Smart-ed kaufen wollte und nur 3 bekam (kam mal im Fernsehen), sprachen von einer leichten, gerade noch verantwortbaren Unterdeckung in 5 oder 6 Jahren. Wenn es nun aber E-Autos mit ähnlich spartanischer Basisaustattung gäbe wie bei den Verbrennern, könnte das schon anders aussehen...

Was mich persönlich angeht, brauche ich auch Vieles von dem Schnickschnack, der heute in den Autos verbaut wird, nicht.Z.B. keine Navi. Wenn ich mal eine brauche, nehme ich mein mobiles Garmin-Gerät mit. Tut es auch und ich kann es auch im Twike benutzen. V.a. möchte ich keine dauernde Datenleitung haben (vgl. Empfehlung im Tatort 'HAL' von letztem Sonntag: "Oldtimer fahren !" ;) ). Die Datenleitung mache ich bei meinem Schmatzfon auch nur sporadisch an, wenn ich sie brauche. Von daher (und nat. vom Preis) fällt Tesla für mich schon mal aus. Mir würde es auch entgegenkommen, wenn es einfacher ausgestattete E-Autos geben würde. Statt Ledersitzen und Keyless lieber ein schneller Drehstromlader (DC ist in D noch zu lückenhaft).

Gruß,
Gregor
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Beitragvon EVduck » Mi 31. Aug 2016, 15:22

Die hohe Ausstattung ist einfach ein Mittel um die (derzeitigen) hohen Kosten für den Antriebstrang und aller der Dinge, die anders ausgeführt werden müssen als beim Verbrenner, zu kaschieren. Nehmen wir zum Beispiel das Navi. das kostet quasi nichts, um es einzubauen, wird aber mit 350€ (Clio) bis weit über 1000€ (BMW) in Rechnung gestellt. Baut man es also als Grundausstattung ein, kann das Fahrzeug 350€ teurer sein.
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Re: Ausstattungspolitik der Hersteller bei E-Autos

Beitragvon Super-E » Mi 31. Aug 2016, 16:21

Um es noch drastischer zu formulieren: Die Hersteller SCHENKEN bei EVs die Ausstattung die normlerweise ihre cashcow ist dazu, damit wir so in der Diskussion mit Petrolheads sagen können, dass die EVs zwar teuer sind aber auch hochwertig ausgestattet sind...

Nur der Akku des e-up kostete VW damals im Einkauf mehr als alle Komponenten eines Verbrenners zusammen.
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Re: Ausstattungspolitik der Hersteller bei E-Autos

Beitragvon Greg68 » Mi 31. Aug 2016, 17:20

Super-E hat geschrieben:
Um es noch drastischer zu formulieren: Die Hersteller SCHENKEN bei EVs die Ausstattung die normlerweise ihre cashcow ist dazu, damit wir so in der Diskussion mit Petrolheads sagen können, dass die EVs zwar teuer sind aber auch hochwertig ausgestattet sind...

Nur der Akku des e-up kostete VW damals im Einkauf mehr als alle Komponenten eines Verbrenners zusammen.


Du meinst also, das Auto wäre in einer Minimalausstattung genauso teuer wie mit dem ganzen Zeugs? Kann ich mir nicht so recht vorstellen. V.a. nicht, dass die was verschenken, nur um den Preis eines EV künstlich zu senken... zumindest die deutschen Hersteller haben doch eher umgekehrt ein Interesse daran, die Preise bis zur Absurdität hoch zu halten, um eine möglichst geringe Nachfrage zu generieren und sagen (und quasi beweisen) zu können: "Die will keiner". Ok, 100.000 Euro für einen e-Up zu verlangen, das haben sie sich dann nicht getraut. Aber 27.000 für ein so kleines Autochen ist ja auch ein dicker Batzen.
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Re: Ausstattungspolitik der Hersteller bei E-Autos

Beitragvon PowerTower » Mi 31. Aug 2016, 18:26

Vielleicht nicht geschenkt, aber lasse den ganzen Komfortkram eventuell 2.000 Euro Unterschied bei den Herstellungskosten ausmachen.

Jetzt bietest du also zwei Varianten vom e-up! an.

Version in Grundausstattung für 25.000 Euro
- kein Navi
- keine Freisprecheinrichtung
- keine Klimaautomatik
- keine Sitzheizung
- keine Frontscheibenheizung
- kein LED Tagfahrlicht
- kein Tempomat
- kein doppelter Ladeboden
- nur vier Lautsprecher
- nur drei Türen
- keine Alufelgen
- keine App Steuerung
- keine MFA / Bordcomputer (gab es beim Verbrenner up! vor dem Facelift nicht)

Version für 27.000 Euro
- so ausgestattet, wie wir ihn kennen kennen


Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die günstigere Variante sich besser verkaufen würde. Gilt natürlich analog zu allen anderen Elektroautos.
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Re: Ausstattungspolitik der Hersteller bei E-Autos

Beitragvon TeeKay » Mi 31. Aug 2016, 19:16

Die Komponenten haben natürlich alle ihren Preis. Der ist aber wesentlich geringer als der Aufpreis, den die Hersteller sonst nehmen. Ein Navi in der Größe des RLink kostet bei eBay 250 Euro. Sitzheizung ist ein 10 Euro Artikel. Tagfahrlicht ebenso. Tempomat ist nur ne Software-Einstellung mit Plastikknopf. Felgen sind bei den Herstellern absurd überteuert. Sieht man ja an den Preisen von Drittanbietern.

Fazit: Natürlich macht die Sonderausstattung des Fahrzeug teurer. Aber man kann nicht annehmen, dass ein EV ohne all die Sonderausstattung 10.000 Euro billiger wäre. 500 Euro sind wohl wahrscheinlicher. Und da nehm ich lieber all das Extrazeug im Preislistenwert von 10.000 Euro dazu, als 500 Euro zu sparen.

Wie andere schon sagten: Die ganze für den Hersteller billige Zusatzausstattung lässt das Auto deutlich wertiger erscheinen und rechtfertigt den Preis in gewissen Grenzen.

Oder wäre es hier wirklich irgendwem lieber, für ne Sitzheizung 1.100 Euro zu zahlen wie bei Tesla oder 3.500 Euro für ein Navi?
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Re: Ausstattungspolitik der Hersteller bei E-Autos

Beitragvon Jarod » Mi 31. Aug 2016, 20:42

TeeKay hat geschrieben:
Oder wäre es hier wirklich irgendwem lieber, für ne Sitzheizung 1.100 Euro zu zahlen wie bei Tesla oder 3.500 Euro für ein Navi?


Hier geht es aber grade um das Gegenteil, als Grundpreis 4700 Euro weniger zahlen und dann die Option kostenpflichtig haben.

Die Hersteller haben jahrelang die Margen abgeschöpft und so getan, als ob diese Extras alle so wahnsinnig teuer sind.

Dann dürfen sie sich aber auch nicht wundern, wenn teilweise die Meinung herrscht das weglassen eben dieser Extras senkt die Produktionskosten signifikant.
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Re: Ausstattungspolitik der Hersteller bei E-Autos

Beitragvon daedalus » Do 1. Sep 2016, 08:48

PowerTower hat geschrieben:
Vielleicht nicht geschenkt, aber lasse den ganzen Komfortkram eventuell 2.000 Euro Unterschied bei den Herstellungskosten ausmachen.



Leider bezahle ich als Endkunde nicht die Herstellungskosten, sondern den Verkaufspreis.
Der Konfigurator (Ö) lässt ja eine exakte Berechnung nicht zu, aber bereits für 4 deiner Punkte würde sich der Verkaufspreis um rund € 1.500,- reduzieren:

- 4 Türen
- Lederlenkrad
- Seitenscheiben abgedunkelt
- Leichtmetallfelgen

Keines dieser Ausstattungsmerkmale würde ich dazu bestellen, das Fehlen abgedunkelter Seitenscheiben bewerte ich sogar positiv.
Bestimmt findet sich im Ausstattungswirrwarr noch das eine oder andere um die von dir angesprochenen € 2000,- vollzumachen, ohne dass ich den e-UP als armselig empfinden würde.

MfG
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Re: Ausstattungspolitik der Hersteller bei E-Autos

Beitragvon E03 » Do 1. Sep 2016, 09:47

Mit den teilweise erheblichen Margen aus den Sonderausstattungen subventionieren die Hersteller die Akkus, um die Verkaufspreise nicht völlig ins Uferlose abgleiten zu lassen. Konfiguriert man einen ausstattungsmäßig gleichwertigen! Dieselgolf zum serienmäßigen e-Golf, ist der Dieselgolf etwa 7000,- Euro billiger (Stand 2014). Der e-Golf Akku ist aber schon in Einkauf und Weiterverarbeitung erheblich teurer als die 7000,-, womit der Hersteller deutlich weniger Marge am Elektroauto als am (möglichst umfangreich sonderausgestatteten) Verbrenner hat. Das erklärt auch zumindest teilweise das geringe Interesse der Hersteller am BEV.
:) 2014er e-Golf seit Oktober 2015 :)
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