Test Nissan e-NV200 Van und Evalia

Nissan e-NV200

Foto: Nissan

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Im e-NV200 kombiniert Nissan die Vorzüge zweier Modelle – der bewährte und erfolgreiche Antrieb des Leaf und die für seine Abmessungen große Ladefläche des NV200. Ob dies bei dem seit dem 7. Juli erhältlichen Nissan e-NV200 gelungen ist, das erfahrt ihr hier.

‚Das Beste aus zwei Welten‘, nichts weniger soll der E-NV200 verbinden, so Nissan. Auf der einen Seite wäre da der Antrieb des Nissan Leaf, der mittlerweile mehr als 120.000 Mal weltweit verkauft wurde und somit seine Zuverlässigkeit bewiesen hat. Auf der anderen der NV200, der seit 2009 in Barcelona gebaut wird und 2010 zum Van of the Year gekürt wurde.

Der Nissan e-NV200 erhielt seinen Feinschliff in der Praxis, zahlreiche Firmen konnten ihn in Pilotversuchen in den vergangenen drei Jahren testen, was sich offenbar für Nissan gelohnt hat. So konnte man schon vor Serienstart British Gas als Kunden gewinnen.

Antrieb

Nissan e-NV200 Antrieb

Foto: Nissan

Im Prinzip ist der Antrieb identisch mit dem des Nissan Leaf. Er verfügt ebenfalls über 80 kW (109PS) und entwickelt ein Drehmoment von 254 Newtonmeter. Die Übersetzung wurde allerdings an das höhere Gewicht angepasst (9,301:1 gegenüber 8,19:1 bei Leaf). Das Resultat ist ein durchaus als spritzig zu bezeichnender Antritt. Die Beschleunigung lässt zwar oberhalb der für die Stadt üblichen Geschwindigkeiten spürbar nach und wird gegen der 100 Stundenkilometer Marke zunehmend zäh, dennoch kann es der e-NV200 mit dem dieselgetriebenen Bruder aufnehmen (14 Sekunden, 14,5 für den 1.5 dCi).

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h, was für die Stadt und stadtnahe Umgebung mehr als ausreichend ist. Im Eco-Modus sind es noch 100 km/h.

Batterie

Nissan e-NV200 Batterie

Foto: schaperphoto für Nissan

Auch hier bedient sich Nissan aus dem Konzernregal. Eingesetzt werden dieselben Module, die auch im Leaf zu finden sind. 48 an der Zahl bilden die 24 kWh große Batterie. Sie werden in Nissans Batteriewerk in Sunderland gefertigt, jedoch in Barcelona erst zu einer Batterie zusammengesetzt. Diese ist mit 267,5 Kilogramm 7,5 leichter als die des Leaf. Anders als im Leaf wird sie jedoch gekühlt. Da Nissan das primäre Einsatzgebiet im gewerblichen Bereich sieht, rechnet man damit, dass die Schnellladung weitaus häufiger in Anspruch genommen wird und eine aktive Kühlung somit notwendig ist.

Dadurch, dass die Batterie im Unterboden untergebracht ist, liegt der e-NV200 für einen schmalen und hohen Transporter außerordentlich gut auf der Straße, selbst schnell gefahrene Autobahnausfahrten bringen ihn nicht aus der Ruhe.

Reichweite

Nissan e-NV200 ReichweiteWie immer gibt es die NEFZ-Reichweite und die Realität. Im Neuen-Europäischen-Fahrzyklus gibt Nissan für den e-NV200 eine Reichweite von 170 km an, in der Praxis dürfte sie eher bei um die 130 km liegen. Zumindest lassen die Erfahrungen, die mit zwei Personen und 250 kg Zuladung bei sommerlichen Temperaturen und Einsatz der Klimaanlage im Großstadtverkehr von Barcelona gemacht wurden, darauf schließen.

Nissan geht davon aus, dass 70 Prozent der e-NV200 als Van im gewerblichen Umfeld abgesetzt werden. 35 Prozent der leichten Transporter dort legen dort nie mehr als 120 km täglich zurück. Ob das dann auch im Winter passt, wird sich allerdings noch zeigen müssen.

Laden

Nissan e-NV200 Laden an CHAdeMOSerienmäßig wird ein einphasiges 3,3 kW Ladegerät verbaut. An einer haushaltsüblichen Steckdose (Schuko) dauert eine komplette Ladung somit etwa 10 Stunden. Mittels Ladebox lässt sich diese auf 8 Stunden reduzieren. Ein optional erhältliches 6,6 kW Ladegerät ermöglicht eine Ladezeit von vier Stunden in Verbindung an einer 22 kW Ladesäule.

Wie es sich für Nissan gehört, lässt sich der e-NV200 auch mit einem Schnellladeanschluß ausstatten. An einer CHAdeMO Ladestation sind somit Ladezeiten von etwa 30 Minuten auf 80 Prozent möglich. Zumindest in Deutschland habe solche Säulen allerdings noch Seltenheitswert. Das Verzeichnis zählt aktuell 66 CHAdeMO Ladesöulen in Deutschland. Nissan ist sich der Problematik bewusst und möchte die Zahl bis Ende des Jahres zusammen mit Partnern auf 100 erhöhen.

Exterieur

Nissan e-NV200 Exterieur

Foto: Nissan

Von außen unterscheidet sich die elektrisch angetriebene Version kaum von der konventionellen, ist jedoch durch das Elektro-‚Gesicht‘, das sich an der Schnauze des Leaf anlehnt, eindeutig zu erkennen. Wie beim Leaf verstecken sich hinter einer Klappe die Ladeanschlüsse. Dadurch wuchs der e-NV200 um etwa 16 Zentimeter in der Länge. Die Spur an der Vorderachse ist zudem 40 Millimeter breiter, so dass auch die Karosserie 60 mm in der Breite zugelegt hat. Ansonsten blieb er weitestgehend unverändert und teilt sich 70 Prozent der Teile mit dem NV200.

Interieur

Nissan e-NV200 Interieur

Foto: Nissan

Hier dominiert (leider) die für Transporter übliche Plastiklandschaft. Was beim Einsatz als Transporter noch verschmerzbar wäre, beim Preis des 5-Sitzers (dazu am Ende mehr) sind die meisten sicher hochwertigere Materialien gewohnt. Die Instrumente sind gegenüber dem Leaf deutlich aufgeräumter, Geschwindigkeit, Ladezustand der Batterie und die verbliebene Reichweite, das muss reichen. Die Funktion des Getriebe-Wählhebels – anders als im Leaf konventionell – erschließt sich für jeden sofort. Wie beim Leaf bietet er einen Bergabfahrtmodus, der die Rekuperation verstärkt. Über eine Eco-Taste lässt sich der Durst verschiedener Verbraucher senken, was ein klein wenig mehr Reichweite bringt.

Laderaum Nissan e-NV200 Transporter

Foto: Nissan

Angeboten wird der e-NV200 in drei verschiedenen Varianten. Als Van bietet er vorne zwei Sitzplätze und einen abgetrennten 4,2 Kubikmetern großen Laderaum, was Platz für zwei Europaletten bietet. Die maximale Zuladung beträgt 770 Kilogramm.

Als Kombi mit fünf Sitzplätzen und Seitenfenstern reduziert sich das Ladevolumen auf 2.270 Litern. Gleiches gilt für die luxuriöser ausgestattete Variante Evalia. Die Nutzlast beträgt für den Kombi 649 kg und für den Evalia 579 kg. Die Rücksitze lassen sich allerdings umklappen, womit sich das Ladevolumen auf 3.100 Liter erhöht.

Die Beladung ist bei allen drei Varianten durch die niedrige Ladekante von nur 52 Zentimetern besonders einfach.

Preis

Die Preise beginnen für den e-NV200 als Kastenwagen bei 29.819 Euro. Es gibt allerdings eine Mietoption für die Batterie, die den Kaufpreis auf 23.919 Euro  reduziert. Im Gegenzug bezahlt man monatlich zwischen 87 und 150 Euro Miete, abhängig von Laufzeit und -leistung.

Möchte man die Schnellladeoption, muss man allerdings zur 32.720 Euro – mit Batteriemiete 26.820 Euro – teuren Pro+ Ausstattung greifen, die außerdem noch beispielsweise eine Klimaanlage und Rückfahrkamera mitbringt.

Als Kombi beginnen die Preise bei 34.458 Euro, bzw. 28.560 Euro mit Mietbatterie. Der e-NV200 Evalia ist nur in der Topausstattung Tekna erhältlich und kostet 36.766 Euro oder 30.870 Euro zzgl. Batteriemiete.

Nissan verspricht gegenüber der Dieselversion um 50 Prozent geringere ‚Treibstoffkosten‘, die Wartungskosten sollen ebenfalls 40 Prozent geringer ausfallen. Allerdings muss man schon sehr spitz kalkulieren, um bei Strompreisen, wie man sie als Privatperson bezahlt, unter dem Strich auf ein Plus zu kommen. Deshalb rechnet Nissan auch damit, dass 70 Prozent der e-NV200 im gewerblichen Umfeld eingesetzt werden.

Fazit

Der Nissan e-NV200 ist ein agiler Transporter, der trotz seiner Größe überraschend viel Raum bietet. Er fühlt sich an und fährt sich wie man es von einem Transporter erwartet – als Kastenwagen geht das völlig in Ordnung, als Familienwagen kann er seine Transportergene jedoch nicht verbergen. Für einen über 1,80 großen Wagen liegt er jedenfalls sehr gut auf der Straße. Bleibt nur zuhoffen, dass sich die Zahl der CHAdeMO Ladesäulen in Zukunft weiter erhöht. Dann könnte der e-NV200 für Familien mit viel Gepäck eine interessante Alternative werden.

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