Elektroautos entlasten das Stromnetz

Bild: enercity

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15 Monate lang hatte enercity in Niedersachsen Elektroautos als mobile Speicher getestet. Das Ergebnis wurde nun in Form eines 200 seitigen Abschlussberichts vorgelegt. Spoiler alert: es funktioniert.

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Projektleiter Matthias Röhrig zeigt sich zufrieden. Der Praxistest „Demand Response – das Auto als aktiver Speicher und virtuelles Kraftwerk“ habe gezeigt, dass Elektrofahrzeuge durchaus als mobile Energiespeicher eingesetzt werden können. Der Schlüssel ist allerdings netzgesteuertes Laden.

Insgesamt 40 private und gewerbliche Stromer sowie Elektroautos aus der eigenen enercity-Flotte hatten an dem Projekt teilgenommen. Hierfür wurden 30 intelligente und von enercity entwickelte Ladeboxen aufgestellt. Zu Anfang des Projektes hatten viele der Probanden zwischen 18 und 20 Uhr eingestöpselt – genau dann, wenn die Stromnachfrage am größten ist. Um höhere Lastspitzen im Netz zu vermeiden, hatte enercity spätere Zeitfenster für Ladevorgänge vorgegeben, eben genau dann wenn die Nachfrage eigentlich nachlässt.

Ziel war es zudem, dass Ladezeiten im Alltag nicht von dem Betreiber vorgegeben werden, sondern sich klar an der Verfügbarkeit von Ökostrom orientieren, um Lastspitzen auszugleichen. Zumal sich zeigte, dass für die meisten eine halbe Akkuladung am (Werk)tag ausreichte und Probanden so nur jeden zweiten Tag an die Steckdose mussten.

Andersherum kann ein voller Akku natürlich auch genutzt werden, um eine Steigerung in der Stromnachfrage abzufangen. Rund ein Drittel der Teilnehmer waren bereit, ihr E-Fahrzeug für diesen Zweck während der Standzeit als virtuelles Kraftwerk zur Verfügung zu stellen. Hierfür wurde die Uhrzeit festgelegt, bis wann der Akku voll sein musste (z.B. nach Feierabend) und Lasten durch das Laden oder die Nachfrage durch das Entladen kompensiert.

Dafür braucht man allerdings auch die Autos und Ladestationen, die bidirektionales laden ermöglichen. Derzeit eine Rarität in Deutschland. Zudem stellt sich eine weitere Frage: Wenn das Laden an öffentlichen Ladestationen kostenpflichtig ist und man auch zu Hause für das Einstöpseln bezahlt – bekommt man dann für die rückgespeiste Energie auch Geld zurück? Das klingt vielleicht offensichtlich, aber in Deutschland können derzeit nur Stromanbieter auch Strom verkaufen. Selbst wann man den eigenen Solarstrom für eine Ladesäule vor dem Haus zur Verfügung stellt, darf der Strom nur verschenkt werden.

Das macht das Ergebnis der Studie nicht weniger wertvoll. Im Gegenteil. Wenn die Erkenntnis, dass E-Autos als virtuelles Kraftwerk fungieren können, an Akzeptanz gewinnt, dann könnte sich (vielleicht/irgendwann) auch an der Gesetzeslage etwas ändern.

enercity hat zudem ein Video zu ihrem Feldversuch veröffentlicht, dass man HIER ansehen kann. Wer Interesse hat, den 200 seitigen Abschlussbericht zu studieren, kann diesen HIER herunterladen (bei PIN den eigenen Namen angeben).

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11 Gedanken zu “Elektroautos entlasten das Stromnetz

  1. Na wer sagt´s denn!

    Schon die jetzige Zoe mit 22 kWh könnte (bidirektionales Laden vorausgesetzt) eine 4-köpfige Familie 3 Tage lang unterbrechungsfrei versorgen.

  2. „Zu Anfang des Projektes hatten viele der Probanden zwischen 18 und 20 Uhr eingestöpselt – genau dann, wenn die Stromnachfrage am größten ist. Nach der Ankunft wird das Elektrofahrzeug angeschlossen und erhöht die bereits bestehende abendliche Lastspitze zusätzlich.“

    Also aufpassen mit den 22kW-Wichtigladern am Abend! Sonst wird es schnell finster.

  3. „Nach der Ankunft zu Hause wird das Elektrofahrzeug angeschlossen und erhöht die bereits bestehende abendliche Lastspitze zusätzlich. Zum einen müsste das lokale Verteilnetz ausgebaut werden, da dieses zwar für eine alleinige Spitzenleistung von etwa 30 kW je Hausanschluss, allerdings unter Berücksichtigung der Gleichzeitigkeit nur für eine durchschnittliche Haushaltslast von 3 – 4 kW ausgelegt ist“

    Also aufpassen mit den 22kW-Wichtigladern am Abend! Sonst wird es schnell finster.

  4. Vor ein paar Jahren war ich wirklich begeistert von dieser Idee… In der Zwischenzeit halte ich das Rückspeisen vom Auto als dämlich, weil ich ja dann den Stromspeicher unnötigerweise spazieren fahre.
    Laden in Abhängigkeit vom Stromangebot hervorragend, aber wenn es an das Rückspeisen geht, ist ein stationärer Speicher deutlich sinnvoller.

    Gruß, mstaudi

  5. Keiner von den Untersuchungen berücksichtigt den Notfall, oder die Kälte.
    Notfall: Ich sitze in der Arbeit und in der Familie ist irgendwas und ich muß dringend nach Haus. Das Virtuelle Kraftwerk, will aber den Wagen erst um 17 Uhr (weil so geplant) vollladen. Was nun?
    Die Sommertheoretiker vergessen immer die längeren Ladezeiten bei kaltem Akku im Winter.

    Wer bei der Bundeswehr war weiß, dass die Fahrzeuge vollgetankt im technischen Bereich abgestellt wurden um im V-Fall nicht erst tanken zu müssen. Der V-Fall war der Notfall – den niemand wollte.

    Deswegen Laden: Ja; Entladen nein

  6. Ich halte von der Idee auch nicht viel. Der Aufwand steht in ekinem Verhältnis zum Nutzen.

    Viel günstiger wäre es an strategisch günstigen Stellen in den Umspannwerken jeweils ein Akkuspeicherwerk zu installieren. Dieses könnte auch kostengünstig mit ausgedienten Fahrzeugakkus bestückt sein. Auch an den Windparks, die bei Starkwind überschüssigen Strom aufnehmen können. Und an PV Feldern, die in der Mittagssonne geladen werden.

    So stünden zur Spitzenbelastungszeit bundesweit einige Gigawatt zusätzlich zur Verfügung, ohne auch nur ein einziges konventionelles Kraftwerk zusätzlich hochfahren zu müsen.

    Weiterhin könnte man mit flexiblen Tarifen das Laden zu üngünstigen Zeiten unatraktiv teuer machen. Die meisten Fahrzeuge verfügen schon heute über einen zweitlich programmierten Ladestart.

  7. Im Moment reicht es völlig, wenn alle Stromanbieter einen Vertrag fürs das Übernachtladen anbieten würden, der den Tagstrom nicht verteuert. Dann würde jeder seinen Timer im Auto bzw. In der App so einstellen das erst nachts geladen wird.

  8. Selbst wenn wir 10 Mio E-Autos am Netz hätten, bringt das kaum etwas zur Glättung unserer Verbrauchsspitzen. Ein oder zwei kleine Gaskraftwerke sind preisgünstiger und auch wirtschaftlicher. Die zur Rückspeisung benötigte technische Infrastruktur ist komplex, teuer und der E-Autobesitzer wird hier sicher nicht in Vorleistung gehen. Zudem erfordert dieses System eine permanente hacksichere Kommunikation zwischen Auto und Versorger. Die Abrechnung wird zudem kompliziert und der Einfluss der Rückspeisung auf die Alterung des Akkus ist auch unklar. Möglicherweise zahlt der Autobesitzer am Ende drauf. Zudem, wer will denn das Risiko eingehen dass sein Akku gerade einen Großteil seiner Speicherkapazität an den Versorger abgegeben hat wenn in der Familie ein Notfall passiert und das Fahrzeug außerplanmäßig gebraucht wird? Rein technisch geht das alles, aber nicht alles was technisch auch machbar ist, ist auch sinnvoll und zudem bezahlbar.

  9. “ aber nicht alles was technisch auch machbar ist, ist auch sinnvoll und zudem bezahlbar.“

    Ich wahres Wort gelassen ausgesprochen. Genau wie der Wasserstoff und die Akkuwechselsysteme eine Totgeburt waren, wird auch dieses System nicht marktfähig werden können.

  10. Bis das umsetzbar ist, sind die Akkus so billig, dass jeder einen im Keller hat, wo ja Gewicht und Bauraum nachrangig sind.
    Im Fahrzeug sind die Anforderungen viel höher (Temperaturunterschiede, Rückspeisung, Lastspitzen). Man sollte diese Batterien nicht durch Netzmassnahmen zusätzlich altern lassen. Denn die Alterung müsste der Fahrzeughalter auch vergütet bekommen…

  11. Naja damit die Fahrzeuge rückspeisen können, benötigen sie einen Netzwechselrichter. Der kostet Geld, verursacht Verluste und erhöht das Fahrzeuggewicht.

    Eine andere Lösung wäre der DC Anschluss. Nur dann muss der Wechselrichter in der Ladesäule stecken, die dann ebenfalls entsprechend teuer wird.

    Ich denke auch, dass es da günstiger ist flächendeckend Akkuspeicher als Netzpuffer zu verwenden. Dann spart man sich auch den ganzen Quatsch mit der Vergütung und so.

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